(11) Novi Sad und Belgrad

Am nächsten Tag, unserem 26. Tag war wieder alles trocken, auch das Wetter und wir konnten weiter durch Serbiens Dörfer radeln. Wir entschieden uns ersteinmal, dem vermuteten Donauradweg in Richtung Apatin zu folgen. Dort angekommen fanden wir auch das erste Schild, das auf den Radweg hinwies. Da wir noch nicht wussten, wo es hingehen soll, folgten wir den Schildern bis an die kroatische Grenze. Kurz vor der Grenze mussten wir an vielen vielen LKW vorbeifahren, die alle warteten, über die Grenze zu kommen. Die serbische Seite war offen, in Kroatien auf der anderen Seite der Donau muss die Grenze geschlossen gewesen sein oder Mittagspause oder sonst etwas. Alle standen an und wir radelten an ihnen vorbei, da wir beschlossen hatten, dass wir in Serbien bleiben. Für uns ging es durch kleine Dörfer auf vielen Nebenstraßen. Als der Fahrradweg weiter über diese führte und noch ca. 130 Kilometer nach Novi Sad zeigte (wo wir am nächsten Tag ankommen wollten), und der Direkte auf einer etwas größeren Straße war nur 70 km weit. Mit ordentlich Rückenwind entschieden wir uns für viele LKW und Autos, die für unseren Geschmack oft etwas knapp überholten aber auch für ansonsten entspannte 1,5 Tage. Die Suche nach einem Platz zum Wildzelten – in Serbien scheinbar offiziell erlaubt – gestaltete sich schwierig, da die noch vorhandenden kleinen Waldstücke komplett von meist einem Feld umschlossen waren und wenn nicht, waren sie entweder direkt an der lauten Straße oder der Feldweg war für uns nicht passierbar. Im nördlichen Serbien befindet sich eine Tiefebene mit sehr schweren Böden. Beim Versuch, das Fahrrad über diese am Vortag nassgeregneten Wege zu schieben, setzten sich die Reifen sofort mit Boden zu und blockierten am Schutzblech. Also keine Chance, wenn das Schutzblech nicht abgebaut werden soll. Dann sahen wir am Anfang eines Dorfes Gewächshaustunnel und einen Mann, der war am Arbeiten – wobei? Natürlich beim Gras mähen mit der Motorsense! Und wir dachten: Den fragen wir jetzt einfach, ob wir bei ihm in der Gärtnerei zwischen den Erdbeertunneln zelten dürfen. Er sprach kein Englisch, aber mit einer Übersetzer-App konnten wir ihn fragen und ihm auch sagen, dass wir auch Gärtner*innen sind. Er freute sich und sagte, dass das mit dem Zelt kein Problem sei. Wir waren richtig glücklich, einen so schönen Platz zum Zelten gefunden zu haben. Wir bauten unser Zelt auf, kochten Nudeln mit Tomatensoße und Oliven und genossen beim Essen den Sonnenuntergang hinter den Erdbeeren (die leider noch grün waren…)

Zelten mitten in der Gärtnerei

Wir schliefen sehr gut und konnten am nächsten Morgen in Ruhe unser Zelt abbauen, da um uns herum bis halb 9 niemand am Arbeiten war. Wir fuhren ein paar Dörfer weiter, um eine schöne Bank zum Frühstücken zu finden. Gerade als wir eine fanden, hielt ein Auto neben uns an. Ein Mann, der ein wenig Englisch sprach, wollte uns fragen, ob wir Hilfe bräuchten, er wohne drei Häuser weiter, und wenn wir Kaffee oder so bräuchten, sollten wir gerne bei ihm vorbei kommen. Er kam auf seinem Rückweg nochmal bei uns vorbei und wollte uns viel erzählen, aber wir verstanden leider nicht so viel. Er sagte auf jeden Fall, dass die Serb*innen sehr nett und hilfsbereit sind. Das können wir mit unserer jetzigen Erfahrung auf jeden Fall bestätigen. Nach unserer Frühstückspause ging es weiter, den für uns richtigen Weg nach Novi Sad zu finden. Es gab die Möglichkeit, erst nach Süden über Plankenburg zu fahren, oder die direkte Straße nach Novi Sad zu fahren. Wir entschieden uns für den direkten Weg, weil – warum nicht? Außer uns fuhren auch viele Auto und LKW-Fahrer diese Straße, denn sie war ziemlich gut und die Autobahn kostet Maut in Serbien. Daher hatten wir mehr oder weniger Spaß mit Seitenwind und eng überholenden Kraftfahrzeugen. Als uns dann einmal ein Fahrschulauto auch recht eng überholte, hatte ich keine Hoffnung mehr 😉 Es war nie gefährlich mit den überholenden Fahrzeugen, nur nervig. Aber Simon meinte, daran werden wir uns gewöhnen, das könnte noch öfter vorkommen… Irgendwann tauchte wie aus dem Nichts ein Fahrradweg rechts neben der Straße auf, das passiert uns öfter, dass wir den plötzlich bemerken und uns richtig freuen. Dieser Fahrradweg führte uns ziemlich schön nach Novi Sad in die Stadt. Dort nahmen wir uns noch etwas Zeit, um uns die Innenstadt anzuschauen, bevor wir zu unserem warmshowers-host fuhren, wo wir sehr herzlich empfangen wurden. Nach einer warmen Dusche gingen wir mit ihm noch in ein richtig gutes typisch serbisches Restaurant (und ich hab auch etwas Vegetarisches auf der Karte gefunden) mit wunderschönem Ausblick auf die Stadt. Am nächsten Morgen ging es um 6:30 Uhr los, für unseren Gastgeber zur Arbeit und für uns auf die Räder nach Belgrad, Serbiens Hauptstadt. Der Donauradweg verlief wieder an einer viel befahrenen Straße aus Novi Sad raus, da könnte man einen sehr schönen Radweg über den Hügel „Fruška Gora“ bauen, dann könnte man als Radfahrer*in auch die Fahrt darüber genießen und wäre nicht nur genervt von den Kraftfahrzeugen. Zum Glück gab es nach ca. 8 Kilometer einen Alternativweg, der durch Wäldchen, Gartenwege, Dörfer und auf jeden Fall idyllischer verlief.

Dieser schöne Weg führte uns irgendwann auf eine schöne Straße durch Obstplantagen und Dörfer und der Rückenwind half, dass wir viel schneller vorankamen, als gedacht.

Also machten wir hin und wieder ne Pause, um die lokalen Backwaren zu probieren, denn hier gibt es viele kleine Bäckereien mit einer meist relativ großen Auswahl. Wir hatten uns für Belgrad ein kleines Apartment am westlichen Eingang der Stadt gesucht, damit wir nicht durch die Stadt zum Apartment fahren müssen. Jaaa, wir wissen, dass wir dann den langen Weg wieder raus aus der Stadt fahren müssen, aber dann mit neuer Energie nach einem Tag Pause und Spazieren in Belgrads Innenstadt.

Mit viel Sonne im Gesicht eine Pause machen

2 Antworten zu „(11) Novi Sad und Belgrad“

  1. Ah, gut euch zu sehen. So langsam habt ihr auch wieder Lust auf fremde Menschen. Das ist schön. Denke an euch und radle in Gedanken ein bischen mit euch. Viel Glück und passt gut aufeinander auf. Was war mit den Füßen?

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    1. Avatar von fahrradfahrenfetzt
      fahrradfahrenfetzt

      Karins Fußsohlen taten weh, ziemlich wahrscheinlich weil sie falsch auf den Pedalen standen.
      Jetzt haben wir die neuen Pedale, wo sie weniger rutscht und in Belgrad sogar ne Art Sportschuhe
      mit einer hoffentlich besseren Sohle gekauft. Jetzt geht es den Füßen viel besser, auch, weil sie mehr darauf achtet,
      wo sie mit den Füßen auf den Pedalen steht… 🙂

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