Am 16.05 sind wir von Balchik aus in Richtung Warna gefahren. Das ist die drittgrößte Stadt des Landes und zwischen Balchik und Warna befindet sich eine sehr gut touristisch erschlossene Region. Wir fuhren bei bestem Wetter los, es hatte ca. 25 Grad, was sich beim Sonnenschein schnell doch etwas warm anfühlte und genossen erstmal das Auf und Ab an der Küste. Nach ca. 15 Kilometern kam dann der Goldstrand, von dem wir nicht so genau wussten, ob wir ihn überhaupt sehen möchten, da er für seinen Partytourismus bekannt ist. Zum Glück war noch Nebensaison und viele Läden und Partyschuppen wurden erst neu angestrichen, ausgerüstet und dem allgemeinen Frühjahrsputz unterzogen. Mit dem Glück wenig deutschen Partyschlager aus dem „Partystadl“ und wie sie sonst noch heißen zu hören, genossen wir es an der Promenade entlang zu radeln und das türkisblaue Meer zu sehen. Nach einigen Kilometern war der Spuk vorbei und wir kamen auf die Hauptstraße, die uns in die Stadt führte. Mit dem Weg durch die Stadt und einem kleinen Einkauf waren wir dann vier Stunden beschäftigt. Der Weg wäre eigentlich ganz einfach gewesen, wenn nicht immer mal wieder eine Baustelle ohne Umleitung gekommen wäre oder der Verkehr sich nicht an den unzähligen roten Ampeln stauen würde. Ausweichen auf den Gehweg und schieben wäre oft schneller gewesen, nur waren die Bordsteine (auch an Zebrastreifen und Einmündungen) so hoch, dass es mit den Fahrrädern einfach nicht ging. Als wir dann den Smog und den Verkehr der Stadt – selbstverständlich wieder auf der Hauptstraße- verlassen hatten, fuhren wir noch 20 Kilometer durch dünner besiedeltes Agrarland und fanden einen guten Platz für unser Zelt am Rand eines Weizenfeldes.


Der Tag drauf startete mit dem im Wetterbericht angekündigten Regen, also blieben wir einfach bis ca. 11 Uhr im Zelt und warteten ab, dass er vorüber zieht. Als es dann so weit war, weckte Karin den mal wieder eingeschlafen Simon und es ging los. Wir hatten in der Zwischenzeit geschaut, ob es in erreichbarer Entfernung die Möglichkeit zum Couchsurfen gibt und mal wieder etwas gefunden 🙂 Damit hatten wir aber auch ein Ziel, welches es zu erreichen galt. Durch das Hügelland, das nördlich vor dem Balkangebirge liegt, ging es immer hoch und runter, sehr selten war es eben aber für uns war es mittlerweile zur Gewohnheit geworden. Das Wetter war angenehm, häufig bewölkt und der Verkehr war meistens sehr wenig präsent, beste Bedingungen also. Wie so oft fanden wir einen passenden Platz zum Pause machen nach ca. 40 Kilometern und nach der großen Mittagspause ging es weiter wie schon den ganzen Vormittag, entlang großer Felder, die sich manchmal mit Weinbergen oder Kirschplantagen abwechselten, in Richtung Shumen. Dort angekommen ging es noch kurz einkaufen und dann zum Couchsurfen. Dort gab es ein super leckeres Abendessen mit vielen Dingen aus dem eigenen Garten und Honig von den eigenen Bienen und danach noch einen Abend voller toller Gespräche. Die beiden, bei denen wir zu Gast sein durften, waren Anfang 60 und super weltoffen. Er kannte die englische Sprache nur vom Lesen, hatte noch nie gesprochen konnte sich aber super mit uns unterhalten. Das fanden wir richtig beeindruckend, was für eine Leistung! Seine Frau sprach kein Englisch, einiges haben wir aber dann doch verstanden und ihr toller Humor – öfters auch mal auf Kosten ihres Mannes – ist uns nicht entgangen. Danke auch an dieser Stelle an die beiden!

Der 18. Mai begann mit einem super tollen Frühstück bei unseren Couchsurfing Hosts. Dort konnten wir auch unser Zelt über Nacht auf dem Balkon trocknen und morgens noch unseren Wasservorrat auffüllen. Gut gestärkt und ausgeschlafen ging es dann in Shumen los in Richtung Süden, um das Balkangebirge zu überqueren. Zum Glück hatten wir uns eine Strecke ausgesucht, auf der es nicht über den Zentralbalkan mit deutlich über 1000 Höhenmetern geht. Wir fuhren also los und die Straße schlängelte sich zwischen den aufkommenden Bergen hindurch. Direkt nach dem Start hatte es angefangen zu regnen, also waren wir nach gefühlten vier Wochen mal wieder in Regenkleidung unterwegs. Dann ging es nach ca. 25 Kilometern die Hügel hinauf und nach den ersten 150 Höhenmetern konnten wir in einem kleinen Dorf im Park einen überdachten Pausenplatz finden, um Pause zu machen. Nach der Pause ging es weiter immer den Berg hoch. Für uns war es das erste Mal auf dieser Tour, dass mehr als eine Stunde am Stück nichts anderes als Berg hoch fahren angesagt ist. Wir hatten uns am Vorabend überlegt, dass wir oben zelten könnten, um am nächsten Tag den zweiten Berg in Angriff zu nehmen. Leider regnete es dort oben auf 400 m immernoch ordentlich und es war auch erst ca. 14 Uhr, sodass wir uns oben schnell entschließen konnten, weiter zu fahren und nach der Abfahrt direkt wieder 210 Meter hoch zu fahren. Das ging auch gefühlt viel einfacher als beim ersten Mal, obwohl es meistens steiler war. Oben angekommen war immer noch Zeit und selbstverständlich regnete es entgegen der Vorhersage noch immer richtig ordentlich, also fuhren wir mit der Hoffnung, etwas zu trocknen, bevor wir das Zelt aufbauen, weiter. Es ging durch kleine Dörfer und in einem machten sehr viele LKW Halt, bevor sie über den „Pass“ fahren von dem wir grad kamen, dort hielten wir auch kurz, kauften ein paar Kekse als Snack und fuhren munter weiter durch den Regen. Auf einmal wurde es heller und dann hörte es wirklich auf zu regnen und wir waren mittlerweile aus dem hügeligsten heraus, also suchten und fanden wir schnell einen geeigneten Schlafplatz, gut versteckt am Rande eines kleinen Weinbergs. Dort konnten wir auch unsere Kleidung zum trocknen aufhängen und den restlichen Abend genießen.


Am Morgen drauf ging es mit richtig ordentlich Rückenwind weiter, gefühlt war es mindestens schon so lange her, dass wir richtig Rückenwind hatten, wie dass es das letzte Mal geregnet hatte. Also auf in Richtung Süden, denn wir hatten eine Warmshowers-Unterkunft bei einem kleinen Biobetrieb mit Ökocampingplatz gefunden. Wir wussten zwar noch nicht, ob wir drinnen oder im Zelt schlafen werden, aber egal, Landwirtschaft anschauen und die Aussicht auf eine warme Dusche waren super. Es ging durch viele kleine und mittlere Dörfer – die einzige Stadt auf dem Weg konnten wir zum Glück etwas umfahren 🙂 Für die Mittagspause fanden wir einen kleinen Spielplatz/Schulhof, wo nichts los war und wir schön unter den Bäumen sitzen konnten. Denn es war wieder warm geworden und wir wollten in den Schatten. Am Ende der Pause kam dann ein kurzes Gewitter auf und wir zogen unter das Vordach vom Eingang der Schule, um den Regen vorbeiziehen zu lassen, bevor wir weiter fuhren. Es ging weiter in Richtung Süden, wir hatten noch ca. 35 Kilometer und zwei Hügel vor uns, bis wir bei einem kleinen Ökocamp ankamen. Dort wurden wir super lieb empfangen, konnten warm duschen und verbrachten einen geselligen Abend mit zwei Freiwilligen, die hier halfen, den beiden, denen der Ort gehört und einem weiteren Gast aus Mexico, der schon viele Jahre mit dem Fahrrad gereist ist und viel zu erzählen hat 🙂



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