Nach den drei schönen Tagen in der Cycling Academy fuhren wir weiter in Richtung Istanbul. Wir wollten in drei Etappen ins Zentrum von Istanbul fahren. Die erste von den drei Etappen sollte uns nach Çorlu zu einem warmshowers-host führen.

Es ging auf kleinen Straßen von Dorf zu Dorf, bis wir in einer kleinen Stadt nahe der Innenstadt eine Bank zum Pause machen fanden. Dort schenkte uns eine Frau, die an uns vorbeilief, frische, selbst gebackene Brötchen, wir freuten uns sehr darüber! Nach der Pause ging es auf der großen Straße weiter bis Çorlu. Die Straße nach Çorlu rein wurde immer voller mit Autos und Kleinbussen, aber wir fanden einen schönen Weg in die Stadt an vielen Imbissen vorbei. Unser Host ist Arzt und arbeitet in einer Blutspende-Station. Da er bis 19 Uhr arbeiten musste, nutzten wir die Chance, Linsen mit Spätzle zu kochen. Er fand es wohl lecker, denn er hat sich die Reste als Mittagessen für den nächsten Tag eingepackt 🙂 Wir haben noch den ganzen Abend mit ihm über die Türkei, Deutschland und Turkmenistan, sein Heimatland geredet. Er berichtete uns, dass viele seiner jungen Kolleg*innen in der Türkei deutsch lernen, um vielleicht in Deutschland arbeiten zu können, da in Deutschland Ärzt*innen gesucht werden…

Am nächsten Morgen bereitet er uns noch Frühstück mit Ei, Käse und Oliven und Brot zu und wir verabschiedeten uns.
Sonntag-Wahltag
Wir waren ein bisschen aufgeregt, wie der Wahltag hier so verlaufen würde und wir hatten noch die Gespräche der letzten Tage im Hinterkopf, als wir am Sonntag, dem 28.5.23 in Çorlu losradelten, weiter in Richtung Istanbul. Unser Ziel war es heute, ein Hotel 50 km vor dem Stadtzentrum zu erreichen. Unser Weg führte uns teilweise auf der Hauptstraße entlang und teilweise über die kleineren Straßen daneben durch kleine Städte. Wir fuhren an drei Schulen vorbei, die heute Wahllokale waren und wo viele Menschen mit Autos und zu Fuß unterwegs waren. Irgendwann kamen wir nach Silivri, der ersten Stadt für uns am Marmarameer.


Wir fuhren am Meer entlang und machten auf einer Bank mit Meerblick zwischen den Ferienhaussiedlungen Mittagspause und fuhren dann weiter irgendwo zwischen großer Straße, Ferienhäusern und Meer bis zu unserem Hotel (mit Frühstück!). Als wir um ca. 19 Uhr etwas zu Abendessen suchten, gab es vereinzelte hupende Autos mit Türkeiflaggen, die auf der großen Straße neben dem Hotel fuhren. Das wurden immer mehr und bis spät abends war die Straße voll mit hupenden Autos und Sattelzugmaschinen mit Türkei- und Erdoğan-Flaggen in allen Größen.


Am 29.5.23 stärkten wir uns reichlich beim Frühstücksbuffet, denn wir wussten, wir hatten heute einiges vor. Zwar nur ca. 50 km, aber 900 Höhenmeter und viele Menschen erwarteten uns. Die Frage war immer wieder: Auf dem Randstreifen der großen Straße mit all den Autos, LKWs und Bussen, dafür flacher fahren ODER kleine wenig befahrene Nebenstraßen in der Vorstadt nehmen, die wahrscheinlich steiler bergauf und bergab verlaufen? Nach dem zweiten Anstieg mit ca. 17 % Steigung in einem Wohnviertel dachten wir, die Hauptstraße ist doch gar nicht soo schlecht… Aber Simon, das Navi und komoot fanden immer wieder andere Straßen durch schöne Wohnviertel, einen Containerhafen, an Spielplätzen vorbei, durch das Näherei-Viertel, volle Straßen bergauf, volle Straßen bergab, Einbahnstraßen und so weiter. Außer Fahrradwegen war wohl alles dabei 😉 Der Verkehr in Istanbul war angenehmer als befürchtet, die Kraftfahrzeugführer*innen geben sehr viel Acht aufeinander, vor allem auf Radfahrende. Viele überholen mit viel Abstand und auch wenn es eng wurde, ließen sie uns mit den Fahrrädern passieren. Ein Autofahrer feuerte uns an einem Hügel freundlich lachend an, sodass er nach uns auf die Straße fahren konnte. Istanbul wird ja die Stadt auf den sieben Hügeln genannt, und durch das Reinfahren mit dem Fahrrad kann man das wirklich miterleben! Auf unserem Weg hinein fand ich es sehr beeindruckend, wie wir einige Male Hügel hinauf geradelt sind und sich von dort oben wieder ein neues Bild voller neuer, anderer Häuser ergab!



Dann passierten wir irgendwann die Atatürk-Brücke und waren auch gleich schon im Zentrum von Istanbul. Wir fanden einen schönen Platz, um einen türkischen Cay zu trinken, suchten uns ein schönes Hostel aus und schoben unsere Fahrräder durch die engen und von Fußgänger*innen volle Innenstadt zum Hostel. Dort half man uns, unsere Fahrräder zu verstauen und wir kamen gleich in Kontakt mit den anderen Hostelbesucher*innen der Welt. Nach leckeren Spinat-Käse-Gözleme quatschten wir noch mit den Menschen im Hostel und gingen irgendwann müde schlafen.
Ein Tag in Istanbul
…muss man selbst erlebt haben!
Wir hätten hier natürlich noch viel länger bleiben können, aber es zieht uns wieder auf unsere Fahrräder und mit ihnen auf den asiatischen Kontinent. Uns wurde von mehreren Seiten empfohlen, uns auch den Süden und das Zentrum der Türkei anzuschauen, darum radeln wir nun erstmal in den Süden, um dann wieder in den Norden zu radeln, und dabei immer weiter nach Osten mit dem groben Ziel Georgien… Am 31.5.23 fuhren wir also erstmal vom Hostel durch die Stadt zum Hafen und dann mit den Fahrrädern auf die Fähre nach Yalova, im Südosten des Marmarameers.

Wir hätten auch aus Istanbul raus und um das Marmarameer herumradeln können, aber wir entschieden, dass die Fähre die bessere Option ist. Von der Fähre runter, aus Yalova raus und direkt in der Natur 500 Höhenmeter rauf! Wir fanden wieder einen einzigartigen Mittagspausenplatz mit Blick aufs Marmarameer und die eradelten Höhenmeter…

Den Rest des Tages ging es weiter bergauf. Wir kamen an einer Quelle vorbei, wo wir uns erfrischen und dann kamen drei Männer dazu, die den Zustand der Quelle prüften und uns erklärten, dass sie sie eingefasst haben.

Als wir auf den 500 Höhenmetern ankamen, fanden wir einen so schönen Ort zum Zelten, dass wir beschlossen, heute Nacht hier oben zu schlafen. Abends kam noch eine Herde Kühe bei uns zu Besuch vorbei, kein Wunder, so lecker wie die wilden Kräuter hier um uns herum duften!



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