(23) Gemüse ist doch überall

Da wir so fleißig den Berg hoch geradelt waren, freuten wir uns schon direkt beim Aufstehen auf die kommende Abfahrt. Als wir das Zelt verließen, hatten wir klaren blauen Himmel und eine super Sicht auf die Berge, um die wir an diesem Tag herumfahren wollten.

Was wir nicht erwartet hatten, war, dass auf den höchsten Bergen noch ordentlich Schnee lag. Nach der Abfahrt ging es immer weiter in Richtung Marmara Meer, wir wollten noch etwas an der Küste entlang fahren und weiter im Westen durch das Landesinnere zum Mittelmeer rüberfahren. An der Küste angekommen, ging es immer hoch und runter, da die kleinen Buchten, in denen die Ortschaften lagen, durch Hügel voneinander getrennt werden. In einem der Orte fanden wir einen kleinen Wochenmarkt, wo wir Kirschen kaufen konnten und kurz darauf im nächsten Ort noch eine Eisdiele, wo wir uns ein kleines Eis holten und direkt am Meer eine kleine Pause einlegten.

Simon auf dem Wochenmarkt mal auf der anderen Seite des Stands
Ein Eis am Marmara Meer
Ein Eis am Marmara Meer

Es ging weiter entlang von Kiefernwäldern und Olivenhainen an der Küste entlang, bis wir einen guten Zeltplatz in einem Olivenhain fanden. Nebenan stand noch ein Maulbeerbaum, wo wir unsere Obstauswahl ergänzen konnten 🙂

Am nächsten Morgen frühstückten wir beim Zelt, damit der Tau noch etwas trocknen konnte und wir das Zelt nicht so nass einpacken müssen. Gestärkt ging es los in Richtung Landesinneres, wo auf den ersten 40 Kilometern nicht viel passierte, die Straße war meist relativ groß, hatte aber einen guten Seitenstreifen und wir passierten nur sehr kleine Dörfer.

Der Weg mitten durch ein Dorf

Als wir mal wieder eines dieser Dörfer passierten, hörten wir lautes Trommeln und Gesang, kurzerhand entschlossen wir uns einmal kurz von der Straße abzufahren und zu schauen, was dort passiert. Wir brauchten auch noch Brot für das Mittagessen, es passte also sehr gut. Im Dorf waren die alljährlichen Feierlichkeiten zum Gedenken an die Eroberung von Istanbul durch die Osmanen. Der Mensch, der damals die osmanische Fahne in der Stadt hisste, wurde in diesem Dorf geboren. Am zentralen Platz gab es eine Statue von ihm und es hatten sich ca. 100 Leute – darunter verschiedene Ortvorstehenden und Bürgermeister – versammelt. Die Darstellung des Setzens der Fahne wurde von einer überregional bekannten Gruppe mit Gesang, Trommeln und entsprechender Kostümierung übernommen. Am Ende wurde noch die Nationalhymne gesungen und dann gab es Essen und Ayran (ein Getränk aus salzigem Joghurt) für alle Anwesenden. Bis es zum Essen kam, wurden wir natürlich schon von Einigen bemerkt, uns wurde erklärt, dass es gleich Essen gibt, bis alle satt sind und wir unbedingt bleiben sollen. Es sprach sich herum, dass wir aus Deutschland sind und wie so häufig fand sich jemand, der Deutsch sprach und uns alles dort erklärte. Zum Essen wurden wir vom am Platz ansässigen Gemüsehändler in den Lagerbereich seines Standes eingeladen, wo wir Stühle, einen kleinen Tisch und Schatten hatten.

Es gibt Essen für Alle, die wollen: Gewürzter Bulgur und süßer Maisgrieß mit Pinienkernen als Nachtisch

Nach dem Essen bekamen wir noch zwei Tomaten für unterwegs und wir verabschiedeten uns von unserem Kollegen und neuem Freund, dem Gemüsehändler.

Die Gemüseauswahl ist noch nicht soo groß: Tomaten, Gurken, Paprika, Zitronen und Wassermelonen (und Honig)

Wir fuhren eine Weile weiter auf der großen Straße, verließen die dann aber, um eine Abkürzung durch die kommenden Dörfer zu nehmen, da uns das Navi dies vorgeschlagen hatte. Nach ca. 5 Kilometern hielt ein Auto neben uns und ein Herr erklärte uns in sehr sehr gutem Englisch, dass dort nur Schotterwege kommen und dies keine gute Idee sei, es wäre aber einfacher alles im nächsten Dorf bei einem Tee zu erklären. Das passte uns gut und wir trafen uns beim Teehaus. Uns wurde erklärt, dass es einen besseren Weg über den Deich gibt und, dass es noch ein ordentliches Stück bis zur nächsten richtigen Stadt ist. Alles klar, beste Bedingungen für uns, da wir ja eh zelten wollten. Wie so oft erklärten wir, wo wir herkommen und wo wir hinfahren und da wir ein wenig Abwechslung für die Menschen bringen, saß an unserem Tisch eine Runde von knapp zehn Leuten. Wir fragten, was sie alle machen – alles Landwirte – und kamen ins Gespräch. Rund um das Dorf sind die Böden wohl sehr gut, daher werden hier viele Tomaten, Wassermelonen und Weizen angebaut. Aber auch Erbsen und Zuckerrübe sind mit im Anbauprogramm, da es einige Konservenfabriken und eine Zuckerfabrik in der Gegend gibt. Nach dem ein oder anderen weiteren Tee kamen dunkle Wolken am Horizont auf und wir wurden eingeladen, im Haus des gut Englisch sprechenden Mannes – dessen Namen wir leider vergessen haben – zu übernachten. Die Einladung nahmen wir an, nicht im Regen zelten und eine warme Dusche vor dem Schlafen sind doch sehr verlockend. Der Tag endete etwas spät, aber wir waren sehr glücklich und überfüllt mit Eindrücken. Die Türkei hat an diesem Tag ihre Arme noch weiter für uns geöffnet.

Unser Bauernhof für eine Nacht
Hier wird Ayran gemacht – wir sind große Fans von Ayran!
Hier wird Ayran gemacht – wir sind große Fans von Ayran!
Hier wachsen Tomaten für die Verarbeitung

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