Am nächsten Morgen kam ein Mann mit seinem Motorrad auf die Olivenplantage gefahren und wünschte uns einen guten Morgen. Er erklärte uns, dass heute das Heu zwischen den Olivenbäumen geschwadet wird, um es später an die Ziegen zu verfüttern. Wir hatten schon alles zusammengepackt und wünschten ihm einen schönen Tag. Da fuhr er schon wieder weiter und wir gleich drauf auch. Der Tag war ziemlich warm und es war weit und breit keine Wolke am Himmel zu sehen, es sollte bis 32 Grad warm werden. Wir fuhren schwitzend der großen Straße entlang und suchten uns immer wieder Plätzchen im Schatten, um Pause zu machen.

Gern hielten wir auch an, um einen Çay zu trinken. Auf einer Kuppe nach den ersten 150 Höhenmetern des Tages hielten wir an einem Restaurant am Straßenrand an, und konnten einen Çay in der Hollywoodschaukel genießen.
Nachmittags kamen wir in der Stadt Aydin an, kauften uns Obst und machten Mitttagspause im Park im Schatten. Gerade als wir wieder los wollten, lud uns eine Gruppe junger Männer auf einen Çay ein und wir unterhielten uns per Übersetzer auf dem Handy. Sie fragten, wie wir die Türkei finden und ob die Menschen nett zu uns seien. Na klar, so wie wir hier immer wieder auf Tee und Gespräche eingeladen werden! Die Männer mussten auch weiter und so ging es für uns noch einige Höhenmeter hinauf, um am besten bei guter Aussicht zelten zu können. Auf 400 Meter war die Aussicht wirklich schön, aber leider gab es keinen Schlafplatz für uns.

So fuhren wir weiter, bis wir eine Bäuerin am Straßenrand sahen und fragten sie, ob sie einen Platz für unser Zelt hätte. Die ganze Familie kam und zeigte uns eine schöne ebene Fläche auf dem Hof, wo wir glücklich das Zelt aufbauten. Als es schon dunkel war, luden sie uns noch zu einem Tee ein. Ein Junge fuhr mit seinem Fahrrad auf dem Hof herum und er wurde gefragt, ob er nicht mit uns mitfahren wolle. Aber er wollte nicht wirklich 😉 Als wir zu müde waren, wünschten wir eine gute Nacht und schliefen zufrieden im Zelt ein. In der Nacht, als Karin aufs Klo musste, trat sie versehentlich auf eine Plastikwasserflasche, was einen Hund weckte, der sofort zu bellen anfing. Das weckte die anderen drei Hunde (alle waren angeleint), die dann ne Weile mitbellten…

Wir hatten uns den Wecker auf 5 Uhr gestellt, weil die Sonne so früh aufgeht und es sonst im Zelt zu warm wird. Naja, wir stehen nicht sofort auf, frühstückten dann im Zelt, packten alles wieder zusammen, verabschiedeten uns von der Bäuerin und fuhren weiter durch die Berge. Zuerst ein kurzes Stück bergab und dann wieder weiter den Berg hinauf. Dann ging es eine Weile durch die Hochebene mit Olivenhainen und Getreidefeldern.

Mittags kamen wir in Muğla an, wo wir wieder mal im Park im Schatten Pause machten. Da zogen Wolken auf und wir setzten uns in eine Büchertauschhütte und warteten ein bisschen den Regen ab.

Als der Regen weniger wurde, fuhren wir weiter. Aus der Stadt hinaus ging es nochmal 150 Höhenmeter mit 5-7 % Steigung den Hügel hinauf, dabei fuhren wir an Restaurants, Läden und Bushaltestellen vorbei. Immer weiter schwitzend hinauf. Die nasse Straße war schnell wieder trocken und machte die Luft unangenehm schwül. Oben auf dem Hügel war die Universität. Das erinnerte uns an Göttingen, wo die Agrarfakultät auch ganz oben auf dem Hügel ist und wenig Studis Lust haben, dort mit dem Rad hoch zu fahren. Schade eigentlich für die Fahrradmobilität. Dort oben fing es nochmal mit richtig großen Tropfen an zu regnen, aber uns machte das nichts aus, es war eine willkommene Erfrischung. Von dort oben durften wir nun 100 Höhenmeter mit schönster Aussicht, Wind in den Haaren und abklingendem Regen wieder runtersausen!

Dann bogen wir noch einmal ab und waren bei unserer heutigen Herberge, dem „cyclists guest house“ für Fernradreisende. Es ist einfach eine Unterkunft beim Büro der Koordination der türkischen Erweiterung des EuroVelo 8 Radweges. Und direkt daneben ist ein Teehaus, wo die Menschen wie in vielen anderen Teehäusern Rummikub spielen, während sie Tee trinken.

Wir wurden hier mit Tee begrüßt, bekamen alles gezeigt und freuten uns erstmal über die Dusche. Danach gingen wir mit dem Koordinator der Radwege in ein Dorfrestaurant, wo es nur lokales Essen gab: Gegrillte Kartoffeln, Tomaten, Auberginen und scharfe Paprika und gebratenes Rindfleisch, dazu hausgemachtes Brot und Oliven. Wir genossen das Essen sehr und redeten mit ihm über Radwege und Radreisen. Später bekamen wir noch Gurken, Tomaten und Paprika fürs Frühstück.


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