In der Nacht wachten wir auf, weil in der Ferne ein Esel anfing zu rufen, dann hörten wir ihn laufen und er kam immer näher. Nach kurzer Zeit war er bei uns angekommen, hatte sich aber scheinbar etwas beruhigt und fraß nun um unser Zelt herum, wir hörten wie er die Kräuter und Gräser abriß, wie sein Bauch blubberte und wie er direkt neben uns atmete. Er wackelte aber nicht am Zelt und ließ uns auch sonst in Ruhe, also schliefen wir wieder ein und wachten erst um kurz nach 5 Uhr auf, als unser Wecker klingelte. Wir wollten früh los, um nicht die ganze Zeit in der prallen Hitze fahren zu müssen. Am Zelt frühstückten wir noch und fuhren kurz nach Sonnenaufgang los. Es ging durch eine wunderschöne Berglandschaft immer weiter nach oben, bis wir an einen Tunnel kamen. Dort stand, dass Fahrräder und Gefahrgutlaster außen herum auf der alten Straße fahren sollen und der restliche Verkehr den Tunnel nutzen kann. Da am Tunnel kein ausdrückliches Fahrradverbot stand und wir die zusätzlichen knapp 300 Höhenmeter echt nicht reizvoll fanden, entschieden wir uns für den Tunnel. Es war wenig Verkehr, alle 500 Meter gab es eine große Haltebucht, die wir hin uns wieder genutzt haben, um kurz zu verschnaufen und das Beste war, dass der Tunnel konsequent zwischen drei und vier Prozent Steigung hatte. Nach 5 Kilometern verließen wir den Tunnel und waren auf 1000 Höhenmetern, hinter uns ein hoher Berg und vor uns ein von Bergen eingerahmtes grünes Tal.


Es ging etwas runter, wobei wir bemerkten, dass derselbe Reifen, den wir am Vortag schon zwei mal geflickt hatten, wieder Luft verlor. Zum Glück gab es aber wieder einen überdachten Platz mit einer Bank, an dem sonst vermutlich Bauarbeiter oder Hirten Pause machen.
Wir haben da momentan echt Glück, häufig gibt es 10 Kilometer keine Plätze mit Bank und Schatten und da jetzt schon zum zweiten Mal, als wir es richtig gut brauchen konnten. Wir machten also kurz Pause, aßen etwas und flickten nebenbei den Reifen. Endlich fanden wir auch den Übeltäter, es war ein dünnes Stück Draht, das sich durch die Lauffläche des Mantels gedrückt hatte, wie eine Nadel. Es war kaum spürbar und noch weniger sichtbar. Mit der Pinzette bekamen wir den „Splitter“ raus und seitdem verliert den Reifen zum Glück keine Luft mehr.

Für uns ging es weiter, erst durch das Tal und dann wieder weiter nach oben bis auf gut 1300 Meter. Kurz vor der Kuppe wollten wir noch eine kurze Pause einlegen. Gerade als wir dafür anhalten wollten, hupte ein LKW hinter uns. Der Fahrer gab uns eine Flasche mit gekühlter Limonade und wünschte uns eine gute Weiterfahrt. Wie gut! Wir wollen Pause machen und bekommen genau dann etwas Kaltes zu Trinken. Als Snack gab es Schichtwaffeln und eine Banane dazu. Es ging etwas bergab und wurde dann flacher. Auf einer Seite der Straße war der Berg und auf der anderen ein relativ enges aber landwirtschaftlich sehr intensiv genutztes Tal. Uns fiel sofort die feuchte Luft auf, so feucht war sie schon seit längerer Zeit nicht gewesen und wir freuten uns über die Felder mit verschiedenen Getreide, Erdbeeren oder Wassermelonen.

Vor Allem die Erdbeeren hatten wir nicht erwartet. Zu unserem Glück sind die hier gerade reif und wir kauften welche bei einem von unzähligen Straßenständen. Irgendwann wurden wir im Vorbeifahren zum Teetrinken an einen der Stände eingeladen, dort machte die Familie nebenbei ein Picknick. Wir nahmen die Einladung an und genossen es, das rege Treiben am Erdbeerstand zu beobachten. Eigentlich wollten wir uns in diesem Tal nach einer guten Übernachtungsmöglichkeit umschauen, wir fanden nur nichts, da jeder Fleck gut erschlossen war und es wenig Platz zum ungesehen Zurückziehen gab. Am Ende gab es eine Quelle, wo wir unser Wasser auffüllen konnten, daneben gab es überdachte Picknickplätze und etwas oberhalb eine kleine Moschee.

An dem Ort war richtig was los, immer wieder kamen Leute, um Wasser zu holen oder Familien zum Picknicken. Wir fanden zwischen Quelle und Moschee einen guten Platz für unser Zelt und beschlossen, dort zu bleiben. Das Zelt wollten wir aber erst in der Dämmerung aufbauen um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Wir saßen dort, beobachteten, was so passiert und lernten Vokabeln. Dann kam ein Vater mit seinen Kindern, um dort Abendessen zu machen. Sie luden uns ein, mit ihnen zu essen, wir lehnten erstmal freundlich ab, wurden dann aber doch nochmal darauf hingewiesen, dass es genug Essen für alle gibt, und wir mindestens einen Tee mit ihnen trinken sollten. Das machten wir natürlich gern und am Ende aßen wir auch zusammen, die Familie war gerade auf dem Rückweg aus dem Urlaub und machte dort den Zwischenstopp auf halbem Weg. Wir verabschiedeten uns, machten noch ein Bild und wünschten uns gegenseitig eine gute Fahrt. Dann bauten wir unser Zelt auf und gingen früh schlafen. Die Nacht war relativ kühl, sodass wir seit langem Mal wieder unsere warmen Schlafsäcke nutzen und uns richtig schön darin einkuscheln konnten.

Am Morgen des 27.6.23 kam ein junges Ehepaar an unserem Zelt vorbei und lud uns auf einen Tee ein. Wir setzten uns gerne zu ihnen mit ihren zwei Söhnen und tranken mit ihnen Tee. Das war wieder sehr lieb und wir bedankten uns ganz oft. Danach fuhren wir erstmal ins nächste Dorf, um dort Brot für unser Frühstück zu kaufen. Vor dem Laden saßen zwei Männer, die deutsch bzw. englisch sprachen, und darauf bestanden, unser Brot für uns zu bezahlen. Dann frühstückten wir gemütlich im Park. Dann ging es weiter auf einer ziemlich flachen Straße zum Beyşehir-See und ein Stück an ihm entlang.

Unterwges pflückten wir Kirschen von einem Baum, denn die werden hier gerade erst wieder reif ;-). In der Stadt Beyşehir am See war auf den Straßen ziemlich viel los. Es war Markt, auf dem Gemüse, Käse, Oliven und viel mehr verkauft wurden. Und die Menschen bereiten sich auf das Opferfest vor, das von morgen, dem 28.6. bis zum Wochenende gefeiert wird. Wir haben über Warmshowers ein Hotelzimmer vom örtlichen Fahrradverein und seinen Sponsoren organisiert bekommen und genossen die Dusche und das insektenfreie Bett.


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