Am Morgen des 7.7. ging es erstmal durch kleinere Dörfer.

Später kamen wir nach Şefaatli, dort wollten wir gerne in einem Teehaus Çay trinken, fanden aber entlang unserer Route keins.

Als wir an einem Bäcker vorbeifuhren, rief der uns etwas zu. Wir hielten an, um vielleicht Simit zu kaufen. Der Bäcker lud uns auf einen Çay ein, machte Fotos mit uns und wir durften in der duftenden Backstube mitten in all den Broten Çay trinken. Wir fuhren weiter und keine 100 Meter später den Hügel hinauf wurden wir von einem Mann, der gerade ein Auto auf einem großen Platz wusch, zu einem Tee eingeladen. Es stellte sich heraus, dass dies der Treffpunkt für LKW-Fahrer war, die sich kurz danach mit uns versammelten und Tee tranken. Sie fahren gerade vor allem Getreide, das ja gerade in der Gegend gedroschen wird. Ansonsten fahren sie auch viele Zuckerrüben, aber eigentlich alles. Sie fragten uns, in welche Richtung wir fahren und zeigten, dass wir jetzt erstmal einen Berg aus der Stadt rausfahren müssen. Naja, dann mal weiter…
Ca. eine Stunde später waren wir einige Höhenmeter weiter oben und sahen ein Auto, das auf der Kuppe wartete. Als wir dort waren, stieg ein junger Mann, Ibrahim, aus und sagte uns in sehr gutem Englisch, dass er uns schon vor ein paar Minuten der Berg hochradeln gesehen hat, „Respekt!“. Er war inzwischen zu Hause gewesen, und dort hat seine Familie gesagt, er solle uns Radfahrende zum Essen einladen. Die Familie wohnte im nächsten Dorf an der Straße. Wir wollten uns diese Chance, bei einer Familie im Dorf mitzureißen, nicht entgehen lassen und fuhren seinem Auto hinterher zu seiner Familie.




Mit vollen Bäuchen und voller guter Laune fuhren wir weiter durch die Getreidefelder über den heißen Asphalt. Es war wie über Knallerbsen fahren, denn der Asphalt schlägt bei dieser Hitze Blasen, die zerplatzen, wenn man drüberfährt…

Abends fanden wir einen Schlafplatz in einem trockenen, aber mit Gräsern bewachsenem und gemähten Bachbett und fragten uns, ob es schlau sei, darin zu zelten, wenn man dunkle Wolken aufkommen sieht…

Aber es regnete nicht und wir hatten eine ruhige Nacht.

Zum Frühstück fuhren wir erstmal 15 Kilometer in die nächste Stadt, in den ersten Park, den wir fanden. Einkaufen konnten wir dort auch und weiter konnte es gehen. Die große Straße war gut zu fahren und wir fuhren gemütlich hinauf.

Dann wurde die Straße einspurig und auf die andere Straßenseite geleitet. Wir sahen auch warum. Bauarbeiter waren gerade dabei, diese Seite der Straße zu asphaltieren. Da nicht alle Männer gleichzeitig auf den Maschinen sitzen können, standen ein paar am Rand und tranken Tee. Sie luden uns auf einen Tee ein und da wir fasziniert von den Maschinen und der Arbeit waren, stellten wir unsere Fahrräder auf den Mittelstreifen und schauten uns die Arbeit bei einem Becher Çay an.

Wir konnten uns leider nicht viel unterhalten, sie mussten dann weiterarbeiten und wir wollten ja weiterradeln.

Weiter unten hatten wir die frisch gemachte und schon abgekühlte Straße für uns!

Wir kamen an einen See und dachten, wir würden ein schönes Mittapspausenplätzchen mit Seeblick finden, aber leider nicht. Wir fuhren noch einen Schlenker um den See und dann halt wieder weg vom See.

An einer Kreuzung sahen wir vier Männer mit vier unterschiedlich farbigen Hüten sitzen, die wohl auf etwas warteten…
Wir fanden endlich einen schönen Pausenplatz bei einer Moschee und einer Quelle und da kam auch schon ein Auto mit fünf Männern mit fünf unterschiedlich farbigen Hüten an und machte Pause neben uns. Sie grüßten uns freundlich und schenkten uns Wassermelonenstücke und noch Gemüse. Wir danken dem Männergesangsverein sehr!
Nach der Pause fuhren wir weiter und uns fiel auf, dass wir an immer mehr Zwiebelfeldern vorbeifuhren, von denen viele mit Kreiselregnern bewässert werden.

Wir fuhren durch ein Dorf, um Brot fürs Frühstück am nächsten Morgen zu kaufen und sahen, dass es in diesem Dorf vergleichsweise viele Fahrräder gab. Die haben es kapiert, Fahrrad fahren fetzt!

Als wir aus dem Dorf rausfuhren, wurde der Himmel immer dunkler und es begann zu gewittern. Mist, wir wollten ja unser Zelt vor dem Regen aufgebaut haben. Wir fuhren etwas in Eile an der Straße entlang, um einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Nach kurzer Zeit wurden wir zwischen einer Reihe Pappeln und einem Zwiebelfeld ohne Regner fündig. Gerade, als wir das Zelt anfingen, aufzubauen, fing es an zu regnen. Gut, dass wir das schon oft genug gemacht haben und Zelt aufbauen und einräumen nur kurz dauert. Wir waren zwar leicht nass, aber es war alles verstaut. Und natürlich hörte es wenige Minuten danach auch wieder auf zu regnen. Wir waren gerade fertig mit dem Kochen unserer Nudeln mit Soße, als ein Traktor am Zelt vorbeigefahren kam und neben dem Zelt anhielt. Der Mann, der ausstieg, sagte, es sei kein Problem, dass unser Zelt dort steht. Er wollte in der Nacht die Zwiebeln bewässern. Dafür musste er aber nochmal kurz warten, weil es regnete…
Die Nacht auf den 9.07.23 war etwas unruhig. Der Landwirt und seine Söhne kamen mindestens drei, wahrscheinlich sogar vier Mal zum Feld, um die Bewässerung umzubauen. Für uns bedeutete das, dass jedes Mal ein Auto beim Zelt anhält, Lampen umherleuchteten und wir aufwachen. Alles in allem war es aber nicht schlimm, wir verstehen ja sehr gut, dass es richtig ist die Bewässerung nachts laufen zu lassen. Morgens blieben wir dann etwas länger liegen, durch den Regen war es etwas kühler und bei dem schweren Boden dort richtig matschig. Als die Sonne dann langsam auch unser Zelt wärmte (es war kurz vor acht), packten wir unsere Sachen und machten uns wieder auf den Weg.

Nach etwa zehn Kilometern fanden wir eine verlassene Tankstelle, an der noch ein Tisch und Stühle standen und dort frühstückten wir dann erstmal.

Weiter ging es durch sehr dünn besiedeltes Gebiet – es war also einfach nichts los 🙂
Als wir unseren Wasservorrat auffüllten und mal wieder die Wettervorhersage checkten, entschieden wir uns bei Gülsemin (einer lieben Arbeitskollegin aus der Gärtnerei Ulenburg) spontan zu fragen, ob es ok ist, dass wir in wenigen Stunden bei ihrer Familie in Çorum vorbeifahren und dort im besten Fall auch übernachten könnten. Das war kein Problem und wir waren überglücklich, denn für die Nacht waren wieder Gewitter und umfangreichere Niederschläge vorhergesagt.

Die Stadt Çorum erreichten wir ohne Probleme und den vereinbarten Treffpunkt fanden wir sofort. Wir lernten die ersten Teile der Familie kennen, tranken Tee und genossen ein super leckeres Essen. Wir wissen gar nicht, wie wir Danke besser ausdrücken können als mit diesem einfachen Wort. Am Abend kam dann ein weiterer Teil der Familie und wir gingen mit den soeben erschienenen zu den Eltern von Gülsemin, um dort den Abend zu verbringen. Es gab ein grandioses Abendessen und wir tranken Tee 🙂 Der Abend war sehr schön, er endete nur relativ früh, da wir von den vorherigen Tagen sehr geschafft waren. Überglücklich schliefen wir ein.


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