Der 20. Juli startete mit etwas weniger Hitze im Zelt, trotzdem frühstückten wir um Acht Uhr und machten uns um Neun wieder auf den Weg. Der Tagesplan lautete 70 Kilometer auf der selben Straße wie die letzten Tage bis nach Rize zu fahren. Es ging alles weiter wie am Vortag. Die Straße behielt ihre drei Spuren pro Richtung, hin und wieder kam ein Tunnel und wir machten nach der halben Strecke Mittagspause. Das einzige was sich gewandelt hatte war, dass jetzt weniger Haselnusssträucher an den Hängen wuchsen und stattdessen wird nun Tee angebaut. Uns wurde schon angekündigt, dass wir nun in eines der „größten Teeanbaugebiete der Welt“ fahren. Das haben wir selbstverständlich nicht geprüft, aber anerkennend zur Kenntnis genommen. Der Tee wird gerade geerntet und so kommt es, dass wir immer wieder Säcke mit Tee an der Straße sehen, die auf den Abtransport warten. Von einigen LKW weht etwas Tee unter der Abdeckung heraus und die Blätter fliegen häufig vom Fahrtwind aufgewirbelt am Straßenrand herum. Die letzten 15 Kilometer nach Rize ist Mustafa mit uns zusammen gefahren, sehr cool!

Das ist das erste Mal, dass uns ein Gastgeber mit dem Rad unterwegs einsammelt und die letzten Kilometer mit uns zusammen fährt.

In seinem Café angekommen, hat er uns gezeigt wo wir schlafen werden, wir haben uns eingerichtet und sind dann noch kurz etwas essen gegangen. Zurück am Schlafplatz setzten wir uns auf die Terrasse und tranken den regionalen Tee.

Wichtig dabei ist nähmlich, wir schlafen im ersten Stock von Mustafas Café, das eigentlich ein klassisches Teehaus ist. Unten sitzen die Männer und beraten über die Welt, trinken Tee und spielen Rummikub und oben ist die Welt zu Gast. Hier kommen scheinbar fast täglich Radreisende für einen Zwischenstopp vorbei. Um Mitternacht schloss das Kaffee und wir gingen ins Bett.
Der 21.7. war der 1. Tag des 3. Monats in der Türkei. Er startete passend mit einem Rize Çay, gefühlt der stärkste Schwarztee den wir je getrunken haben. Nach einem Glas auf den nüchteren Magen wurde uns vom Koffeinschock ziemlich zittrig und etwas übel.

Die Fahrräder haben wir dann trotzdem beladen und sind ein paar Hundert Meter zum Einkaufen, um dann am Ortsende in einem kleinen Park zu frühstücken. Danach ging es uns wieder gut und wir konnten den vorletzten Radeltag in der Türkei antreten. Mustafa, unser radelnde Host des çayhauses hatte morgens noch bei Murat, einem weiteren Warmshowers Host auf unserer Route angerufen und gefragt, ob wir dort heute übernachten können. Murat ist sehr herzlich und lud uns gleich ein. Also wussten wir, dass wir heute ca. 80 km zu fahren hatten. Die ersten 45 Kilometer vergingen wie im Flug, da unsere schöne Straße fast durchgängig einen breiten Seitenstreifen hatte und wir so mal wieder nebeneinander fahren konnten und uns über Allah und die Welt unterhalten konnten. Der Tee wird hier gerade geerntet, mit Seilbahnen den Hang heruntergeschickt und auf Transporter geladen


Nach der Mittagspause sahen wir ein Auto mit einem Ulmer Kennzeichen und beschlossen, es zu verfolgen ;-). Es machte an einem Laden ganz in der Nähe Halt, da konnten wir mit den Schwaben schwätzen. Die Familie lud uns auf einen Kaffee in ihren Garten ein, der nur einen Kilometer entfernt war. Dort sprachen wir über die Familie, das Reisen und das Genießen des Lebens. Dann ging es weiter, denn wir wollten ja bei Murat ankommen und wussten noch nicht genau, wo er wohnt. Karin wollte nochmal kurz anhalten, um etwas zu essen, weil der Kaffee sie etwas zittrig machte. Da schaute Simon nochmal auf die Karte, um Murats Zuhause zu finden und sagte: „Also laut Karte müsste es genau hier sein“. Und da sahen wir zwischen Straße und Meer tatsächlich eine Hütte mit schönem Garten und auch schon eine winkende Hand von unserem Gastgeber. Wir brachten unsere Fahrräder zu ihm und hatten einen schönen Abend mit ihm, einer iranischen Tramperin und einem türkischen Freund von ihm. Die Iranerin kochte traditionelles iranisches Essen mit Huhn, Tomaten, Zwiebeln, Reis und Gewürzen und zum Nachtisch gab es Wassermelone. Wir bauten unser Moskitonetz auf dem Balkon auf und schliefen mal wieder zwischen Meer und Bergen ein.

Am nächsten Morgen kochte unser Gastgeber Çay und Menemen, ein türkisches Frühstück aus Tomaten, Eiern, Paprika und Zwiebeln für uns. Wir frühstückten gemeinsam und machten uns dann auf den Weg zur Grenze nach Georgien. Die Straße hatte heute viele am Straßenrand stehende LKWs und viele Tunnels zu bieten. Gerade, als wir die Sonnenbrille wieder aufhatten, kam auch schon der nächste Tunnel.

Und zwischen zwei dieser Tunnel radelte uns Frank, ein chinesischer Reiseradler entgegen. Wir klingelten und waren glücklich, ein vollgepacktes Fahrrad zu sehen. Er war auch froh und kam zu uns rüber, so konnten wir uns kurz über unsere Routen, die Straßen und mögliche Unterkünfte austauschen. Neu beschwingt ging es weiter durch den nächsten Tunnel.
Und direkt hinter einem Tunnel war plötzlich die türkisch-georgische Grenze zu sehen. Als Fahrradfahrende würden wir zum Glück an den LKWs und den Autos vorbeigewunken, schoben weiter zu Passkontrolle, bekamen einen Stempel in den Pass und waren dann in Georgien! Wir fuhren einige Kilometer bis nach Batumi, wo wir mal wieder zwei Nächte bleiben wollten, um uns die erste georgische Stadt anzuschauen und uns auszuruhen. Die Stadt begrüßte uns mit außergewöhnlich vielen Hochhäusern und es werden noch mehr davon gebaut.

Wir machten erst Pause in einem Park und suchten dann nach einer Unterkunft. Auf der Suche nach einem Bett trafen wir einen jungen Vater, der uns ein günstiges Hotel in einer untouristischen Gegend zeigte, wo wir erstmal eine Dusche genossen und bereit zum Ausruhen sind.


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