Am Donnerstag schien wieder die Sonne und wir konnten unsere getrockneten Regensachen mit all den anderen Sachen einpacken und weiter den Berg hinauf radeln.

Wir fuhren auf einer nicht stark befahrenen Straße, die meist am Fluss Debek entlang ging, also eine moderate Steigung hatte. Unterwegs machten wir immer wieder kleine Stopps, um Obst oder Müsliriegel zu essen oder einfach durchzuatmen, denn unsere Körper müssen sich erst wieder ganz daran gewöhnen, jeden Tag mehrere Stunden zu radeln.


Der letzte Anstieg für heute ging über die Bahnschienen hoch zu einer Wasserquelle, wo auch Auto- und LKW-Fahrer ihre Wasservorräte auffüllten.

Danach ging es flacher weiter in die Stadt Vanadzor, wo wir Essen einkauften. Dann fuhren wir ein bisschen in der Stadt rum und trafen erst einen Fahrrad-Tourguide aus Georgien und dann seine Reisegruppe. Es waren vier Männer um die 70, die mit E-Bikes und dem tourguide von Georgien aus hierhergeradelt waren. Wir unterhielten uns ein bisschen über die Route und verabschiedeten uns wieder. Dann entschlossen wir uns, die Nacht in einem kleinen Gästehaus hier in Vanadzor zu verbringen, da unsere Körper doch schon etwas müde waren.
Am nächsten Morgen machten wir uns noch Frühstück in der Küche dort und radelten dann voller Energie für die Passüberquerung los. Aus Vanadzor raus wählten wir eine Schotterpiste, aber da war wenigstens wenig los.
Es sollte heute auf 2150 Meter gehen. Also schon beim Losfahren waren wir am höchsten Punkt unserer gemeinsamen Reise und wo Karin jemals mit dem Fahrrad hochgeradelt ist…

In der Stadt Spitak machten wir an einem Food Court Rast, dort gibt es meist Backwaren ( Brote und Kuchen), Kaffee, eine kleine Kantine und auch Snacks wie Kekse und Chips. Wir gönnten uns Kaffee und Kuchen, um die 7000 Kilometer, die wir gestern erreicht hatten, etwas zu feiern 🙂
Wir fuhren erst an einigen Gemüsefeldern in der Ebene vorbei, vor allem Kartoffeln, Kürbis und Weißkohl.


Dann ging es weiter hinauf und wir sahen vor allem noch Kuhherden, mal am Straßenrand, aber auch auf den Hügeln oben.




Auf etwa 2000 Höhenmetern kam ein Hund zu uns gelaufen, der uns bis zum „Gipfel“ begleitete.

Als wir dort oben angekommen waren, sahen wir zuerst den schneebedeckten Berg Aragat in der Ferne.


Von da an fühlte es sich erstmal leicht an, denn wir wussten, dass es die nächsten ca. 70 Kilometer nach Jerewan, das auf etwa 1000 Metern liegt, vor allem bergab ging!
So radelten wir bis in das Dorf Rya Taza, wo ein jesidischer Tempel stand, den wir uns kurz anschauen wollten. Wir betraten ihn ohne Schuhe und wurden danach vom dortigen Scheich auf einen Tee eingeladen. Da wir keine gemeinsame Sprache zum Reden hatte, rief er einen anderen Scheich an, der in Deutschland lebt. Dieser kam und erzählte uns über die jesidische Religion und Kultur.

Die Sonne sank immer tiefer und die Kuhherden aus dem Umland wurden schon ins Dorf getrieben. Da wollten wir uns verabschieden, um noch einen guten Platz zum Zelten für die Nacht zu finden. Die beiden und die Frau des Scheichs von hier berieten sich kurz und meinten dann, dass es draußen kalt werden würde und wir gerne im „Gemeindehaus“, das Platz für ca. 500 Menschen in zwei Stockwerken an Tischen hat, mit unseren Isomatten übernachten können. Dieses Angebot nahmen wir dankend an. Wir kochten noch Abendessen in der Küche und teilten Melonen. So hatten wir wieder eine trockene und warme Nacht, wofür wir den Menschen sehr dankbar sind.
Am Freitagmorgen wurden wir von der über den Hügeln aufgehenden Sonne geweckt. Wir frühstückten noch im Haus und sahen dabei, wie die Kuhherden wieder auf die Weiden getrieben wurden. Dann verabschiedeten wir uns vom Scheich und fuhren los, um heute Jerewan zu erreichen. Wir fuhren noch durch ein paar Bergdörfer, wo wir die Traktoren bestaunten.

Es ging dann weiter mit leichtem Gefälle durch schöne weite Berglandschaften mit Feldern und Weiden.

Die Straße wurde immer größer, je näher wir der Hauptstadt (mit ca. einer Million Einwohnern) kamen. Später wurde die Straße für einige Kilometer steiler und am Straßenrand saßen Menschen hinter ihren aufgebauten Obstständen, wo sie Äpfel, Birnen, Feigen, Trauben und Kornellkirschen verkauften.

Wir hatten uns ein Hotel in der Nähe der iranischen Botschaft ausgesucht, wo wir am Montag unsere Visa für den Iran abholen. Wir fanden den Weg durch die Vorstadt ziemlich schnell dorthin und konnten nach dem Ankommen und Duschen noch ein bisschen das Viertel erkunden. Sonntag ist erstmal Ruhen angesagt, am Montag stehen die Visa auf dem Plan und am Dienstag geht es weiter in Richtung Süden in die Berge.


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