Von Tatev, einem kleinen Dorf, das durch ein Kloster bekannt ist, fuhren wir am Samstag, den 23.9.23 los.

Es ging heute wieder steil hinauf in die Berge, wir fuhren bis in die Wolken!

Das Gefühl, oben anzukommen, ist immer wieder schön und man vergisst fast die Strapazen des Anstiegs… Das Runterrollen kann bei 7-9 Prozent Steigung auch ganz schön die Hände beanspruchen. Also machten wir beim Runterfahren auch mal Pausen, um die Aussicht zu genießen und die Scheibenbremsen abkühlen zu lassen.
Es wurde uns ziemlich kalt, in der Mittagspause packte Karin sogar ihre Daunenjacke seit langer Zeit mal wieder aus. Dann ging es aber lange Zeit bergab und so konnten wir nach und nach Mütze, Jacke und Hemd wieder ausziehen. Kapan liegt auf 700 Höhenmetern mit angenehmen Temperaturen. Hier bummelten wir noch etwas durch die Obst- und Gemüselädchen, bevor wir uns in einem Hotel ausruhten.
Wir beschlossen, uns sogar noch einen Tag in Kapan auszuruhen, da wir am Tag danach viel vorhatten. Abends trafen wir uns zum Essen mit Andre, und tauschten uns über alle möglichen Radelthemen aus. Er fährt am nächsten Tag die gleiche Strecke wie wir, wir haben uns aber vorgenommen, um 6 Uhr loszufahren, da wir gemütlicher und mit mehr Pausen fahren. Er wollte so gegen 9 Uhr losfahren. Wir verabschiedeten uns mit: Wir sehn uns dann morgen irgendwo auf dem Pass! Gute Nacht!
Der krasseste Tag unserer Reise
Der Wecker klingelte also am Montag, dem 25.9.23 um 5 Uhr, denn wir stehen nicht immer sofort auf… Heute stand der höchste Pass unserer bisherigen Reise und auch für die nächsten Wochen an. Es sollte von 760 auf 2535 Meter rauf gehen und dann wieder auf 680 Meter runter nach Meghri. Eine Spaltung dieses Passes in zwei Tage hatten wir in Erwägung gezogen, aber es sollte wohl keine guten Schlafmöglichkeiten dort oben geben. Daher beschlossen wir, den Pass in einem Tag durchzuziehen.
Wir frühstückten im Hotelzimmer, packten alles schnell zusammen und kurz nach Sonnenaufgang waren wir unterwegs. Anfangs ging es gemütlich durch die Landschaft leicht bergauf, was später immer steiler werden sollte.

9 Prozent Steigung waren keine Seltenheit und daher machten wir oft ein kleines Päuschen am Straßenrand.

Das Wetter war unten angenehm, uns war warm genug, wir tranken so viel Wasser wie gefühlt seit langem nicht mehr. Und so schlängelten wir uns langsam den Berg hinauf, immer wieder grüßten uns Kraftfahrzeugführer. Einer gab uns in lustiger Weise zu verstehen, dass wir doch verrückt seien, hier mit dem Fahrrad hochzufahren. 😀
Je weiter wir hinauf kamen, desto näher kamen wir den Wolken und sie uns…

In einer Kurve, in der wir kurz Pause machten, konnten wir am Anfang noch gut die Straße über uns erkennen, kurz danach war sie in der Wolke verschwunden. Es wurde auch kälter, also zogen wir bald Jacken an und fuhren weiter… Dann hatten wir die Wolken erreicht und sahen kaum noch 50 Meter weit. Immer wieder blickten wir auf Navi und Fahrradcomputer, die uns anzeigen sollten, wann wir auf einer Höhe von 2535 Metern sein sollten. Und dann war es wirklich plötzlich vor uns: Das Schild des Meghri-Passes. Jetzt, wo wir oben waren, war es doch gar nicht so schlimm gewesen… Naja

Wir machten ein paar Bilder, bevor es uns zu kalt wurde und dann warteten 35 Kilometer Abfahrt auf uns. Zwischendrin regnete es immer wieder, wir fragten uns, on wir auch Schneeflocken gesehen hatten. Naja, in Sandalen ging es gut 🙂 Allmählich wurde es immer wärmer und wir konnten irgenwann auch wieder die Landschaft sehen!

So rollten wir glücklich nach Meghri, wo wir uns in einer Pension mit rustikaler Einrichtung über die warme Dusche und das warme und trockene Bett freuten!
Was war eigentlich mit Andre, dem andren Radfahrer? Den sahen wir wirklich auf der Straße. Wir saßen gerade auf einem Poller in einer Kurve, da sagte Karin gerade: Bestimmt kommt jetzt gleich Andre hier angeradelt. Kurz danach fuhr ein Transporter die Straße hinauf und die beiden Insassen grüßten uns besonders freundlich. Da sahen wir, dass Andre der Beifahrer war und sein Rad konnten wir hinten im Transporter erkennen. Abends in der Pension (er hatte das Zimmer neben uns) erzählte er, dass er nachts Magenprobleme bekommen hatte und davor seine Hüfte schon schmerzte. Er war zwar den Anfang geradelt, hätte es aber nicht radelnd über den Pass geschafft. Er wollte noch einen Tag in Meghri bleiben, bevor er sich wieder aufs Rad schwingt.

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