Nach dem gestrigen Tag hatten wir uns verdient, bis halb 9 zu schlafen. Tatsächlich waren wir aber beide um 7 Uhr wach, blieben aber trotzdem bis zum Weckerklingeln liegen. Frühstück, Aufpacken und los! Heute geht es über die Grenze in den Iran. Wir hatten im August die Visa für den Iran beantragt, bestätigt bekommen und sie dann in Jerewan abgeholt. Heute fuhren wir also die letzten 12 Kilometer in Armenien zur Grenze, gaben dort doch etwas Kleingeld für Brot und Eis aus und rollten dann durch die checkpoints. Unsere Radtaschen wurden bei der Ausreise und der Einreise gescannt, also Taschen abpacken und wieder aufpacken, das können wir ja inzwischen gut und dann: Welcome to Iran!
Begrüßt wurden wir von einem jungen Mann, der uns gerne Geld wechseln wollte. Allerdings zu einem geringeren Kurs, als der, den wir vorher recherchiert hatten. Als wir davon liefen, kam er nochmal und zeigte uns einen besseren Wechselkurs. Wir sind schlagartig Millionär:in geworden, denn wir bekamen 13 Millionen iranische Rial für die restlichen Dram aus Armenien. Blöd nur, dass Brot schon 100 000 Rial kostet. So wird man die Millionen auch schnell wieder los ;-). Und dann sahen wir die Iran-Flaggen und die ganzen Schilder auf Persisch und uns wurde bewusst: Wow, wir sind bis in den Iran geradelt!

Lag es daran, dass wir wegen der Grenze aufgeregt waren, weil der Iran ein Land mit Wüste ist (😉) oder weil es direkt nach der Grenze steil bergauf ging? Auf jeden Fall war uns hinter der Grenze ziemlich warm und wir freuten uns nur so halbwegs über den Aufstieg, der auf uns wartete.
Wir radelten, bis Karin einfach am Straßenrand zu hungrig wurde, also machten wir neben der Straße Mittagspause mit mal wieder schönem Bergpanorama.

Dann ging es weiter die mehr oder weniger steile Straße hinauf, bis neben uns ein Fahrer eines blauen Nissan Transporters anhielt, und uns anbot, bis ins nächste Dorf mitzunehmen. Ohne lange zu überlegen nahmen wir an, luden die Räder und uns hinten auf den Transporter und schauten uns die nächsten 250 Höhenmeter von dort an. In dem Dorf, in dem wir rausgelassen wurden, wollten wir noch ein paar Vorräte einkaufen, was sich als nicht so einfach herausstellte. Die Läden waren alle geschlossen und man muss den/die Besitzer:in anrufen, wenn man einkaufen möchte. Wir hatten noch keine iranische Simkarte… Wir fanden eine Wasserstelle, wo wir unsere Flaschen erstmal auffüllten und da wurde doch tatsächlich ein Laden geöffnet. Dort konnten wir Brot und baked beans kaufen und fuhren glücklich noch ein paar Kilometer weiter, wo wir mitten auf einem abgedroschenen Feld unser Zelt aufbauten.
Am Mittwoch ging es nach dem Frühstück mit dem neuen iranischen Brot los!

Erstmal ging es eine Weile bergab, bis zu einem See, um den die Kühe und Ziegen grasten. Kurz danach wurden wir von einem Autofahrer, der uns entgegen kam, auf ein Glas Tee eingeladen, das war eine schöne kurze Pause. Dann ging es für uns wieder 1000 Höhenmeter hinauf, dabei ging es immer wieder durch kleine sehr grüne Täler mit vielen Bäumen, oft auch Obstbaumplantagen. Als wir fast oben angekommen waren, kochten wir unseren Rest Hirse mit den baked beans.

Später fuhren wir noch durch ein kleines Dorf, wo wir aber keinen Laden gesehen haben, also ging es weiter bis kurz vor die erste kleine Stadt. Wir fanden einen schönen Platz in einer Apfelbaumplantage, die durch eine Pappelhecke vor Blicken und Besuchern geschützt war 🙂
Bisher haben wir noch wenige Menschen getroffen, aber wir freuen uns schon auf mehr Begegnungen in besiedelteren Gegenden!
Der dritte Tag im Land startete früh, denn wir wollten versuchen, bis nach Tabriz zu fahren. Laut Straßenschildern würden es etwa 80 Kilometer sein, laut Navigationsapp könnten es auch 100 werden.
Also haben wir den Wecker wieder auf 7 Uhr gestellt. Als wir die Fahrräder beladen wollten, sahen wir, dass wir Reif auf den Rädern hatten, es war also nach den gefühlt 30 Grad tagsüber wirklich „eiskalt“ in dieser Nacht. Die kälteste Nacht bisher, wir hatten aber nicht gefrohren, nichtmal Socken mussten wir nachts anziehen.

Um neue Vorräte einzukaufen, fuhren wir in die erwähnte nächste Kleinstadt, dort wurden wir erstmal auf Brot und Tee eingeladen und konnten dann entspannt nach einer Bäckerei, einem Obst&Gemüseladen und einem Supermarkt suchen. Das sind drei eigenständige Bereiche und der Supermarkt bietet weder Brot noch Gemüse an. Das ist eigentlich sehr schön, so können mehrere kleine Läden nebeneinander existieren.
Als Simon gerade aus einem Laden kam, hatten wir unsere erste Polizeikontrolle, naja die Menschen hatten auf jeden Fall Uniformen an, nur das Auto war ein unauffälliger Pickup. Wir zeigten unsere Dokumente, es wurde telefoniert, um vieles zu überprüfen. Dann wurden wir nach unserem Reiseplan innerhalb des Landes gefragt; der Plan schien ok zu sein. Und das Wichtigste schien die Frage, wo wir in der letzten Nacht geschlafen haben. Wir erklärten, dass wir zelten. Dann kam die Frage „Wo?“, die wir wahrheitsgemäß mit „auf dem Feld“ beantworten konnten. Das Ganze wurde dann noch drei mal im Kreis gefragt, immer mit dem gleichen Ausgang. Wir wurden gebeten, dass wir doch bitte versuchen sollen, bis nach Tabriz zu fahren und dort in einem Hotel zu schlafen. Wir wissen, dass Zelten kein Problem ist, es ist den einheimischen jedoch verboten, Touristen einfach zuhause zu beherbergen. Wir vermuten, dass die Poizisten herausbekommen wollten, ob wir nicht doch bei jemandem zuhause waren. Das wir bei den Leuten zuhause Übernachten, wird hier bestimmt noch passieren, wir wissen jetzt schonmal, dass wir uns vor den Städten immer mal umschauen müssen, um einen passenden Zeltplatz vorgeben zu können.
Im Ort standen wir noch eine halbe Stunde für Brot an – wir hatten Glück, einige in der Schlange bekamen kein Brot, da die Bäcker beschlossen es sei Zeit für die Frühstückspause. Dann ging es nach knapp 2 Stunden raus aus der Stadt, wir frühstückten und es ging auf einer relativ großen aber noch wenig befahrenen Straße in Richtung Tabriz.

Nach ca. 70 Kilometern machten wir nochmal eine Mittagspause, die Schilder wiesen auf Tabriz in 10 Kilometern hin.

Die letzten 10 Kilometer ging es dann wieder leicht bergauf und wir beeilten uns, um noch vor der Dämmerung die Stadt zu erreichen – hier wird es um kurz nach 18 Uhr dunkel. Dann hatten wir die 10 Kilometer geschafft und standen am Ortseingang. Uns war jetzt schon klar, dass es bis zum Zentrum und dem von anderen Radreisenden empfohlenen Hotel noch ca. 20 Kilometer sein werden. Also auf auf und ab auf die „Hauptstraße“, auf einem Schild war sie auch als Stadtring gekennzeichnet. Wir mussten uns im wilden Großstadtverkehr erstmal wieder zurecht finden, hier teilt sich die Straße leider häufig in der Mitte, was bedeutet, dass wir immer mal wieder vom rechten auf einen der zwei oder drei linken Fahrstreifen wechseln mussten. Nach einer knappen Stunden im Wirrwarr der großen Stadt und einer kurzen Nachfrage bzgl. des Weges bei Passanten (wir hatten ja nur eine grobe Ahnung wo wir hin müssen und noch kein mobiles Internet) kamen wir dann nach 100,5 Kilometern am Ziel an. Hier haben wir uns jetzt erstmal ausgeruht und schauen uns nun noch den größten Basar des Lands an. Dann lassen wir den Abend noch ganz entspannt ausklingen und nach 3 Nächten an einem Ort geht es dann weiter in Richtung Osten.

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