(56) Die Granatäpfel sind reif

Freitag, also quasi Sonntag 🙂
Wir schliefen, da es Wochenende war, und wir ein bequemes Bett hatten, etwas länger. Um halb neun standen wir dann aber doch auf, frühstückten noch etwas mit dem Vater der Familie und packten dann alles wieder auf die Fahrräder. Um zehn Uhr hatten wir uns von allen verabschiedet, die obligatorischen Fotos gemacht und dann ging es weiter Richtung Süden. Der Wind schob uns raus aus der Stadt und bei relativ wenig Verkehr konnten wir relativ entspannt fahren.

Aus Qom rausfahren – das zweite Mal. Mit Blick auf den heiligen Schrein

Nach einer Stunde bemerkte Karin „Wow, wir haben gerade 23 Kilometer in einer Stunde geschafft!“ und wir waren uns einig, dass wir uns schon eine Pause verdient hatten. Die kurze Pause machten wir im Schatten neben einer Eukalyptushecke, die ein Feld vor Wind und Austrocknung schützt.

Zwischendrin war hier auch Agrarfläche mit Mais, Baumwolle, bereits gedroschenem Getreide und Granatäpfeln

Es gab das erste Mal auf dieser Reise Haferflocken mit Obst und, da wir bei der Wärme keine Milch transportieren wollen, haben wir das ganze mit Saft und Wasser gegessen. Nach diesem leckeren, zweiten Frühstück ging es weiter durch die Wüste, Halbwüste oder Steppe(?).

Hier wachsen immerhin Dornensträucher…

Nach weiteren 40 Kilometern kamen wir an einer Siedlung vorbei und dort gab es einen kleinen Park mit überdachten Picknickplätzen. Der Boden im Park war durch die mangelnde Bewässerung zwar vertrocknet, es gab aber den ein oder anderen kleinen Baum, also machten wir quasi Pause im Grünen :).
Nach der Pause wurde die Gegend um die Straße wieder etwas stärker besiedelt, wir kamen durch zwei kleine Dörfer, eines war umgeben von Gewächshäusern, in denen Kräuter angebaut werden, das andere bot reichlich Werkstätten für eventuell auf der Hauptstraße liegenbleibende Fahrzeuge.

Felder mit Kräutern und einem eigenem Bewässerungssystem

Kurz vor dem dritten Dorf in Folge gab es ein kleines Areal in dem scheinbar bewässert werden kann, denn dort wuchsen Gratäpfel und Aprikosen. Da wir nicht schon wieder über 100 Kilometer fahren wollten, bogen wir ab, um in den Plantagen nach einem geeigneten Platz zum Übernachten zu suchen. In einer der ersten Parzellen waren ein oder zwei Familien, die gemeinsam den Freitagnachmittag mit Picknick, Tee und Granatäpfeln verbrachten. Wir gingen zu ihnen und fragten, ob wir dort zelten dürfen. Nachdem wir alle Sicherheitsbedenken ihrerseits ausgeräumt hatten (es ist dunkel, gibt keine Toilette und man weiß ja nie, welche Tiere so unterwegs sind), war klar, dass wir bleiben dürfen. Wir wurden mit Granatäpfeln und Tee versorgt und für den Folgetag nach Hause in die nächste Stadt eingeladen. Als dann alle weg waren, ließen wir den Abend ganz in Ruhe in der kleinen grünen Oase ausklingen.

Wir hatten mal wieder den besten Zeltplatz weit und breit gefunden!

Der Weg, den wir am nächsten Tag bis in die Stadt Kashan zurücklegen wollten, schien simpel, eher flach, über 30 von den 40 Kilometern bis in die Stadtmitte auf derselben Straße und dann ab zu den netten Leuten von gestern. Wir ließen uns also wieder Zeit, schliefen bis halb acht, frühstückten in Ruhe, wieder Müsli und dann los.

Nach kurzer Zeit wurden wir auf Tee in eine Autowerkstatt eingeladen, so ein zweiter Tee nach dem Frühstück ist bekanntlich immer gut und wir machten direkt mal eine kleine Pause. Leider konnten wir uns nur schwer verständigen, trotzdem war die Stimmung gut und wir konnten unser Päuschen genießen. Dann weiter in Richtung Stadt, leider machte uns dann der Straßenbelag ein bisschen das Lotterleben schwer, der Asphalt war sehr löchrig, grob und alle zwei bis drei Meter durchzog die Straße eine Querrille. Das ist echt mindestens so anstrengend wie eine mittelmäßige Schotterpiste, wenn man nie richtig sitzen kann weil man so durchgeschüttelt wird.

Hier war die Straße schon etwas besser 🙂

Am Ortseingang fanden wir einen Park und da wir noch früh dran waren, machten wir es uns auf einer Bank neben zwei Palmen gemütlich. Wir wollten auch unseren neuen Bekannten Bescheid geben, dass wir in der Nähe sind und erfragen, wo wir denn genau hin müssen. Dabei bemerkten wir, dass der Kontakt im Telefon zwar einen Namen aber keine Nummer hat, wir sie also doch nicht besuchen können. Echt schade, wir hatten uns schon sehr drauf gefreut und sie sich sicherlich auch 😦 Wir hoffen, sie sind nicht unglücklich, dass wir uns nicht gemeldet haben und nicht auftauchen, wir sind es auf jeden Fall.
Nun, da wir daran jetzt aber nichts ändern können, suchten wir nach einer günstigen Herberge, die erste, die wir als Empfehlung aus einer WhatsApp-Gruppe herauspicken (angeblich 6€ p.P.) wollte dann für das günstigste Zimmer doch insgesamt 20 Euro haben. Wir bedankten uns und schauten nach einer zweiten Herberge, die auch empfehlenswert sein sollte. Bei dieser gab es online noch Doppelzimmer für 15 Euro oder Gemeinschaftszimmer für 5€ pro Person. Es war klar, dass wir dorthin fahren und uns die Herberge mindestens mal anschauen, über den Preis können wir ja dort verhandeln. Also los, 500 Meter weiter, durch die wunderschönen kleinen, engen Gassen der Altstadt.

Für so ein Mofa ist immer und überall noch Platz

Die Häuser sind hier meist nur ein Stockwerk hoch und von außen mit braunem Lehm verputzt, dadurch wird das grelle Licht etwas gedämpft. Also schauten wir das Zimmer in diesem „traditional hostel“ an – das uns angebotene 3-Bettzimmer ist wie wohl mehrere Häuser hier quasi im Keller, jedoch hat es den Eingang in den nach unten geöffneten Innenhof – also nahmen wir es. Dann schnell duschen und los die Altstadt weiter erkunden. Den Spaziergang haben wir gleich genutzt, um für das Abendessen – Nudeln mit einer unserer iranischen Lieblingssoßen – einzukaufen. Wir kochten in der kleinen Hostelküche und aßen gemütlich im schönen Innenhof, wo wir den Abend ausklingen ließen.

Unten im Innenhof plätschert der beleuchtete Springbrunnen

3 Antworten zu „(56) Die Granatäpfel sind reif”.

  1. Hej, das liest sich ja schon wieder super. Wünsche euch noch viele schöne Begegnungen und natürlich nur die besten Zeltplätze.
    Liebe Grüße aus dem herbstlichen Bielefeld. Fühlt euch gedrückt!
    Martin

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  2. Da muss ich doch auch endlich mal was schreiben.
    Folge immer gespannt und freu mich auf weiteres, danke! :).
    Liebe Grüße, Kathi

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    1. Avatar von fahrradfahrenfetzt
      fahrradfahrenfetzt

      Voll cool, danke für die Grüße.
      Wir freuen uns, dass du mitliest!

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