Zwischen Kashan und der nächsten großen Stadt Isfahan wurde uns von anderen Radreisenden abgeraten, zu fahren, da es auf dem Weg nichts zu sehen gibt. Die Straße führt vor allem durch die trockene Gegend und größtenteils bergauf.

Wenn man Pech hat, kommt noch Gegenwind dazu und dann hat man dort nicht viel Spaß am Radeln. Also entschieden wir uns, aus Kashan rauszuradeln, bis zu einer Raststation, und dort zu versuchen, mit einem Transporter nach Isfahan zu trampen.
An der Raststation hielt erst ein kleines volles Auto an, wovon der Fahrer sagte, er sei ein warmshowers-Host und lud uns zu sich in eine Wüstenstadt südöstlich von Isfahan ein. Dann schenkte er uns noch Obst und fragte uns, ob wir etwas bräuchten und warum wir hier stehen. Wir erklärten von unserem Vorhaben, nach Isfahan die ca. 150 Kilometer zu trampen. Kaum ausgesprochen, fuhr auch schon einer von den schönen blauen Transportern heran und er half uns, diesen zu uns zu winken. Es wurde erklärt, was wir vorhaben, eingewilligt und kurz danach waren unsere Fahrräder auf der Ladefläche und wir vorne in der Kabine auf dem Weg nach Isfahan! Wir hörten iranische Musik, die mit einem peppigen Beat hinterlegt war und uns immer wieder mitwippen lies.
In Isfahan hatten wir von einem tollen Hostel gehört, also ließ uns der Fahrer an einer Kreuzung raus, wo es für uns passte. Wir machten erst noch Mittagspause in einem Park mit Spielplatz. Dort trafen sich einige ältere Männer, von denen viele mit dem Fahrrad ankamen, auf einem Teppich im Grünen zum Kartenspielen. Kurz darauf fuhren wir durch die Stadt, durch einen Kreisel in einem Tunnel zum heritage Hostel, das ziemlich groß und trotzdem sehr gemütlich ist. Es gibt den ganzen Tag Tee, den man unter einem Kakibaum im Innenhof genießen kann.
Hier trafen wir auch drei andere Radreisende, zwei von ihnen hatten wir schonmal getroffen, ein deutsches Backpacker-Paar und eine schweizer Mutter mit ihrer 6-jährigen Tochter, die alle überland in und durch den Iran reisen.
So hatten wir ein wenig Zeit, uns auszutauschen über die Erfahrungen, die man auf Reisen so macht:
-Leider ist vielen Menschen egal, was mit dem Müll passiert, Müll wird einfach aus dem Auto, in Parks, in Straßengräben geworfen und das sieht man einfach überall, was uns traurig macht.
– Wir haben daran gedacht, ein normales Kartenspiel zu kaufen, um unterwegs spielen zu können. Dann erfuhren wir, dass Kartenspiele wohl im Iran verboten sind. Deshalb gab es in einem Laden, in dem wir waren, zwar UNO und eine wirklich gute Auswahl an Brettspielen, aber kein normales Skatblatt… Jetzt frage ich mich, was die Herren im Park gespielt haben…
– Benzin kostet im Iran weniger als Wasser, so ca. 2-5 Cent pro Liter, und Erdgas für die Autos ist ähnlich günstig. Der Iran ist reich an Erdöl und Erdgas, also warum sollte man dann daran sparen? Das erklärt auch, warum hier viel Auto und Moped gefahren wird. Naja, der Stau in den Großstädten ist dann ja irgendwie vorprogrammiert
– Über den Verkehr haben wir ja schon ein bisschen geschrieben, in den Städten sehen wir immer wieder Fahrschulautos und fragen uns, was die lehren. Auf jeden Fall nicht den Schulterblick, bevor man die Fahrertür aufmacht, um zu sehen, ob da gerade ein Moped oder Fahrrad fährt… In den Dörfern sehen wir oft auch Kinder auf Mopeds rumfahren
– Die Frauen tragen hier zu ca. 90 Prozent ein Kopftuch, viele aber nur über den Kopf geworfen, über der Stirn und am Rücken sieht man oft noch Haare. An einer Raststätte hörten wir, wir durch Lautsprecher etwas vvom „hijab“, also Kopftuch durchgesagt wurde. In einem Cafe hingen Schilder mit Kopftuch und wir haben von einem Café mitbekommen das geschlossen wirde, weil es nicht darauf bestanden hatte, dass Frauen Kopftuch tragen
– Viele haben hier nen Vogel 😉 Wir hören oder sehen immer wieder in Autowerkstätten, kleinen Büros und anderen Läden am Straßenrand, aber auch in privaten Haushalten Wellensittiche, Nymphensittiche und andere pfeifende Vögel
– Die Menschen sind so freundlich, hilfsbereit und fürsorglich zu uns. Wir haben schon Trauben, Clementinen, Granatäpfel, Tee, Wasser, Äpfel, Bananen, Bonbons, Kekse und Taschentücher geschenkt bekommen, einfach so! Und wir werden immer wieder eingeladen auf Mittagessen, Übernachtungen mit Abendessen und natürlich Tee.
Wir machen nun ein paar Tage Pause vom Radeln, da wir auf unser Indien-Visum warten müssen, das wir beantragt haben…

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