(61) Lager mit Lagerfeuer

Am Montag genossen wir wiedermal das Frühstück im Hostel in Yazd und wollten uns noch den Töpfermarkt nicht weit vom Hostel anschauen. Leider hatte davon vieles morgens noch zu. Also kauften wir noch Haferflocken, Brot, Obst und Zeugs für die Fahrt. Im Hostel packten wir wieder alles zusammen, verabschiedeten uns von Mathias, der noch einen Tag im Hostel ausruhen will und sogar die kleine Katze miaute nochmal zum Abschied vom Dach für uns.
So fuhren wir wieder zu viert aus der Stadt raus. Kurz nach der Stadt sehen wir rechts von der Straße zwei Radler uns entegegenkommen und sie zeigen uns, dass es dort einen Radweg gibt.

Den Radweg nehmen wir doch direkt mal

Unser heutiges Ziel sind ganze 35 Kilometer, um nicht zu hoch zu kommen und in der Kälte zelten zu müssen. Hinter einer Kleinstadt finden wir einen Zeltplatz in einer Sandgrube, wo Simon auch Äste für ein kleines Lagerfeuer findet.

Beim Lagerfeuer baute Simon aus einer Dose einen Untersatz für Maiks Mokkakanne, damit er sie auf dem Kocher benutzen kann. Dann gehen wir schlafen, gespannt, ob diese Dosenerfindung auch funktioniert.

Wir wachten am Dienstagmorgen sogar etwas früher auf als sonst und Maik kochte Kaffee auf der neuen Erfindung. Dann aßen wir Porridge und waren schon um 9 Uhr auf den Rädern. Wir hatten heute ca. 900 Höhenmeter zu erklimmen und es ging auch direkt los mit der leichten Steigung. Wir kurbelten den Berg rauf durch schöne verlassene Berglandschaften. Wir sahen dabei einen schneebedeckten Berg und kurz danach Kamele! Auf der Ladefläche eines blauen Transporters zwar, aber hey, Kamele!
Noch vor dem Gipfel fanden wir einen schönen Ort neben einem Laden für unsere Mittagspause. Wir holten uns zweimal heißes Wasser für Tee, da es uns verschwitzt und im Wind auf über 2000 Meter ganz schön kühl war. Dann gingen wir die letzten 200 Höhenmeter an. Die gingen frisch gestärkt dann schon fast einfach. Oben angekommen war dort kein Schild und gar nichts. Und dabei waren wir doch so glücklich, auf dem neuen höchsten Punkt unserer Reise zu sein 2630 Meter!

Simon freut sich – über den Anstieg?

Dann konnten wir endlich die Abfahrt genießen! Runter ging es mit 30-50 km/h bis zum nächsten Dorf Dehshir, wo wir Abendessen und Wasser einkaufen.

Dann fuhren wir noch ein paar Kilometer mit leichtem Gefälle, bis wir um 16:30 Uhr in die Wüste abbogen und dort irgendwo unsere Zelte aufbauten. Dann kochten wir Nudeln mit Linsen, Möhren und Tomatensauce und aßen gemütlich am Lagerfeuer. Um Viertel nach 8 waren wir im kuscheligen Zelt und schon fast eingeschlafen…

Am Mittwoch wachten wir wieder mit einem herrlichen 360 Grad Panorama auf, frühstückten, packten alles zusammen und machten uns auf den Weg.

Morgens beim Aufpacken und Frühstück kochen

Wir fuhren weiter durch das Nichts in der Landschaft, und machten Halt an einer Tankstelle mit Restaurant und Lädchen. Dort hatte gerade auch ein Reisebus mit einer türkischen Reisegruppe Pause gemacht. Zwei Frauen und zwei Männer sprachen uns an und waren begeistert von unserer Art zu reisen. Sie sagten, sie hätten großen Respekt vor uns und luden uns auf einen Tee ein. Ein Mann fragte Karin: „Und, wie ist es so, auf Radreise zu sein, als Frau?“ „So wie als Mann auch, denke ich…“ Dann ging es weiter, bis wir in der Kleinstadt Abarkuh ankamen, wo wir wieder Brot, Frischkäse, Obst und Gemüse für die Mittagspause kauften und gleich danach in einem kleinen Park genossen.
Beim Einkaufen wurden wir von einem jungen Mann auf einem Moped auf französisch angesprochen. Er sagte, er sei auch Radfahrer und er würde gerne mit uns nach Shiraz mit seinem Fahrrad mitfahren. Er meinte, er würde am Ortsausgang auf uns warten, aber wir haben ihn nicht mehr gesehen. Das war auch nicht schlimm für uns, denn nach Rücksprache mit den anderen zweien sind wir eigentlich ganz froh so in unserer Gruppe von nun bekannten Gesichtern 🙂

Nach Abarkuh kamen wir in ein Tal, in dem viele Granatapfel- und Aprikosenplantagen waren. Wir fuhren da mal auf gut Glück von der Straße ab und auf den Wegen durch die Plantagen. Weit genug weg von der Straße sahen wir einen jungen Mann in einer Aprikosenplantage und fragten ihn, ob wir hier zelten könnten. Er sagte okay und wir suchten uns schöne Plätze für die Zelte aus. Hier in der Gegend wird oft mit Flutbewässerung bewässert, weshalb der Boden oft in Becken eingeteilt ist. Unsere Zelte passten da gerade so hinein.

Hier sieht man die Flutbewässerungsbecken

Wir kochten noch leckeres Essen, denn wir haben ja nun zwei Kocher und zwei Töpfe zur Verfügung und gingen bald schlafen. Es war schön, mal das Zelt auf einem Untergrund aufzubauen, wo nicht alles staubig war, yeah!

Schon in der Nacht auf Donnerstag fing es an zu nieseln und als wir um 6 Uhr mit der Sonne aufwachten, regnete es immer noch aufs Zelt. Wir fragten, ob es bei den anderen beiden im Zelt in 20 Meter Entfernung auch regnete. Wir konnten sie nicht verstehen, also telefonierten wir und beschlossen, erstmal liegen zu bleiben, bis der Regen aufhört. Mathias, der andere Radreisende, war 18 Kilometer hinter uns und schrieb, dass es bei ihm auch regnete…
Um kurz nach 7 hörte der Regen auf und wir frühstückten zu viert in unserem Zelt, Hannah und Maik saßen im Vorzelt und wir beide konnten im Innenzelt bleiben. Mathias war wohl schon etwas früher losgefahren, denn als wir alles zusammengepackt hatten und wieder auf die Hauptstraße fuhren, wartete er dort bereits auf uns, da er den Ort unseres Schlafplatzes ungefähr wusste. So fuhren wir also von nun an zu fünft weiter. Wobei wir selten als Pulk alle zusammen fuhren. Mathias fährt gerne mit Musik auf den Ohren etwas schneller, zieht sich aber immer wieder eine Schicht Klamotten an oder aus. Hannah und Maik fahren mal zügiger, dann warten sie wieder. Wir fahren auch mal hier und mal dort, werden hier von Leuten angequatscht oder machen hier Fotos. Und immer wieder treffen wir uns, spätestens, wenn wir Hunger kriegen und/ oder die nächste Mahlzeit planen…
Unser erster gemeinsamer Stop war an einer Tankstelle, wo es so ziemlich nichts gab außer einer Moschee, Toiletten und einem kleinen Laden. Darin gab es die Standardausstattung von kleinen Läden hier: Trinkwasser, Limonade, viele Kekse, viele verschiedene abgepackte Kuchen, ein paar Dosen mit Bohnen und ähnlichem, Chips, Bonbons und Seife oder so.
Wir kauften also nen Kuchen und dann gings weiter. Für wenige Kilometer gab es eine neu gebaute Straße, die noch nicht von Autos genutzt werden durfte, also hatten wir quasi einen Radweg für uns!

Hannah cruist auf dem Radweg voran

Der hielt aber nicht lange und dann ging es wieder auf die Straße, und zwar ging es heute wieder rauf auf 2550 Meter. Um die Mittagszeit waren wir alle so hungrig, dass wir einfach irgendwo neben der Straße unsere Plane ausbreiteten und picknickten.

Pause in der Pampa

Dann waren wir voller neuem Elan und machten uns an die weitere Erklimmung des Berges. Die Steigung war am Anfang lange bei 1-3% und gegen Ende dann bei 5%. Wir merkten, wie es immer kühler wurde, während wir den Berg hinaufstrampelten… Um circa 15:30 Uhr hatten wir es endlich geschafft und fragten oben in einem Restaurant erstmal nach Wasser für unsere Trinkflaschen. Dann war unser Ziel eigentlich, so weit wie möglich an Höhenmetern zu verlieren, damit die Nacht nicht so kalt wird. Jedoch wurde uns nicht so viel Gefälle geboten, und uns war doch etwas kalt. Mathias war schon vorausgefahren, um einen guten Zeltplatz zu suchen. Als wir ihn erreichten, wurde er von einem Bauern in seinen neu gebauten und noch nicht bezogenen Stall eingeladen. Eigentlich hätte er uns gerne zu sich in sein Haus in der nächsten Stadt eingeladen, aber wir wollten nicht mehr weiterradeln und waren mit einem windgeschützten Zeltplatz zufrieden. Gerade, als wir die Zelte aufbauen wollten, zeigte der Besitzer Mathias einen kleinen Raum mit Heizung und Teekocher. Als man uns anbot, da drinnen zu schlafen, sagten wir nicht nein. Erstmal bekamen wir Tee und konnten uns aufwärmen. Dann wurde uns angeboten, Kebab für uns zu holen, aber wir lehnten ab und kochten unser eigenes Essen. Mathias‘ Übersetzer las „sei kein hässlicher Gast“ vor, weil wir weder die Einladung ins Haus, noch das Essen annehmen und uns stattdessen mit der Hütte zufriedengeben. 😀
Später legten wir unsere Isomatten aus und fühlten uns ein bisschen wie im Ferienlager 🙂

Unser kleines Matratzenlager

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