(62) Windschatten!

Am Morgen beim Frühstück schauten wir unsere Route an und die sah gut aus, da es heute vor allem bergab gehen sollte. Karins Wortwitze sollen nicht vorenthalten werden: „Gefälle gefällt!“.
Es war noch ziemlich neblig und kalt, als wir losfuhren.

Zähneputzen kurz vorm Losfahren aufm Bauernhof

In der nächsten Kleinstadt suchten wir erstmal wieder Brot, Käse und Gemüse, was an einem Freitag nicht so leicht war. Wir fanden leckeres Brot, aber kein Gemüse. Dafür canned beans. Da kam die Sonne hinter den Wolken heraus und wir konnten den Berg hinabsausen.

Da vorne radeln Hannah und Maik hinab

Jedoch hatten wir Gegenwind und konnten das Gefälle doch nicht so sehr genießen, wie wir es erhofft hatten. Wir bildeten gerne eine Reihe, um den Windschatten des/ der Vorausfahrenden zu nutzen.
Dann kamen aber doch nochmal 200 Höhenmeter, die es zu erklimmen gab. Hannah sauste uns voraus und wir trafen uns oben wieder. Kurz hinterm Gipfel stand ein Haus an einer Baustelle. Da es sehr windig war, wollten wir gern im wingeschützten Bereich hinter dem Haus Mittagspause machen, doch nachdem uns die Leute im Haus gesehen hatten, durften wir in einem geheizten Raum Pause machen und bekamen sogar Tee.

Hier durften wir drinnen Mittagspause machen

Das war superschön, wir merkten, wie unsere Köpfe glühten, weil sie nicht mehr gegen den kalten Wind heizen mussten. Dementsprechend war die Motivation, wieder raus in den Wind zu gehen, nicht so groß. Aber tatsächlich war es, als wir aus dem Haus kamen, windstill. Leider nicht für lange. Der Gegenwind war gegen uns und es war ziemlich anstrengend, dagegen anzukommen. Also beschlossen wir bald und trotzdem spät genug, einen windgeschützten Schlafplatz zu finden. Wir fanden auf der anderen Seite der Straße hinter den Gleisen der parralel laufenden Eisenbahnstrecke ein angefangenes Haus und konnten hinter den Mauern zelten, kochen und gut einschlafen.

Als wir am Samstagmorgen den Kopf aus den Zelten steckten, merkten und sahen wir den Reif auf den Zelten und Fahrrädern. Manche von uns fünfen rafften sich auf, machten Frühstück und versuchten, die Zeltplanen in der Sonne zu trocknen, andere drehten sich im warmen Schlafsack nochmal um.

Brrr, draußen war es ganz schön kalt. Im Zelt wars aber warm

Aber kurz darauf waren das leckere Porridge und Kaffee schon fertig und die Sonne schien schon auf uns und unsere Zelte. Wir packten die fast trockenen Zelte ein und machten uns auf den Weg. Am Anfang ging es durch einen kurzen Tunnel, dann weiter bis zur nächsten Stadt, wo wir uns fürs Einkaufen aufteilten. Brot, Obst und Gemüse und Käse standen wieder auf dem Einkaufsplan, wobei es wie so oft am schwierigsten ist, Brot zu finden. Die Bäcker machen oft Pause oder verstecken sich vor uns. Heute fanden wir toastbrotartiges Brot, das man gut mit Falafel füllen könnte… Nachdem wir endlich alles zusammen hatten, ging es weiter an einer wunderschönen Bergkette vorbei.

Wieder mal eine Schafsherde

Danach kamen wir wieder in Agrarlandschaft und Simon und ich konnten die Bewässerungstechniken der Felder hier bestaunen. Zitat Simon: „Hier geht bodenmäßig so Einiges!“ Dieses Interesse teilten die anderen drei komischerweise nur teilweise 😉
Irgendwann fanden wir wieder einen schönen kleinen Park, wo wir Mittagspause machen konnten und unsere Zelte nochmal trockneten.

Hier kann der Abwasch draußen erledigt werden

Dann konnten wir endlich die letzten Kilometer bis zu unserem großen Ziel: Persepolis zurücklegen. Dort schauten wir uns die beeindruckenden Steine an und merkten beim Herumlaufen unsere Beine…

Wir sind in Persepolis!

Danach war es auch schon wieder Zeit, einen guten Schlafplatz am Wald zu suchen. Das ist der erste „richtige“ Wald seid ca. 3000 Kilometern gewesen 🙂 Hier gab es auch wieder einige kleine Äste, aus denen wir beim Abendessen noch ein kleines Lagerfeuer machten. Als das Holz alle war, ging es für alle ins Zelt.

Am Sonntag gingen wir die letzten 60 Kilometer bis zu unserem ausgesuchten Hostel in Shiraz an. Wir freuten uns alle schon sehr auf die Dusche! 🙂 Nach nur zwei Hügeln und danch einer längeren Abfahrt sollten wir in Shiraz ankommen. Zuerst fuhren wir aber noch durch die Stadt Marvdasht, wo leider die Kraftfahrzeugfahrer*innen nicht wirklich mit Vorsicht glänzten. Ein LKW-Fahrer machte einfach seine Fahrertür auf, als Karin und Hannah gerade daran vorbeirollten. Wir konnten aber noch ausweichen und den Fahrer anschreien. Auch andere Autofahrer fuhren oft, ja, wirklich oft einfach los, als mindestens einer von uns fünf Radelnden gerade neben ihm war. Und die Mopedfahrer kennen hier ja gefühlt eh keine Regeln. Also kauften wir hier schnell wieder fürs Mittagessen ein und fuhren heile wieder raus aus der Stadt. Dann ging es auch schon bald den ersten Hügel hinauf. In der Senke zwischen den beiden Hügeln befand sich die Landwirtschaftsuniversität Shiraz.

Hier fühlen wir uns doch gleich wohl! Leider war eine kleine Führung nicht möglich

Wir fragten, ob wir auf dem Gelände picknicken durften und uns wurde ein ruhiger Platz unter einem Baum gezeigt. Hier konnten wir in Ruhe zu Mittagessen und uns für den zweiten Hügel stärken. Der war auch nicht so hoch. Fast oben angekommen verlor Karin fast ihre Trinkflasche, aber sie konnte sie noch vor den Autos retten… 😉
Dann ging es runter nach Shiraz rein und die Strecke erinnerte kurzzeitig an die Weinsteige nach Stuttgart rein, wobei die Sicht weitläufiger war. Dann fuhren wir zufällig noch an einem der Hauptplätze von Shiraz vorbei, machten gleich mal ein Foto mit den Fahrrädern und kamen kurz danach auch schon im schönen Hostel an.

This is Shiraz
Shiraz – gleich sind wir im Hostel angekommen!

Dort duschten wir ausgiebig und gingen später noch auf dem Markt auf die Suche nach möglichst viel Gemüse für ein Curry. Wir wurden fündig und zauberten zusammen ein genüssliches Kartoffel-Gemüsecurry.

Der Montag war regnerisch angekündigt und tatsächlich regnete es fast den ganzen Tag. Wir stapften trotzdem los, um in einem Outdoorshop ein paar Sachen zu suchen und den Basar zu besichtigen. Leider haben wir nicht allzu viel gefunden und es ist hier wirklich schwierig, ein Brett zu finden, auf dem man Spätzle schaben kann! Aber wir haben bisher immer etwas gefunden…

Spätzle machen fetzt!

Am Dienstag geht es weiter in Richtung Busheer am persischen Golf. Also noch einmal über Berge rüber und dann eine ganze Weile lang am Meer entlang weiter nach Osten 🙂

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