Am Dienstag, den 21.11. machten wir im Hostel nochmal ein richtig großes Frühstück mit Lea, Tobias und Sohn Tim, die auch mit ihren Fahrrädern unterwegs sind. Tim ist 7 Jahre alt und fährt oft am Fahrrad seiner Mama mit und manchmal auch alleine. Nach dem Frühstück hieß es für uns vier (Hannah, Maik, Simon und Karin) wieder alles zusammenpacken und raus aus der Stadt. Der Stadtverkehr war mal wieder nicht wirklich toll. In der Gruppe macht es aber mehr Spaß, die schlecht und vor allem gefährlich fahrenden Autofahrenden auf deutsch anzuschreien, die einen dann aber ganz freundlich zurück grüßen.

Schon in der Stadt merkten wir den starken Gegenwind, der außerhalb der Stadt noch schlimmer wurde. Mittagspause machten wir in einem kleinen Verschlag, den wir mit unserer Plane versuchten, winddicht zu machen, aber wir wurden trotzdem ganz schön durchgepustet. Wir kämpften uns noch einige Kilometer weiter, aber bald hatten wir keine Lust und Kraft mehr, gegen den Gegenwind anzukämpfen, also suchten wir uns wieder im Windschatten von Mauern einen Platz für die Zelte.

Es war uns ziemlich kalt, daher kochten wir in unserem Vorzelt und saßen zum Essen zu viert in unserem Zelt. Als wir müde waren, gingen wir alle noch Zähneputzen und dann schlafen.
Am Mittwochmorgen war der Wind fast weg, aber Hannah fühlte sich überhaupt nicht gut und hatte wenig geschlafen. Daher war unser Ziel für heute vor allem, dass Hannah wieder gesund wird. Dafür fuhren wir um die 15 Kilometer bis zu einer Raststation, an der wir Vorräte und Cracker einkaufen konnten. Zum Glück ging es dorthin vor allem bergab. Wir anderen drei gönnten uns ein Eis von Mohammadi Ice Cream und ruhten dann erstmal ein paar Stunden am Picknickplatz dort.

Hier konnten wir auch mal wieder abwaschen und allen Menschen, die vorbeikamen, erklären, wo wir herkamen und wo wir hinfahren… Irgendwann war klar, dass wir heute nicht mehr weit fahren werden, also nahmen wir den nächsten Weg, der von der Straße abbog und suchten nach einem schönen Platz.

Kurz danach fanden wir eine Apfelbaumplantage und den Besitzer darin. Wir fragten, ob wir darin zelten dürften und der Besitzer willigte ein. Dann wollte er uns gerne zu sich nach Hause einladen, damit wir nicht in der kalten Nacht frieren müssen und um duschen und essen zu können. Wir waren aber wieder mal richtig glücklich draußen in der Natur und lehnten ab. Wir kochten, Hannah schlief und wir machten noch ein Lagerfeuer, ohne das es uns ziemlich kalt geworden wäre.

In der Nacht auf Donnerstag, den 23.11. musste Karin mal raus und der Tacho zeigte -0,8 Grad Celcius an. Als wir morgens aufwachten, waren wieder die Zelte mit Raureif überzogen und es fühlte sich immer noch zu kalt an, um aufzustehen. Maik schaffte es aber doch als erster raus und kochte schonmal Kaffee und Porridge. Die Zelte waren noch ziemlich nass, daher frühstückten wir erstmal gemütlich und da wurde es auch schon wärmer. Dann konnten wir losstarten und im nächsten Dorf Vorräte kaufen. Dort sahen wir Mathias, der noch eine Nacht länger im Hostel in Shiraz geblieben ist, gerade beim Bäcker anstehen und quatschten kurz mit ihm. Dann düste er schon davon. Heute standen für uns ca. 30 Kilometer annähernd flach und dann die restlichen Kilometer bergab mit 3-5% an. Kurz vor der langen Abfahrt machten wir noch eine Pause, wie so oft mit Tee, Brot, Käse, Gurken, Tomaten und Erdnussbutter. So hatten wir wieder Kraft für den letzten Anstieg und ab dann konnte die schöne Abfahrt beginnen. Wir hatten selten so eine schöne Aussicht bei einer Abfahrt und es machte richtig Spaß, zu viert so hinunterzufahren…

Die teilweise schlechte Straße, wo wir leicht abbremsen mussten, war hinterher schon fast vergessen. Auf etwa 1000 Metern sahen wir endlich Zitrusbäume und freuten uns, dass es schon viel wärmer wird. Wir fanden am Ende des Tages einen wunderschönen Platz für die Zelte und ein Lagerfeuer in einem großen ehemaligen Flussbett voller Eichen. Hier fanden wir wieder Feuerholz für ein gemütliches Lagerfeuer und gingen in einer mondhellen schönen Landschaft bei schon wärmeren Temperaturen schlafen.

Am Freitag ging es weiter durch das Flusstal, das mit Zitrusplantagen gesäumt war. Wir fanden eine kleinere Straße, die uns durch kleine Dörfer und atemberaumende Bergpanoramen führte. Wir wurden von zwei jungen Männern angehalten, die erstmal eine Tüte voll mit Orangen machten und uns schenkten, wir freuten uns sehr über die frischen Orangen!

Dann ging es wieder auf die große Straße und auch wieder etwas den Hügel rauf. Jeder Höhenmeter, um ihn später wieder runterzufahren… Auf einem Picknickplatz an einer Raststätte machten wir Mittagspause und dann kam auch schon die erste Abfahrt! Wir sausten die Kurven zu viert hinunter, verloren uns aber bald aus den Augen, da jede/r im eigenen Tempo fuhr. Unten im Flusstal hielten wir Ausschau nach dem schönsten Schlafplatz zwischen Fluss und Bergen und wurden schnell fündig.


Als wir gerade die letzten Stöckchen verbrennen wollten, kam ein junger Mann, der einer der zwei Guards dieser Gegend war. Er sagte, wir können hier gerne zelten und wir sollen uns wegen der Sicherheit keine Sorgen machen. Das hätten wir sowieso nicht getan. Er schenkte uns noch etwas Brot, zwei hartgekochte Eier und eine gekochte Kartoffel. Dann fuhr er weiter und wir gingen bald darauf bei angenehm warmen Temperaturen schlafen.
Am Samstag, den 25.11. klingelten unsere Wecker schon kurz vor sechs Uhr, denn wir hatten uns so vage vorgenommen, heute um die 96 Kilometer bis nach Bushehr ans Meer zu radeln. Kurz nach sechs Uhr wurde es auch hell und Maik war schon am Kocher zu hören. Unsere Zelte, Schlafsäcke und Isomatten waren zwar feucht, aber wir packten alles ein, um alles später zu trocknen. Nach dem Frühstück waren wir schon um kurz vor acht Uhr auf den Fahrrädern und radelten einen der letzten Hügel hinauf. Ab halb neun ging es dann für heute (und die nächsten Tage) nur noch flach oder bergab, wouhouu!
Wir fuhren vorbei an Dattelpalmen, und sahen zeitweise Dattelpalmen bis zum Horizont!

Zwischendurch hielt uns ein Mann an und schenkte uns Safranbrot und Kakis und freute sich, uns zu sehen. Wir fuhren heute fast die ganze Zeit über 20 km/h, wir wollten ja gerne ankommen und es war ja flach, also konnten wir gut fahren. Nach 45 Kilometer machten wir mitten in einem Dorf an der Straße Pause und waren die Hauptattraktion. Viele Menschen allen Alters schauten uns an, grüßten uns oder fuhren extra noch ne Runde mit dem Fahrrad oder Moped an uns vorbei. Dann fuhren wir weiter durch das platte Landund freuten uns, dem Meer immer näher zu kommen. In Buschehr war Mathias schon dabei, eine gute Bleibe für uns zu organisieren, denn er hatte uns unterwegs seit Shiraz überholt. In Bushehr ging es erst noch eine Weile geradeaus, vorbei am Flughafen und geradewegs zum Meer.

Am Meer machten wir erstmal Fotos, tranken Heiß/Kaltgetränke und feierten, dass wir nun schon 1000 Kilometer zu viert zurückgelegt hatten!

Mathias hatte inzwischen ein Zimmer für uns fünf in einem Hotel in der Stadt gefunden, also fuhren wir noch einige Kilometer am Meer entlang dorthin.

Dort angekommen gönnten wir uns erstmal alle eine Dusche und machten dann Kartoffeln mit Kräuterquark und Salat, da wir durch die geschenkte Kartoffel und auch so wieder richtig Lust auf Gemüse hatten.

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