(70) Begegnungen und geplantes Treffen

Am Samstagmorgen kam Azim um halb 9, rief bei der Transporterzentrale an und die sagten, dass das Auto, das nach Chabahar fährt, noch nicht wieder in der Stadt ist. Keine Ahnung wann es kommen würde, also das Beste sei wohl, dass wir zu einem Polizei- Checkpoint in ca. 10 Kilometer fahren und die Polizisten fragen sollen, sie sollen uns helfen, einen LKW anzuhalten. Wir bedankten uns für seine Hilfe und fuhren erstmal zur Tankstelle, um dort nach einem LKW zu schauen. Ein Fahrer, der uns gern mitgenommen hätte, fuhr leider in der falsche Richtung. Als wir dann losradeln wollten, merkten wir, dass Karin hinten nen Platten hatte. Den flickten wir kurz an der Tanke mit einigen Zuschauern. Dann ging es aber wirklich los. Wir fuhren die 10 Kilometer bis zur Polizeikontrolle. Dort fragten die Polizisten erstmal neugierig, wo wir herkommen und wo wir hin wollten. Wir erklärten ihnen unseren Wunsch, mit einem LKW mitzufahren und baten sie um Hilfe. Da kam auch schon ein Sattelzug, der die Liftachse oben hatte ( bedeutet: er ist wahrscheinlich nicht sehr voll bzw. schwer beladen) und wir versuchten pantomimisch, ihm zu erklären, was wir wollen. Er winkte aber gleich ab. Die Polizisten fragten ihn etwas, entweder das Übliche, was er geladen habe oder ob er uns mitnehmen könnte, aber er fuhr weiter. Schade, denn er sah wirklich nicht ganz voll aus 😔. Wir hielten nach neuen kommenden LKWs Ausschau, da merkten wir, wie gerade beschriebener LKW-Fahrer mit dem pinken T-Shirt und den grauen Haaren zurück gelaufen kam und 50 Meter hinter uns gehalten hatte. Er war doch dazu bereit, uns bis 40 Kilometer vor Chabahar mitzunehmen, also ca 350 Kilometer. Das war genial! Er und sein jüngerer Beifahrer halfen uns, die Fahrräder zwischen die zwei Autos und die Gartenmöbel auf der Ladefläche zu laden und zu sichern. Und dann konnte die Fahrt losgehen, wir beide konnten auf dem Bett hinter den beiden Sitzen Platz nehmen und bekamen Wasser, süße Stückchen und Orangen. Mithilfe zwei Smartphones und Übersetzer konnte sich Simon viel mit unseren Fahrern unterhalten.
Es ging abwechselnd durch flache Landschaften und noch flachere Ebenen mit Aussicht auf Berge auf der linken Seite. Nachdem der Fahrer, der Salar heißt, unsere Namen wusste, nannte er Simon “Mister Simon”. Immer wieder standen oder liefen Kamele neben der Straße herum. Salar erklärte uns, “Schotor” heißt Kamel. Eins davon stand ziemlich nah auf der rechten Seite der Straße und Salar grüßte es lauthals mit “Hello Mister Schotor!”
Karin legte sich irgendwann auf das Bett, Simon saß weiter davor, sodass sie ganz sicher war. Da merkte sie, dass ihr Kopf unnormal warm wurde und sie sich vielleicht nicht nur vom Schaukeln im Bus auf der holprigen Straße unwohl fühlte.

Karin will nichts mehr von der Welt wissen

Salar lud uns zu sich und seiner Familie zum Essen ein. Als wir ankamen, fühlte sich Karin total schwach und fragte gleich die nette Familie, ob sie sich hinlegen dürfte. Karin bekam ein eigenes Zimmer und lag ab dann einfach da, der Rest war ihr ziemlich egal. Simon wurde zum verspäteten Mittagessen um 16 Uhr eingeladen und konnte die Familie kennenlernen, Karin konnte nichts essen, eher im Gegenteil… Wir durften die Nacht dort verbringen, Karin wollte sich sowieso nicht bewegen, Simon wurde noch zum Abendessen, Reis mit Fisch, eingeladen. Für Karin verlief die Nacht nicht so gut.

Aber am Morgen wollten wir nach Simons Frühstück und einem Tee für Karin, der voller Zucker war (“because this sugar is good for estomach”) gerne weiter nach Chabahar. Dort waren Mila und Tobias, die wir schon in Tehran getroffen hatten, und mit denen wir gerne nach Pakistan fahren wollen. Salar bot uns an, uns mit seinem Sattelzug dort hinzufahren, denn er hatte eh nichts zu tun und fährt gerne rum. Wir nahmen das Angebot sehr gerne an. Abends hatte er noch den Auflieger ausgeladen. Also ging es wieder in den LKW und weiter mit iranischer Musik nach Chabahar in einen Park, wo wir Mila und Tobias trafen und Karin sich für den Rest des Tages erstmal wieder hinlegte. Wir quatschen über alles, was seit Tehran so bei uns passiert war und alles Mögliche andere. Wir bauten unser Zelt auf, aßen Abendessen und es gab noch Chips vom Laden nebenan für alle mit stabilem Magen. Später ging es dann ab ins Zelt und schlafen. Karin schlief tief die ganze Nacht, Simon machte das Zelt bei Sturm fest, wovon Karin nichts mitbekam.



Am nächsten Morgen packten wir langsam unsere Sachen, Tobias tauschte noch eine Speiche aus und dann fuhren wir los. Da Karin noch nicht wieder richtig fit war, nahmen wir uns nicht so viel vor.

Erstmal nach Chabahar fahren

Wir fuhren nach Chabahar rein, kauften Vorräte für das Abendessen für bis zu drei Tage und tauschten einige Rial in pakistanische Rupien. Weiter ging es an der Küste entlang, etwas auf und ab bis wir zu einem „pink lake“ kamen. An diesem wirklich rot schimmernden Salzsee sahen wir ein paar Wohnmobile, da fuhren wir gleich mal hin.

Seht ihr die Camper ganz da hinten links vom pink lake?

Zu unserer Überraschung waren die Camper alle aus dem Iran, wir unterhielten uns kurz und fragten, ob man dort gut campen kann. Sie meinten, dass sie gleich weiter fahren würden und empfahlen uns, einen Platz näher bei anderen Menschen zu suchen. Da wir ja schon zu viert unterwegs sind und die Nacht meist deutlich erholsamer ist, wenn keine Menschen in der Umgebung sind, entschieden wir uns für einen schlecht einsehbaren Platz in den Dünen zwischen See und Meer.

Abends gingen Simon und Mila nochmal zum Meer, um sich die vom Leuchtplankton grünlich leuchtenden Wellen anzuschauen. Nicht alle leuchteten richtig doll und auf Fotos konnte das auch nicht festgehalten werden, stellt euch einfach vor, dass jede zehnte Welle, kurz bevor sie bricht, etwas grün/blau aufflackert.



Dienstag 19.12.23


Mila hat Geburtstag! Wir starteten also mit Geburtstagsliedern und einem entspannten Frühstück in den Dünen. Da Karin leider nicht fitter als am Vortag war, beschlossen wir es, weiterhin langsam anzugehen und nur so weit zu radeln, wie es halbwegs gut geht. Damit war auch der Entschluss gefasst, dass wir uns einen Tag mehr Zeit nehmen, um zur Grenze und damit nach Pakistan zu kommen. Wir fuhren ein kleines Stück bis zur nächsten Sehenswürdigkeit, auf dem Schild stand „miniature mountains“.

Die Miniaturberge in der Ferne

Dort gab es einen Bereich, wo man Snacks kaufen konnte und für uns einen Platz im Schatten, da einer der Stände nicht besetzt war. Wir kauften also etwas Wasser und machten eine gute Stunde Pause im Schatten. Dann wollten wir weiter fahren, um noch ein paar Kilometer zu sammeln, leider sehr schwere Kilometer. Da Karin noch nicht wieder fit war, hatte sie weniger Kraft als sonst und die kleinen Hügel werden schnell zu richtigen Anstiegen, wenn man weniger Schwung und Kraft hat.

Immer weiter geht es irgendwie…
Die letzten Kilometer am Meer entlang

Selbstverständlich hatten wir noch etwas Gegenwind, was das Ganze noch anstrengender machte. Als wir ca. 30 Kilometer gefahren waren, fanden wir einen Platz im Halbschatten, um uns zu erholen und Mittagspause zu machen. Dort machten wir es uns gemütlich, Karin konnte liegen und die anderen drei spielten Skat (relativ sicher ist die Nutzung von Spielkarten hier nicht sooo erlaubt). Als dann zwei Männer auf einem Moped vorbeikamen, um sich mit uns zu unterhalten, war die Pause dann auch leider vorbei. Die Sprachbarriere war zwar sehr groß, die beiden quasselten aber weiter fröhlich auf uns ein. Wir entschieden also, dass es Zeit ist, wieder aufzubrechen. Ab jetzt ging es ins Landesinnere, der Grenzübergang liegt ca. 70 Kilometer im Inland und wir konnten den Golf von Oman noch ein letztes Mal sehen.

Noch ein kleiner Anstieg durch diese Berge hindurch

Wir fuhren noch durch wenige kleine Dörfer, deren Supermärkte außer Wasser, Kekse und kleine Kuchen leider nicht so viel zu bieten hatten. Aber wir hatten alles, was wir brauchten, also bogen wir nach einem der Dörfer zwischen einige Hügel ab und fanden einen schönen geschützten Zeltplatz.

Ein paar Kinder aus dem Dorf hatten uns wohl gesehen und kamen später mit den Mopeds vorbei. Tobias bespaßte sie eine Weile, irgendwann machte er ihnen aber auch klar, dass wir gerne unsere Ruhe haben möchten. Dann fuhren sie wieder weg und wir konnten noch bei Laternenlicht Karten spielen.

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