Wir wachten am Mittwoch, dem 13. Dezember 2023 mit einem schönen Sonnenaufgang auf, frühstückten, schoben die Räder durch die Dünen zurück zur Straße und fuhren weiter Pakistan entgegen. Nach etwa 25 Kilometern hörte und spürte Simon ein Knacken in seiner Fahrradkette. Wir wussten nicht genau, wo es herkam, untersuchten also erstmal die Kette genau. Wir sahen, dass der Bolzen, mit dem man die Kette wieder verbindet, herausgerutscht war. Simon baute schnell ein neues Quicklink ein. Als wir da so am Straßenrand standen und reparierten, hielt ein Autofahrer an und fragte in gutem Englisch, ob wir Hilfe bräuchten. Wir verneinten, aber er war ziemlich freundlich und bot uns an, zu ihm nach Hause zu kommen. Er lebt in Sirik, einer Stadt, die noch 15 Kilometer entfernt war, aber auf unserem Weg lag. Er bot uns auch an, bei ihm zu duschen, Wäsche zu waschen und bei ihm zu übernachten. Er, Ali, gab uns seine Nummer auf einem Stück Papier. Wir haben ja keine funktionierende SIM-Karte im Iran mehr, da man hier jeden SIM-Slot im Telefon nur 30 Tage nutzen kann. Er meinte, wir sollen jemanden nach einem Handy fragen und ihn anrufen, wenn wir in Sirik sind. Das taten wir auch genauso. Wir waren zufällig nur 100 Meter vom Haus von ihm und seiner Frau weg, also kam er schon gleich zu uns und wir gingen erstmal in ein kleines Restaurant zum Mittagessen. Er erzählte uns, dass er in Malaysia studiert hat und dass er aus einem Dorf nebenan kommt und deshalb viele Menschen in Sirik kennt und mit einigen verwandt ist. Das ist super, wenn man mal etwas braucht, dann hilft man sich gegenseitig. Wir durften unser Mittagessen natürlich nicht bezahlen. Und dann durfte/sollte Simon noch gekühlte Getränke im Laden aussuchen. Er fragte zweimal, ob er Simon zum Barbier einladen könne, aber wir sind zufrieden mit Simons Bart 🙂
Danach ging es zu Ali nach Hause, seine Frau verließ das Haus, als wir kamen, denn sie spricht kein Englisch und ist zu schüchtern. Wir durften erstmal duschen und unsere Sachen in die Waschmaschine werfen.

Später wollte er uns gern noch seine Stadt zeigen, mit dem Auto natürlich. Er zeigte uns seinen Laden, in dem er Hähnchen verkauft und dann ging er mit Simon zum Obst-und Gemüsehändler nebendran, um Bananen, Orangen, Clementinen, Granatäpfel und Honigmelonen zu kaufen. Dann ging es zum Fischerhafen und zu einer kleinen Werft.
Zum Abschluss zeigte er uns noch das Haus, in dem er aufgewachsen ist, mit zwei riesigen Mangobäumen im Hof. Als wir wieder bei ihm Zuhause waren, gab es Obst für uns. Er musste nochmal los zu seinem Laden, da kg er heute einen neuen Kühlschrank bekommt und ihn hineinstellen muss. Wir hatten inzwischen Zeit mit Internet bei ihm Zuhause. Er kam erst nach 4 Stunden wieder und erzählte uns dann, dass der Kühlschrank zu groß für die Tür war. Daher mussten einige seiner Verwandten kommen, um die Tür komplett auszubauen, den Kühlschrank hineinzutragen und später wieder eine funktionsfähige Tür zu bauen. Dabei ging noch das Glas zu Bruch und sie mussten mit einem Brett improvisieren. Er war also bereit fürs Abendessen und lud uns zu Pommes und Pizza in seinem Stammlokal ein, die auch Hähnchen bei ihm einkaufen.
Nach dem Essen ging es wieder nach Hause und dann war auch schon schlafen angesagt.
Am Donnerstag, den 14.12. ging Ali früh um 6 los, um Brot und Karottenmarmelade zu kaufen. Wir frühstückten zusammen und er schenkte uns noch alles mögliche Essbare für unsere Weiterreise. Wir konnten ihm mal wieder nicht genug danken. Aber er sagte, dass wir ihm das ja auch alles geben würden, wenn er uns besuchen würde. Wir machten noch ein Abschiedsfoto und radelten los.


Wir überlegten, heute etwas zu trampen, oder “hitchbiken”, wie wir es nennen. Dafür radelten wir zur nächsten Tankstelle an der Straße und versuchten, einen Fahrer eines geeigneten Fahrzeugs zu finden, der uns mitnehmen könnte.

Aber es wollte fast zwei Stunden nicht gelingen. Also radelten wir halt selbst mit Gegenwind. Etwas weiter fragten wir vor einem Laden noch einen Fahrer eines blauen Transporters, der uns dann ca. 15 Kilometer weit mitnahm bis zu seinem Dorf. Na, immerhin 15 Kilometer, die wir nicht gegen den Wind strampeln mussten! Danach radelten wir fleißig weiter, sodass wir am Ende doch noch auf 60 geradelte Kilometer kamen. So hatten wir über die Hälfte der Strecke nach Dschask geschafft, wo wir am nächsten Tag gerne ankommen wollen.

Wir fanden einen schönen Schlafplatz zwischen genialen Bergen, kochten und schliefen zufrieden ein.

Die Nacht auf Freitag war die unruhigste seit Langem: erst war es richtig windig, dann hörten wir Wildschweine ums Zelt rumlaufen, zum Glück kamen sie aber nicht näher. Als morgens um halb 6 der Wecker klingelte, regnete es und wir hatten etwas Angst, dass der Boden um uns herum zu matschig wird, um rauszufahren. Aber nach einer halben Stunde war alles trocken und wir konnten frühstücken und losfahren.

Wir fuhren bis Bandar e Jask, wo wir uns heute gerne einen Bus/LKW suchen wollten, der uns zur nächsten großen Stadt in ca. 400 Kilometern, Chabahar, bringt.

Als wir an den Toren von Bandar e Jask waren, winkte uns gleich ein junger Mann zu sich her und erklärte uns mit seinem Handyübersetzer, den er zum Glück gut verstand, dass es hier keine Busse gibt und da heute ja “Sonntag” ist und deshalb keinen Transporter und wenig Trucks nach Chabahar fahren.
Er sagte, dass wir gerne zu ihm kommen können und er dann morgen früh einen Transport für uns nach Chabahar organisiert. Da wir keine bessere Idee hatten und er, Azim, ganz nett war, willigten wir ein. Bei ihm Zuhause oder in seinem Büro, das eine ganze Wohnung war, konnten wir duschen und sollten uns ausruhen. Das nahmen wir gerne an und lasen den Abend über.
Er holte noch seinen Sohn von getrennter Mutter und strich noch das Treppenhaus.
Später gab es Abendessen mit Sohn plus neuer Frau, dann gehen die drei und wir können schlafen.


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