(73) So viele Eindrücke in Pakistan und Indien!

Es ist schwierig, die ganzen Eindrücke von dem was wir in Pakistan und in den ersten Stunden in Indien erlebt haben, in Worte zu fassen.

Zuerst sollten wir Pakistan noch ein paar Worte widmen. Auch wenn wir dort nur ca. 50 Kilometer geradelt sind, nur 13 Tage in dem Land verbracht haben und auch noch viele Tage davon im Bett mit Durchfall verbracht haben, sind ganz schön viele Eindrücke auf uns eingeprasselt. Schon die ersten Meter im Linksverkehr waren eine neue spannende Erfahrung. Wir sahen viele richtig bunt angemalte Busse und LKWs, haben aber kein perfektes Bild davon machen können…

Deswegen haben wir uns eins von Mila ausgeliehen…

Der Verkehr ist wohl das, wovon wir am meisten mitbekommen haben und er ist wirklich noch chaotischer als im Iran. Und es sind viel mehr motorisierte Zweiräder unterwegs, die hier im blog alle einfach „Mopeds“ genannt werden und überall fahren, wo sie einen Weg finden.

In Karachi, wo wir morgens ankamen, fiel uns eigentlich gleich auf, dass die Stadt sehr dreckig ist, an vielen Stellen Müll liegt oder brennt. Morgens sahen wir Menschen auf dem Mittelstreifen der Straße schlafen, manche waren schon wach und wärmten sich an den brennenden Müllhaufen. Wir verbrachten einige Tage in einem Hotel in einem Teil der Stadt, wo die Straßen voll mit Straßenständen waren. Viele verkauften frittierte Samosas und andere gefüllte Teigtaschen, bei anderen gab es Linseneintopf mit Reis und schneckenartig gerolltem und dann ausgewelltem, in Öl gebratenem Brot, aber auch Milchshakes, Obststände und natürlich vielem mehr.

Und ganz viel Obst!

Weihnachten feierten wir mit anderen Radreisenden in einem Restaurant, das zu einem Hotel gehört und sogar etwas weihnachtlich geschmückt war. Naja, eigentlich war da nur Simon dabei, weil Karin am Abend ziemlich übel war und sie nicht an essen denken wollte. Dafür gingen wir zwei Tage später nochmal dorthin, um das Weihnachtsessen nachzuholen.

Als es uns allen vieren wieder gut genug ging, nahmen wir einen Bus nach Lahore. Diese Stadt zeigte sich uns ähnlich und doch anders als Karachi. Zuerst bemerkten wir, dass das Wetter hier 1000 Kilometer nördlich, kälter ist. Tagsüber waren es hier gerade mal 12 Grad, nachts um die 6 Grad. Und es war den ganzen Tag bewölkt, neblig oder so voller Smog, dass wir die Sonne nicht sahen. Lahore war auch, was wir gesehen haben, weniger dreckig als Karachi. In beiden Städten flogen die Tauben, Krähen und Schwarzmilane über die Häuser, vor allem die vielen Schwarzmilane waren echt neu für uns.

Und was haben wir noch erlebt?

Am 1. Januar schlenderten wir ein bisschen durch die Stadt, schauten uns die Wazeer Khan Moschee an und suchten noch Gemüse auf dem Basar fürs Abendessen.

Wir in der Moschee mit Mila und Tobias

Am 2. Januar sind wir zur Wagah-Grenze zwischen Pakistan und Indien mit einem Taxi gefahren, um die Straße schonmal zu checken und vor allem, um die Grenzzeremonie der Offiziere direkt an der Grenze zu sehen. Wir hatten gehört, dass das ein richtiges Highlight ist und wollten uns das nicht entgehen lassen. Die halbe Stunde vor der Zeremonie lief auf beiden Seiten der Grenze für die Zuschauenden animierende Musik, dabei liefen zwei Männer mit Trommeln herum und feuerten die Zuschauenden an, zu jubeln und ihre Flaggen zu schwenken.

In weiß der Animator, vorne die animierte Menge und mittendrin die im Takt der Trommel marschierenden Soldaten

Durch die Ränge liefen Leute, die Getränke, Sandwiches und Popcorn verkauften. Um 16 Uhr geht es wie jeden Tag los damit, dass die Soldaten auf dem Balkon salutieren und im Marschschritt nach unten auf die Straße vor dem Grenztor laufen. Dann gab es eine Choreografie, bei der zwei Soldatinnen und ungefähr 12 Soldaten zum Grenztor schritten und dabei immer wieder ein Bein so hoch wie möglich gerade in die Luft streckten und dann zum Trommeln aufstampften.

So hoch heben die ihr Bein…

Irgendwann wurden die Grenztore aufgemacht, die Flaggen heruntergelassen und im Marschschritt weggetragen.

Das geöffnete Grenztor mit der indischen Seite hinterm Tor und die indischen Soldaten in hellbraun

Dann war das Spektakel vorbei und die ganzen Zuschauenden gingen wieder zurück.

Am zweiten Januar 2024 schwangen wir uns zu viert endlich wieder auf die Fahrräder, um die Grenze nach Indien nun endlich richtig zu passieren. Erst radelten wir die letzten 25 Kilometer bis zur Grenze, um dort fünfmal unseren Pass zu zeigen und dann den Ausreisestempel zu bekommen. Und dann durften wir selbst durch das Tor nach Indien gehen.

Auf nach Indien!
Da isser in Indien!

Nach dem ersten Mal Passport zeigen in Indien bekamen wir Begleitung von einem Grenzbeamten auf nem Fahrrad bis zu den nächsten dreimal Passport zeigen. Und dann hatten wir es wirklich nach Indien mit dem Fahrrad (und Bus durch Pakistan) geschafft! Erstmal ließen wir alle Eindrücke auf uns wirken: die Menschen, die Läden, die Autos, die Vegetation,…

Wir fühlen uns willkommen in Indien!
In den Städten ist etwas mehr Verkehr…

Und irgendwann realisierten wir, dass wir wirklich in Indien sind! Was würde Karins Papa dazu sagen, der dieses Land so oft beruflich besucht hat und dabei lieben gelernt hatte? Dieser Gedanke begleitete Karin eine Weile lang.

Mittags machten wir neben der Straße neben einem Rapsfeld Mittagspause. Dabei kamen zwei Männer, die nebenan arbeiten, vorbei und fragten uns, ob wir nicht bei ihnen drinnen Pause machen wollten. Wir wollten eh nur ne kurze Pause machten und lehnten ab. Weiter ging es nach Amritsar, wo der goldene Tempel, der größte Tempel des Singhismus, steht. Der ist ein großer Treffpunkt für Menschen, die der Singh-Religion angehören, aber auch für Touristen und Menschen aus der Umgebung. In allen Singh-Tempeln bekommt man nämlich fast rund um die Uhr kostenloses Essen, wenn man möchte, darf man Geld spenden. Und hier neben dem goldenen Tempel ist ein großes Haus, wo auch viele Menschen übernachten dürfen.

Wir kamen dort also mit unseren Fahrrädern an und durften vier Betten in einem Zimmer im Teil für die internationalen Reisenden beziehen. Danach wollten wir uns den goldenen Tempel ansehen. Schuhe sind dort nicht erlaubt, also gingen wir barfuß um den goldenen Tempel, der inmitten eines großen Teichs, in dem heiliges Wasser ist, steht.

Wir vorm goldenen Tempel in Amritsar

Wir wurden ein paar Mal von Männern und Frauen angesprochen, ob wir Fotos zusammen machen können. Eine Frauengruppe erklärte uns, dass wir uns das Gesicht mit dem heiligen Wasser waschen sollten, denn das heilt uns von Krankheiten. Das haben Mila und Karin gleich auf der Seite  der Frauen gemacht, Tobias und Simon bei den Männern. So gesund machten wir uns an die nächsten Aufgaben in der Stadt: Geld abheben und eine SIM-Karte besorgen. Das Geld abheben ging einfach, die SIM-Karte war schwieriger, da man dafür einen indischen Pass haben muss. Aber im Mobilfunkladen wurde ein junger hilfsbereiter Inder angerufen, der uns dabei half, eine SIM-Karte zu kaufen. Auf dem Rückweg aßen wir ein paar Momos, nepalesische Teigtaschen, die es gekocht und frittiert gibt.

Die Straßen um den Tempel herum waren jetzt am Abend noch belebter als tagsüber, es gab viele Straßenstände, die Essen, Plastikspielzeug, Kleidung und vieles mehr verkauften. Abends gingen wir uns nochmal den nun hell beleuchteten goldenen Tempel im Dunkeln anschauen.

Bei nacht sieht der Tempel noch viel beeindruckender aus

Und wir wollten uns auch das Essen nicht entgehen lassen. Die Speisung erfolgt in großen Räumen, die abwechselnd genutzt werden. Man bekommt einen Teller und einen Löffel und setzt sich in Reihen auf den Boden. Dann kommen Männer mit großen Schüsseln und Kellen vorbei und verteilen eine Linsensauce, eine Gemüsesauce, einen Nachtisch (Milchreis, Griesbrei oder ähnliches) und Brot. Und man kan von allen so viel haben, wie man möchte. Wenn man fertig ist, gibt man sein Geschirr am Ausgang ab und der Raum wird einmal durchgewischt, bevor die nächsten Menschen zum Essen kommen. Und nebenan hört man, wie das ganze Blechgeschirr abgewaschen wird. Danach machten wir es uns in unseren Betten bequem und versuchten, trotz des Schnarchens von anderen zu schlafen…

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