(74) Singh-Tempel in Punjab, Indien

Am vierten Januar gingen Mila und Karin zu zweit zum Frühstück in den Tempel, da die beiden Jungs mal wieder keine stabilen Mägen hatten…

Hier das einfache, aber sehr leckere Tempel- Essen. Das gelbe ist Sheera, eine Art Griesbrei, mmmmh

Danach ging es weiter auf Indiens Straßen. Wir wollen erstmal grob in Richtung Süden Richtung Neu-Delhi. Die Straße hier gefiel uns ganz gut, es gibt einen Seitenstreifen und es ist nicht soo viel Verkehr. Nur das Wetter könnte wirklich besser sein, es ist ziemlich neblig und feucht und dabei hat es maximal 13 Grad. Das ist wohl der Winter in Punjab, der Region hier.

Wir fahren durch den kalten Nebel…

Nach 70 Kilometern kamen wir nach Makhu, wo wir auch einen Tempel der Singhs fanden und fragten, ob wir heute hier übernachten könnten. Die Menschen freuten sich über unseren Besuch und sagten, wir seien die ersten Fahrradreisenden hier.

Endlich am Tempel in Makhu angekommen
Der Vorleser singt aus dem Buch (das Buch ist der lebendige Guru)

Uns wurde alles genau gezeigt und wir wurden natürlich zum Essen eingeladen. Das lief hier ähnlich wie am goldenen Tempel ab, war aber viel kleiner. Hier aßen nur ca. 15 Menschen zur gleichen Zeit. Und wir bekamen so viel indischen Chai, wie wir wollten 🙂 Uns wurde ein Raum gezeigt, der mit Matratzen und Decken ausgestattet war und wo wir den Abend und die Nacht verbringen durften. Den Abend über kamen immer wieder Männer zu uns ins Zimmer, um sich mit uns zu unterhalten und Fotos mit uns zu machen.

„Can we click a Selfie?“

Um 22 Uhr wurde dann gesagt, dass die Tore des Tempels jetzt geschlossen werden und die Besucher mal nach Hause gehen sollten. Also konnten wir schlafen… bis um ca. 4 Uhr der Vorleser im Tempel über Lautsprecher laut seine Gebete vorsang. Karins Bauch rumorte mal wieder und so konnte sie sich das ganze Gebet bis zur Abreise anhören. Leider verstehen wir kein Punjab…

Um 9 Uhr kamen wieder ein paar Jungs, die gerne vor der Schule noch Fotos mit uns machen wollten. Wir wollten lieber noch liegen und unsere Sachen packen, aber was solls… Nach einigen Fotos und Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg durch den Nebel in Richtung Süden, wo es vielleicht irgendwann mal wärmer wird. Heute kamen wir nicht so weit, da Karin mal wieder nicht so fit war und immer wieder Pausen brauchte. Und auch die feuchte Kälte (zwischen 8 und 11 Grad) machte uns eher Lust, irgendwo im Schlafsack zu liegen und uns aufzuwärmen.

Durch den Nebel geht es immer weiter gen Süden
Die Verkaufsdreiräder
Mangos haben hier leider erst Mai/ Juni Saison…
Papagei und Mamagei?

Wir nahmen uns vor, 40 Kilometer bis nach Moga zu fahren und dort eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Die Stadt ist zwar ziemlich groß, aber es war nicht so einfach, ein günstiges Hotel zu finden. Am Ende wurden wir dann fündig und kuschelten uns erstmal in die Schlafsäcke ein, denn Heizungen gibt es hier nicht so häufig. Den Rest des Tages verbrachte Karin schlafend und liegend, die anderen organisierten noch Abendessen und spielten noch ne Runde Karten.

Am 6. Januar ging es weiter, etwas erholt und zum Glück auch etwas aufgewärmt. Nach kurzer Zeit war die Wärme leider wieder verflogen. Es war weiterhin nebelig und kalt, wir fuhren trotzdem fleißig weiter, Karin hatte zwar schon etwas mehr Energie aber sie musste ordentlich kämpfen. Simon versuchte, sie bei jeder Gelegenheit mit Bananen, Kuchen oder Keksen zu versorgen, was meist nicht so gut angenommen wurde. Wobei man sie da ganz gut verstehen kann, wer will schon essen, wenn einem immer wieder übel ist. Wir machten einfach immer wieder kurze Pausen, um wieder zu Energie zu kommen und uns etwas zu erholen, Mila und Tobi machten fleißig mit und irgendwie schafften wir es durch die Nebelsuppe nach Barnala.

Hier war heute ein Fest und es fuhren immer wieder Traktoren mit und ohne große Boxen mit Anhängern voll mit Menschen, die beim Fest dabeiwaren

Dort suchten wir mal wieder einen Singh-Tempel und fragten nach einem Zimmer für eine Nacht.

Wir hatten Glück, sie hatten etwas frei und wir bekamen ein geräumiges vier-Personen Zimmer mit zwei Doppelbetten. Karin kuschelte sich gleich in ihren Schlafsack, um sich aufzuwärmen und die anderen drei gingen nochmal in die Stadt. Dort wurden Obst und Momos gekauft (auch welche für Karin), und es ging zurück zum Tempel. Dort angekommen, bekam Karin das Essen und die anderen drei wurden relativ schnell von den anderen Leuten im Tempel vereinnahmt. Zu unserer Überraschung waren viele Leute gekommen, um etwas zu feiern. Es wurde getrommelt, ein teils tänzerisches Ritual abgehalten und es gab Feuerwerk. Nebenbei machten die Menschen Bilder von uns und mit uns. Als es etwas ruhiger wurde, erklärte uns jemand, dass dieses Ritual Teile der Geschichte der Singh darstellt und, dass an diesem Abend der Geburtstag des aktuellen (schon länger nicht mehr physisch auf der Erde lebenden) Guru gefeiert wird. Welch ein Glück, dass wir da dabei sein durften! Im Anschluss konnten wir etwas essen und dabei wurden selbstverständlich weitere Fotos von uns gemacht.
Nach dem Essen ging es in den Gebetsraum (Zentrum des Tempels), dort erklärte uns ein begeisterter junger Mann die Historie und die Grundlagen dieser Religion. Das ging etwas mehr als eine Stunde, viele Leute kamen dazu und freuten sich über seine Ausführungen, einer ergänzte ein Gedicht und ein paar beobachteten uns einfach für die Stunde :).

Der Tempel bei Nacht

Nachdem wir noch ein paar Fragen gestellt hatten, ging es wieder raus, dort wurden weiter Fotos gemacht und erklärt, was wir denn überhaupt dort machen. Wir waren während der ganzen Aktion auch noch barfuß, da in einigen Bereichen des Tempels das Tragen von Schuhen und Socken verboten ist. Unsere Füße sind jetzt extrem abgehärtet, juhu! Auch wenn es alles nicht so positiv klingt, sind wir doch sehr froh über die Möglichkeit, in den Tempeln einen geschützten Schlafplatz zu haben und mit den vielen lieben Menschen in Kontakt zu kommen. Manche erzählten, dass sie das erste Mal in ihrem Leben Nicht-Inder*innen sehen. Dann kann man auch besser verstehen, warum wir nach so vielen Selfies gefragt werden.

Am Sonntag, den 7. Januar wartete der junge Mann, der uns gestern alles erklärt hatte, morgens schon beim Frühstück auf uns. Er konnte uns die Fragen der Menschen um uns herum übersetzen. Nach dem Frühstück war nochmal Selfie-time und dann Zeit, zusammenzupacken. Wir durften noch in die Küche schauen und den Frauen beim Chapati auswellen helfen.

Hier werden Blumenkohlröschen in Teig frittiert, im Hintergrund kocht das Mittagessen
Und hier werden Chapati geformt, ausgewellt und gebacken
Selfie im Tempel

Dann (nach noch 10 Fotos) ging es aber wirklich wieder los. Erstmal raus aus der Stadt, die morgens noch ruhiger war. Und dann ging es weiter durch die neblige Landschaft. Wir sahen viele Rikshas, Tuk Tuks, Fahrräder, Dreiräder, LKWs, Autos, Traktoren, Fußgänger* innen und allerlei Tiere…

Die Kuh hat immer Vorfahrt

Für die Mittagspause fanden wir einen kleinen Eukalyptuswald, in dem wir uns Nudelsuppe kochten und ganz unsere Ruhe hatten.

…und dabei wollten wir doch vor dem Mittagessen keine Fotos mehr machen 😉

Dann waren es nicht mehr viele Kilometer und wir kamen beim Tempel in Dirba an. Wir wurden wieder sehr herzlich begrüßt, zum Essen eingeladen und durften ein kuscheliges, kleines Zimmer zu viert beziehen. Wir verräumten unseren Kram und gingen dann im Tempel essen. Es gab Chapati mit einer scharfen Erbsensauce und einer noch schärferen Sauce mit Kartoffeln. Zum Nachtisch gab es leckeren süßen Milchreis mit Rosinen und Nüssen drin. Abends war noch Zeit für eine Runde Kartenspiel. Und dazwischen haben wir bestimmt wieder ganz viele Selfies mit den Menschen hier gemacht.

Die Nacht auf den 8. Januar verlief für Karin nicht so ruhig, da sie mal wieder das Essen nicht so gut vertragen hat. Deshalb war sie am Morgen auch nicht so fit und ihr Bauch krampfte stark. Das Wetter heute war wieder mal ziemlich kalt und neblig, also nicht gerade einladend, darum waren auch die anderen einverstanden, noch eine Nacht hier zu bleiben. Sie freuten sich schon darauf, den ganzen Tag Karten spielen zu können, aber dem standen 1000000 Selfies im Wege… Nach dem Aufstehen gingen die drei Gesunden ins Dorf, um Essen zu kaufen (Für Karin gibt es Bananen und Toastbrot) und dabei erfuhren sie, dass direkt neben dem Tempel ein Krankenhaus ist. Da beschlossen wir beide doch direkt mal, dorthin zu gehen.
Am Empfang wurde erstmal eine Zettel mit Karins Namen, Alter, Gewicht, Temperatur und Blutdruck gemacht und dann ging es in ein beheiztes (!) Behandlungszimmer, wo der Arzt nach den Symptomen fragte. Dann schrieb er eine lange Liste auf den Zettel und schickte uns ins nächste Zimmer, wo vier Liegen standen. Karin durfte sich auf eine hinlegen und bekam dann eine Infusion, in die einige Arzneimittel gegeben wurden. Etwas gegen Schmerzen, gegen Krämpfe, ein Magenstabilisator, ein Darmstabilisator und alles andere gute Zeug.

Dank dem Cocktail ging es Karin auch gleich besser, auch wenn sie sich noch schwach fühlte. Nach etwa einer Stunde durften wir mit einer Tüte Tabletten das Krankenhaus verlassen. Dann war vor dem Tempel gerade eine Hochzeitsgesellschaft angekommen, die alle sehr schön gekleidet waren und zu Trommeln tanzten. Wir wurden eingeladen, uns die Tänze anzuschauen, aber plötzlich wurden vor allem wir angeschaut und gefragt, ob wir mittanzen. Danach wollten viele Menschen Selfies mit uns machen und wissen, wo wir herkommen, wie wir heißen. Nach kurzer oder langer Zeit verabschiedeten wir uns und Karin legte sich direkt wieder hin. Simon ging noch mit zwei Jugendlichen ins Dorf, da er gerne noch Chips kaufen wollte. Die Jungs wollten ihm aber ganz vieles zeigen, sodass der Ausflug etwas länger dauerte. Auch Tobias war mit einem jungen Mann ins Dorf gefahren, der ihm seine Familie und Freunde vorstellte. Als es schon dunkel war, kamen die beiden wieder und nach einem weiteren Gespräch waren wir endlich allein im Zimmer und konnten uns sicheres Essen kochen. Danach waren aber alle zu müde zum Kartenspielen, also gingen wir schlafen.

In der Nacht war es Mila, die zweimal zur Toilette musste und Karin, die einmal wegen Husten wach war. Ansonsten ging es uns einigermaßen gut und wir konnten uns aufmachen. Der junge Mann, mit dem Tobi unterwegs war, war so glücklich, uns zu sehen, dass er uns bat, zu ihm zum Frühstück zu kommen. Er holte uns am Zimmer ab, wir drehten noch eine Runde durch den Tempel (barfuß) und die Jungs bekamen im Office einen Singh- Turban mit einem special Tuch gebunden.

Wir alle mit dem gesegneten Tuch

So konnten wir zu Dingsens Familie gehen und wurden dort wieder sehr herzlich begrüßt. Wir bekamen frische Kartoffel-Teigfladen mit Gurkenjoghurt, die von seiner Mama am Feuer gebraten wurden, richtig lecker! Er war so glücklich, dass wir seine Gäste sind, es war schwierig, sich zu verabschieden. Wir machten nur noch drölf Selfies und einige Videos und dann radelten wir los! Die Straße war wie die letzten Tage, immer wieder geht es an Verkaufsständen vorbei und fast an jeder Stelle, wo Menschen verweilen, brennt oder glimmt ein kleines Feuer, an dem sich die Menschen wärmen.

O yes, hier gibt es „O yes“-‚Chips!

Zwischendrin sieht man auch Menschen, die Feuerholz suchen, oder einfach die Äste eines Baumes abhacken, an die sie drankommen… Frauen und Männer schneiden auf den Feldern Senfpflanzen ab und transportieren sie dann mit Dreirädern. Wir machten Mittagspause an einer Bushaltestelle und wir meinten zwischendrin sogar, mal kurz ein paar Sonnenstrahlen gesehen zu haben. Wir verließen den Bundesstaat Punjab und kamen nach Haryana. Heute wollten wir ins Nirwana, nee, nach Narwana, denn da stand ein Tempel, der auf uns wartete 😉
Am Tempel hier wird noch gebaut, aber wir durften in einem kleinen Matratzenlager in einem Büro schlafen. Eigenes Abendessen kochen, Karten spielen, Blog schreiben, schlafen

Mal wieder ein Karren der als Geisterfahrer auf der Überholspur unterwegs ist. Niemand hier würde darin ein Problem sehen.

4 Antworten zu „(74) Singh-Tempel in Punjab, Indien”.

  1. Happy New Year ihr beiden (oder vier hehe)! Es ist schön eure Updates zu lesen, ihr seid einfach schon in Indien und gefühlt vorgestern habt ihr noch Rast in Wien gemacht. Ich drücke euch in die Ferne! Bussis, Susan

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  2. Sehr schön, von euch zu lesen, danke für die schöne Geschichten! Simon, du musst noch an deinem Bart arbeiten! Karin, wir hoffen, es geht dir bald wieder besser.
    Liebe Grüße, Fleur und Lukas

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  3. Lieber Simon, liebe Karin, ich bin so mega beeindruckt von Eurer Reise und freue mich insbesondere über die Erzählungen aus Indien und Punjab 🙂 Dort (v.a. Jaipur in Rajasthan) hatte ich in meiner Jugend ein paar Monate gelebt und muss an vielen Stellen lachen, weil ich Eure Erlebnisse gut nachvollziehen kann! In Indien lebt man bestens mit Humor, die Menschen sind super nett, manchmal auch etwas anstrengend :p Viel Glück Karin, mit dem Magen, ich bin mir sicher,das wird wieder! Solche Indischen Krankenhäuser und die Behandlungsmethoden sind schon spannend, nicht wahr?
    Freue mich weiter zu lesen wo Eure Reise Euch hinbringt!
    Beste Grüße,
    Isi

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  4. Happy New Year ihr zwei (ehm vier hehe)! Oh wow, was für eine Reise ihr schon hinter euch habt! Ich drück euch in die Ferne und dass Karin bald wieder topfit ist! Bussis Susan

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