Unser Hostel in Agra lag in Laufnähe des Taj Mahals (wenn man uns fragt, denn dutzende Rikscha-Fahrer hielten auf dem Weg neben uns an und fragten, ob wir fahren wollen, denn es sei ja ein Kilometer bis zum Eingang zum Taj Mahal). Also gingen wir los, als der Nebel etwas weniger war und zum Glück war nicht unendlich viel los und wir konnten das schöne Gebäude in Ruhe bewundern.


Fun fact: Das Taj Mahal wurde komplett symmetrisch gebaut mit dem Grab von Mumtaz Mahal im Zentrum. Und dann wurde nach dem Tod des Erbauers sein Grab daneben gebaut und jetzt ist nicht mehr alles symmetrisch!
Den Rest des Tages ruhten wir uns aus, tranken Tee und aßen Momos und anderes Essen.
Am Freitag machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Süden.
Heute ging es also wieder weiter, selbstverständlich war es wieder nebelig aber wenigstens zeigte das Thermometer 10 Grad. Zweistellige Temperaturen sind super! Leider hat Simon etwas Halsschmerzen und deshalb entschieden wir uns, dass wir uns für heute nur ca. 60 Kilometer vornehmen. Schön, dass uns die 60 Kilometer im flachen Land so leicht fallen, dass wir die als kurze Etappe sehen. Es ging durch den Nebel, raus aus dem Getümmel von Agra, dann entlang von vielen nach Frühling duftenden Rapsfeldern und immer wieder durch kleinere Ortschaften.

Der Tag verlief sehr ruhig, wir fuhren vor uns hin und um 15 Uhr hatten wir es geschafft, wir waren in Dhaulpur angekommen, suchten uns ein Hotel, weil es keinen Tempel gab und bezogen unser Zimmer.

Es gab dort lauwarmes Wasser, das wohl von den Solarkollektoren auf dem Dach geheizt wird, aber bei dichtem Nebel wird es nicht so wirklich warm. Naja, für ne kurze Dusche reichte es. Danach gingen wir uns auf der Straße durchs streetfood snacken, erst Momos und lecker gewürzte Pommes, dann Aloo Chaat (angebratener Kartoffelbrei mit verschiedenen Saucen), Nudeln für Simon und noch Papaya und Erdnusskekse zum Nachtisch. Dieses Zimmer ist das erste für uns in Indien, wo wirklich auch Glas und nicht nur Mosquitonetz in den Fenstern ist, es zieht also zur Abwechslung mal nicht kalt rein, welch ein Luxus!
Am Samstag, den 20. Januar ging es nach Porridge wieder auf die Räder.


Die Landschaft war heute schon etwas abwechslungsreicher mit buschigen Ebenen und zerklüfteten Hügeln.

Außerdem fuhren wir an Müllbergen und nem Müllbagger vorbei.

Mittagspause machten wir fast im Sonnenschein bei trotzdem nur 10 Grad in Daunenjacken.
Am frühen Abend erreichten wir Gwalior, wo es am Ortseingang wieder einen Tempel gab. Dort im Hof saßen mehrere ältere Männer auf Liegen, einige Kühe mit Kälbern fraßen aus einem Trog und ein paar Frauen sortierten Getreide. Wir durften in einem Raum mit vier indischen Feldbetten schlafen.
Abends gingen wir nochmal raus, um uns etwas zu essen zu suchen. Es wurde langsam dunkel und wir gingen durch die hinteren Gassen der Stadt, wo außer ein paar beleuchteten kleinen Läden nicht mehr viel los war. Wir fanden (scharfe) Samosas und indische Süßigkeiten, die wir gleich verspeisten. Wir kamen in Tempel an, da wurde auch schon das Tor geschlossen und es war Feierabend.
Am Sonntagmorgen trafen wir die Menschen im Tempel, wie gerade Brotteig geknetet und Rettich gerieben und ausgedrückt wurde. Wir bekamen Chai und konnten beobachten, wie Milu Paratha gemacht wurden. Zu dem geraspelten Rettich wurde Koriander, Chili und Gewürze gegeben.

Aus dem Teig wurden erst kleine Kugeln und dann Fladen geformt. Zwischen jeweils zwei Fladen kam die Rettichfüllung und dann wurden die Fladen ausgewellt. Ein Mann am Feuer war dafür zuständig, die Parathas mit Öl zu bedecken und sie von beiden Seiten zu backen. Ein kleines Mädchen steckte immer wieder kleine Äste ins Feuer für die richtige Hitze.

Und dann durften wir probieren: Lecker! Dann ließen wir die anderen weiterbacken und essen, verabschiedeten uns, und kämpften uns erstmal durch den Stadtverkehr durch Gwalior. Eigentlich ist morgens ja weniger los, aber heute waren schon alle unterwegs, Rikshas, Mopeds, Kühe, Fußgänger*innen, Verkaufsstände, Busse,… Vor allem an den Kreuzungen, wo eh schon alle in alle Richtungen fahren (wollen), halten noch die Busse und die “Mini-Metros”, also Rikschas, um Leute ein- und aussteigen zu lassen. Und an einer von diesen vollen Kreuzungen stand einfach 50 Meter dahinter ein beweglicher Papaya-Verkaufsstand auf der linken von zweieinhalb Fahrspuren. Komisch, dass es da nicht so gut vorangeht…

Nach der Stadt ging es endlich mal durch bewaldete Landschaft! Die Straße war wenig befahren und wir konnten die Vögel singen hören, das konnten wir sehr genießen. Die Sonne war heute auch rausgekommen und es hatte in der Sonne schon um die 20 Grad! Wir konnten in der Mittagspause schon im T-Shirt sitzen. Als wir gerade wieder losfahren wollten, fand uns ein Radfahrer. Pramod wollte uns gerne die nächsten Kilometer begleiten und sagte uns, dass er auf dem Weg von Gwalior, wo er jetzt wohnt, in sein Heimatdorf Subashpura ist. Nach kurzem Gespräch lud er uns ein, bei ihm und seiner Familie zu übernachten. Das waren noch etwa 60 Kilometer, das passte ganz gut, also fuhren wir den restlichen Tag mit ihm durch die schöne Gegend. Es war schön, sich mal während des Radelns mit einem Inder zu unterhalten, er erzählte von seiner Familie, seinen Freunden, dem Radfahren, seinen Hobbies, …


Es war endlich mal wieder ein richtig schöner Radeltag, gutes Wetter, ruhige Straße, schöne Landschaft zum Anschauen, Unterhaltung durch Pramod…

Kurz vor Pramods Dorf Subashpura fuhren wir durch die Stadt Mohana, in der er uns frittierte Snacks zeigen wollte. Wir aßen erst süße Teilchen, dann würzige Teigtaschen und dann noch Kartoffelscheiben in gewürztem Teig. Und eine Kuh wollte gerne das Pappschälchen haben, aus dem Karin gegessen hatte. 😉
Pramod kaufte noch Süßigkeiten für seine Familie und wir gingen die letzten Kilometer an. In seinem Dorf angekommen, mussten wir erst seinen Bruder in seinem Elektroladen besuchen, dann fuhren wir am Laden seines Onkels vorbei, wir grüßten noch einige seiner Freunde, schlingerten irgendwie zwischen den Matschrinnsalen hindurch, bis wir vor seinem Haus standen. Dort wohnten, wie in vielen indischen Familien, viele Generationen zusammen. Hier wohnten seine Eltern und sein Bruder mit seiner Frau und den drei Kindern. Es gab ein leeres Zimmer für uns, in dem wir unsere Isomatten und Schlafsäcke ausbreiten konnten. Wir tranken Tee auf der Dachterrasse, schauten uns die Nachbarshäuser an und genossen den Sonnenuntergang.

Dann gingen wir noch eine Runde durchs Dorf und wurden Pramods weiteren Verwandten und Freunden vorgestellt. Viele waren beeindruckt von der langen Reise und dass man sie mit dem Fahrrad machen kann. Wir schauten uns auch einen kleinen Hindu-Tempel an. Auf dem Weg zurück hielten wir noch am Laden von Pramods Verwandten, aßen eine Sesamsüßigkeit und waren schnell wieder umringt von Menschen, die von Pramod, der auf Hindi übersetzte, etwas über uns und unsere Reise erfahren wollten.

Nach noch einem Stopp bei einem anderen Freund gingen wir wieder ins Haus, wo die Frau seines Bruders schon Kartoffelfladen mit Tomatensauce und eingelegten Zitronen für alle vorbereitet hatte. In den Fladen sind oft auf Chilis drin. Da sie bemerkten, dass es Karin zu scharf war, bekam Karin Fladen ohne Chili und noch Zucker gegen die Schärfe 🙂 . Nach dem Essen setzten wir uns noch mit Pramods Eltern ans Feuer im Innenhof, bis wir müde waren und uns schlafen legten. Zum Einschlafen hörten wir heute die Kuhglocken der Kühe, die nebenan wohnten.
Am Montag, den 22. Januar, versuchten wir, mit unserem Wecker um 8 Uhr aufzustehen. Die Familie war natürlich schon wach und brachte uns Tee zum Frühstück. Wir packten die Fahrräder auf und gingen dann erstmal noch mit Pramod zu anderen Freunden und Verwandten, die wir gestern noch nicht getroffen hatten. Wir gingen durch ein etwa 500 Jahre altes Häuschen auf einen kleinen Bauernhof eines Freundes. Dort konnten wir die Kühe und den Gemüsegarten sehen. Sie sagten, alles sei nur für den Eigenbedarf und nichts zum Verkauf. Beeindruckend, wie viel Knoblauch und Chili das für den Eigenbedarf war!!

Dort gingen wir noch aufs Dach und bekamen Tee, Süßigkeiten und Erdnüsse. Weiter ging es zum nächsten Freund von Pramod, bei dem wir auch Tee bekamen, während wir und Pramod von unserer Reise erzählten. Dann trafen wir auf der Straße noch eine Onkel, der gerne unsere Fahrräder sehen wollte. Also holten wir die Fahrräder und machten uns auf den Weg nochmal zum Onkel, nochmal ein paar Selfies und wieder raus aus dem Dorf.

Am Ortsausgang waren natürlich nochmal Freunde von Pramod, einer verkauft frittiertes Essen, also bekamen wir frittierte kleine Teilchen, mit Kartoffeln, anderem Gemüse und Chili zum Probieren. Pramod hatte uns am Anfang gefragt, wie weit wir so am Tag radeln und uns fragend angeschaut, als wir sagten, dass es so um die 70 Kilometer pro Tag sind. Jetzt versuchten wir ihm zu erklären, dass das auch an solchen Situationen liegt und dass man an jeder Ecke Selfies machen soll. Pramod begleitete uns mit seinem Rad noch bis zur nächsten Straßenkreuzung und dann verabschiedeten wir uns von ihm und dankten ihm herzlich für all die schönen Begegnungen und Gespräche.
Wir fuhren weiter durch die Sonne bei angenehmen 20-25 Grad. Pramod hatte uns erzählt, dass heute der Geburtstag des Hindu-Gottes Rama ist und deshalb viele Menschen feiern werden. Wir fuhren wirklich an einigen Feiern vorbei, wir sahen viele orangene Fahnen an Häusern, Autos, Mopeds und an den Straßen. Es gab auch Essen, aber leider genau da, als wir gerade pappsatt von der Mittagspause auf einer kleinen grünen Wiese losgefahren waren.

Kurz danach hielten uns auch mindestens viermal Menschen an, die mit uns Selfies machen wollten. Da der Tag schon mit Selfies angefangen hatte, waren wir schon im Lächel-Modus und strahlen einfach in jede Handy-Kamera, die auf uns gerichtet war. Wir hatten uns für heute eh nicht so viele Kilometer vorgenommen.

Anlässlich des Rama-Geburtstages sahen wir auch zweimal Pyrotechnik, natürlich mitten auf der Straße und Bühnen mit Gesang und Gespräch.
Auch in der Stadt, in der wir heute schlafen wollten, Kolasar, war eine Bühne aufgebaut und es gab viele orangene Fahnen. Als wir dort ankamen, war aber noch nicht so viel los.

Wir fragten im Gurudwara (Singh-Tempel), ob wir dort schlafen durften, konnten hier sogar einfach die Fahrräder mit Gepäck in unser Zimmer schieben und gingen dann nochmal auf die Straße. Dort wurde auch immer wieder Feuerwerk gezündet und viele Läden und Stände machten kleine Öllampen an. Das sah sehr schön aus. Im Laden, wo wir Brot kauften und auch beim Obsthändler wollten noch Menschen mit uns Fotos machen. Dann gingen wir wieder zum Tempel in unser ruhiges Zimmer, Gute Nacht!


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