(78) Republic Day in Indien

Wir hatten keinen Wecker gestellt und so wachten wir am Dienstag, den 23. Januar erst um 9 Uhr auf. Dann aßen wir schnell etwas Brot zum Frühstück und schauten mal aus unserem Zimmer raus. Ein junger Mann brachte uns Tee zum Frühstück und erklärte uns, dass am vorherigen Tag jemand aus der Gemeinde gestorben war und deshalb schon morgens die Menschen zusammen saßen. Es wurde auch gekocht und wir wurden eingeladen, aber wir wollten die Menschen in Ruhe (trauern/ feiern) lassen und losfahren. Karin hatte nach einem Tag Sonne Sonnenbrand und musste wieder etwas langärmeliges anziehen, denn auch heute war wieder schönes frühlingshaftes Wetter.


Wir fuhren wieder an vielen Restaurants am Straßenrand vorbei und wollten heute mal in einem zu Mittag essen. Als wir schon an vielen vorbei gefahren waren, nahmen wir das nächste, das kam. Es war etwas fancy, aber so hofften wir, dass wir davon gesund bleiben würden. Wir suchten leckere Sachen aus und bekamen nach dem Essen einen kleinen Baum geschenkt. Voll lieb, aber nur halbwegs praktisch auf dem Fahrrad.

So konnten wir den Baum transportieren


Nagut, unsere heutige Aufgabe war also: Pflanze einen Baum. Wir hielten also Ausschau nach einem guten Platz für einen Baum, wo er nicht sofort von der nächsten herumlaufenden Kuh gefressen wird. Kurz vor der Stadt Guna, unserem heutigen Ziel, wurden wir fündig.

Ganz sachkundig wurde der kleine Baum gepflanzt, mit dem „Zaun“ beschützt und angewässert


Dann waren wir froh, ein Hotel gefunden zu haben, wo wir ausruhen konnten. Wir nahmen das erste, das wir fanden, und es wurde uns erklärt, das hier heute abend im Hof eine Hochzeit gefeiert wird, aber unser Zimmer geht in die andere Richtung und die Feier sei um 23 Uhr vorbei.

Die Feier war natürlich nicht um 23 Uhr vorbei, zumindest nicht für den DJ; und bei einem offenen Hotelflur war es ganz egal, auf welcher Seite die Party war. Wir schauten immer mal wieder vom Flur raus und sahen, wie das hübsch herausgeputzte Brautpaar auf der geschmückten Bühne stand und mit immer wechselnden Menschen Fotos machte. Naja, wir schliefen dann trotzdem irgendwann ein.

Am Morgen wurde im Hof wieder alles eingepackt und aufgeräumt und wir konnten weiterradeln. Wir fuhren nur einen kleinen Teil durch die Stadt, um einzukaufen und dann schnell auf die Umgehungsstraße, denn in Städten ist Karin hier gerade zu viel los auf den Straßen. Durch die Felder ist es ganz schön zu fahren. Wir sahen und rochen aber viele Knoblauch/Zwiebel- und Korianderfelder, was für die eine oder den anderen dann nicht so lecker war ;-). Die Korianderfelder roch man schon von weitem. Koriander wird hier für die Samen angebaut, die bei vielen Gerichten nicht fehlen dürfen.

Mittags fanden wir wieder ein kleines Restaurant, das uns gefiel und probierten neues indisches Essen. Auch scharf!
Wir wollten abends sehen, ob der Gurudwara auch dort war, wo er auf einer Karte eingezeichnet war, aber dort stand nur ein kleines Türmchen auf einer Wiese. Als wir das sahen, winkten uns junge Männer von der anderen Straßenseite und luden uns zum Hindutempel ein.

Das sind die Nachbarn des Tempels

Wir fragten, ob wir dort irgendwo schlafen können und sie zeigten uns einen kleinen runden Raum mit einem Bett. Wir konnten unsere Fahrräder in den Raum schieben und dann sollten wir uns ausruhen. Einige junge Männer spielten auf der Wiese nebenan Cricket und wir wurden eingeladen, mitzuspielen. Simon wollte es mal ausprobieren, es ist aber nicht sein Spiel…

Sieht es so aus, als würde man beim Cricket viel rumstehen? Nee, das täuscht 😉


Am Abend wurden wir von der Familie, die neben dem Tempel wohnt, zum Abendessen eingeladen. Es gab Spinatgemüse, das gar nicht soo scharf war, Bohnengemüse und noch Tomatenmischgemüse und dazu leckeres frittiertes Brot, von dem wir immer mehr bekamen. Danach durften wir draußen unsere Hände waschen und gingen auch schon in unsere kleine Hütte, wo wir bald gemütlich einschliefen.

Am Donnerstagmorgen packten wir schnell alles wieder zusammen und wurden noch zu Tee zur Familie eingeladen. Als die Familie sich die Fahrräder anschaute, wollte Simon ihnen Sachen erklären, stand dazu auf, blieb aber mit seinem Fuß am Stuhl hängen, stolperte und schüttete seinen Tee über sich und den Boden… Es war aber nicht schlimm, nur etwas lustig. Simon bekam neuen Tee und danach verabschiedeten wir uns von allen, machten natürlich noch Fotos und fuhren los.

Vielen Dank für die Gastfreundschaft und drei Tassen Tee!
Unterwegs sahen wir dieses Fahrzeug und verstanden, warum die Kühe den Höcker haben


Abends kamen wir in Pachore an, wo wir ein Hotel suchten und fanden. Es lag mitten an einer der Hauptkreuzungen des Ortes. Die anderen Hotels waren entweder voll, hatten zu oder waren mit einer Hochzeit belegt. Als wir einchecken, lief an der Rezeption ein Cricket-Spiel im Fernseher. Als Karin da etwas zuschaute, und versuchte, das Spiel zu verstehen, wurde es gleich in unserem Zimmer auch auf dem Fernseher angemacht. Wir lasen dann gleich die Regeln nach, denn man hat ja zwischen den Bowls, nicht Würfen, etwas Zeit…
Wir duschten und suchten uns Essen auf der Straße und dachten, wir könnten trotz des Gehupes auf der Straße schlafen. Aber nein, kurz nach 19 Uhr hörten wir kein Hupen mehr, denn jemand hatte entschieden, mit einem Hydraulikhammer am Bagger direkt unter unserem Fenster vor dem Hotel einen Streifen der Straße aufzureißen. Dann war erstmal nicht an Schlaf zu denken.

Wichtige Arbeiten, die mitten in der Nacht geschehen müssen

Wir dösten und lasen, bis um kurz nach 1 die Arbeit vorbei war und wir endlich schlafen konnten. Wir haben aber auch ein Glück mit der Ruhe bei Nacht!

Freitag waren wir dementsprechend nicht so ganz ausgeschlafen, standen aber trotzdem bei Gehupe in der Stadt auf. Vom Fenster aus sahen wir morgens schon zwei kleine Paraden von Schüler*innen, die den Tag der Republik feierten. Dann fuhren wir los und sahen unterwegs an Schulen, wie Schüler*innen vor der Schule saßen und Tänze aufgeführt wurden. Ansonsten sahen wir nicht so viel vom Tag der Republik in Indien, er scheint hier nicht so groß gefeiert zu werden.

Keine Ahnung, ob diese barfüßigen Pilger nur heute unterwegs sind

Wir fuhren weiter durch Felder, die hier schon deutlich weiter gereift waren als noch vor wenigen Tagen im Norden. Wir sahen auch Frauen, die Raps von Hand geerntet haben.

Und es gab ein paar Zitrusplantagen

Und immer wieder fahren Mopeds ganz langsam an uns vorbei, schauen uns ganz genau an. Manchmal halten sie 50 Meter vor uns am Straßenrand an, sodass wir um sie herumfahren müssen. Und dann fahren sie kurz danach wieder los und überholen uns nochmal. So hatten sie also eine 360-Grad-Sicht auf uns. Manche fuhren auch einige Meter neben uns her und fragten uns meist auf Hindi, wo wir herkommen und wo wir hinfahren.

Manchmal werden wir dabei auch gefilmt… Selbstverständlich ungefragt, Privatsphäre wird hier anders verstanden.


Auch in der Stadt Shajapur, wo wir heute nach einem Schlafplatz suchten, waren gleich zwei Tierärzte von der Tierklinik nebenan interessiert, fragten uns nach unserer Reise und empfahlen uns Sehenswürdigkeiten in der Nähe. Wir fanden ein schönes und trotzdem günstiges Hotel mit Restaurant, wo wir entschieden, zwei Nächte zu bleiben, um unsere Beine mal wieder vom Radeln ausruhen zu lassen

Diesen prächtigen Tempel fanden wir auf dem Weg

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