Am 2.2. ging es in Sendhwa los, nachdem wir im Tempel noch gefrühstückt hatten. Es gab 4-fach gefaltete Chapatis mit Joghurt und in Chili und Tomatensoße eingelegten Mangos (die werden hier „pickles“ genannt).

Nach dem Frühstück warteten wir noch etwas, bis alle Menschen, die vom Tempel versorgt werden, fertig gegessen hatten und der Essensbereich wieder aufgeräumt war, denn das Essen für die Armen wurde im Eingang ausgegeben. Als dann alles aufgeräumt und wir satt waren, ging es endlich los.
Wir kamen gut aus der Stadt raus und fuhren einen Hügel hoch. Oben angekommen, kamen wir an einem Tempel, der uns vorher schon als besonders toll angekündigt wurde, vorbei. Um danach eine richtige 200 Höhenmeter Abfahrt anzugehen. Leider machen die hier auf ihren Highways meeeega heftige Huckel auf die Straße, wenn es bergab geht oder eine “gefährliche” Einfahrt kommt.

An diesen Huckeln sahen wir einmal einen verunfallten Jeep und ein wenig später sahen wir einen LKW, der dort (gleiche Position auf der Straße) einen Unfall hatte. Beide waren vorne leicht eingedrückt und wir fragten uns, wo sie dagegen gefahren sein könnten, da war einfach NICHTS außer dem Bordstein vom Mittelstreifen. Naja, wie überall auf der Autobahn bildet sich ein Stau, wenn nicht alle Spuren frei sind und mit der indischen Fahrweise war es auch für uns nicht soo leicht, einfach mal an den anderen vorbei zu rollen. Die Abfahrt war also eher nervig und wir waren froh, als es endlich ohne Huckel in der Ebene weiterging.
Wir machten Mittagspause an einem Parkplatz, wo gerade ein Sondertransport von Rotorblättern auf die Genehmigung zum Weiterfahren wartete.

Den Rest des Tages arbeiteten wir uns von Hügel zu Hügel und waren froh, als wir Shivpur erreichten.

Die Stadt sah für uns ziemlich nett und in guter Weise belebt aus. Es gab einige moderne Bauten und viele kleine Restaurants/ Fast Food Läden. Es sah aus, wie eine Studistadt für uns. Wir fuhren ein Hotel an, das wir uns ausgeguckt hatten und es gab ein gutes Zimmer für uns. Abends gingen wir nochmal raus und aßen Pizza, also eine indische Variante von Pizza. Zurück im Hotel ging es ab ins Bett, wir mussten uns schließlich ordentlich erholen.
Am Samstag fuhren wir ohne Frühstück los, sondern frühstückten nach einigen Kilometern auf einer kleinen „Insel“ im Grünen mit Wassergeplätscher an einem einspurigen Feldweg und ganz in Ruhe 🙂

Uns wurde empfohlen, dass in Dhule ein toller Gurudwara sein soll, der zum Glück direkt an der Straße liegt, die wir durch Dhule nehmen wollen. Also fuhren wir mit leichtem Gegenwind, der uns wenigstens bei den warmen Temperaturen etwas kühlte.


Für die Mittagspause fanden wir eine Halle ohne Wände, in der Mais getrocknet wurde und wir uns zum Mittagessen Nudeln mit Möhren und roter Beete kochten, die wir am Tag davor von den Männern der Sondertransportkolonne geschenkt bekommen hatten. Irgendwie wurde alles leichter nach der Pause und wir kamen verschwitzt aber zufrieden beim Gurudwara in Dhule an.

Wir bekamen ein tolles Zimmer im hinteren Teil vom Tempel. Wir durften uns etwas ausruhen und dann wurde uns von der Tochter hier der Tempel gezeigt. Für das Abendessen wurden wir mit einem Ausflug überrascht. Wir fuhren mit der Tempelleitung und einem Teil der Familie zu einer “Aussenstelle” im dem Teil der Stadt, wo die meisten Singh leben. Da nahmen wir dann am “Gottesdienst” teil und danach gab es sehr leckeres Essen für alle ca. 50 Menschen, die da waren. Dann fuhren wir im Auto zurück und unterwegs bekamen wir noch fancy Limonade aus einer Getränkedose, die aus Plastik war.
Wie immer machten wir noch ein paar Bilder, wurden noch eingeladen, noch etwas Zeit im Zimmer von den Menschen die dort leben zu verbringen, und dann ging es ab ins Bett.

Für uns begann der Sonntag mit langem Warten aufs Frühstück, weil irgendwelche netten Menschen aus der Gemeinde darauf bestanden, das Essen für uns zu kochen. Sie wohnten auch im Punjab-Ortsteil und beteten vorher noch, also blieb uns nichts anderes übrig, als zu warten. Aus dem “Um spätestens halb 9 Uhr gibt es Frühstück“ wurde dann halt 10 Uhr. Los kamen wir also erst um halb 11 und da war es dann schon wieder über 30 Grad im Schatten. Naja, wir müssen einfach lernen, entspannter damit umzugehen, dass wir immer sofort alles machen sollen und dauernd irgendwer sofort was von uns will. Und wir den Stolz der Leute nicht verletzen wollen und dann halt auch die Ewigkeit warten müssen, bis das sie selbst Betreffende jetzt mal eintritt. In unserem Inneren brodelt es da etwas, wir sollten ggf. konsequenter werden und die Zeiten dann typisch deutsch durchsetzen oder halt losfahren. Oder Tiefenentspannung lernen und uns nicht von den Menschen und ihrem Verhalten, sei es im Verkehr oder halt auch sonst, nicht unsere Laune verderben lassen. Man kann aber festhalten, dass wir aktuell immer wieder ordentlich genervt sind von den Menschen hier. Auf der einen Seite sind sie mega freundlich, auf der anderen aber fast konsequent auf sich selbst bezogen. Wir leben einfach etwas andere Werte und würden mit vielem anders umgehen. Aber hey, auch um sich das zu verinnerlichen und daran zu reifen, reisen wir.
Bevor wir dann starten konnten, bestand die Familie, die den Gurudwara leitete, darauf, in der nächsten Stadt anzurufen und für uns ein Zimmer zu organisieren, wir lehnten das ab, aber sie machten es irgendwie trotzdem einfach. Die Singh in der nächsten Stadt meinten, dass es passt und wir bekamen eine Position auf der Karte gezeigt, zu der wir fahren sollen. Leider ist das mitten in einer größeren Stadt und wir versuchen ja meist, so gut wie möglich, große Städte zu vermeiden. Irgendwie ist das mal wieder über uns hinweg passiert, aber ok, jetzt leben wir damit und versuchen, entspannt weiterzuradeln.
Wir fuhren also und versuchten, nicht jeden Kraftfahrzeugführenden anzumotzen, der schlecht fuhr, aber es sollte noch schlimmer werden. Die Landschaft war nicht spannend und wir waren auch nicht in der Stimmung, Bilder zu machen. Wir wollten/sollten nach Malegaon, verpassten aber wohl die richtige Einfahrt in diese Stadt, sodass wir einen großen Umweg fahren mussten, um in die Stadt zu fahren.


Inzwischen fragen die meisten Menschen nicht mehr als erstes “Country?”, sondern „Wohin fahrt ihr?”, und als wir einem sagten, dass wir in Richtung Mumbai fahren, sprach es sich zwischen all den Fahrern um uns herum herum, und alle wollten uns erklären, dass wir ja jetzt in die falsche Richtung fuhren. Wir wussten das, weil wir ja die falsche Einfahrt genommen hatten, aber jetzt ja zu den Menschen in die Stadt fahren “mussten”. Damit nervten die Menschen uns dann doppelt, die uns in voller Fahrt, die Straße verstopfend, nicht mehr auf den restlichen Verkehr achtend und immer wieder vor uns anhaltend, ja nur helfen wollten.


Endlich fanden wir dann zu der Adresse, die wir bekommen hatten, hier war aber nur ein kleiner Tempel, der aus einem Raum bestand, wo Frauen gerade dabei waren, zu beten. Eine Frau die daneben wohnte, erklärte uns, dass wir zu einer anderen Adresse mussten, die sie aber gerade nicht wusste. Erstmal servierte die Familie uns Samosas und Kaffee, und dann sollten wir dem Sohn auf dem Roller zum Vater der Familie in seinem Herrenmodeladen folgen, denn er weiß die Adresse.
Es ist nicht wirklich einfacher, durch diese volle Stadt, die nach Ferierabend noch voller wird, einem indischen Rollerfahrer zu folgen!

Vom Herrenmodeladen aus sollten wir einem Mitarbeiter folgen, der wusste, wo der Gurudwara war, zu dem wir wirklich (?) sollten. Der Gurudwara war wirklich schön, hatte aber auch keine Zimmer und wir sollten auf “Harry” warten, der uns weiterhelfen würde. Während wir warteten, hatten wir zwei wirklich nette Gespräche mit drei jungen Mädels, die richtig gut Englisch sprachen. Wir machten natürlich auch Selfies mit ihnen. Dann kam Harry, der uns erklärte, dass wir hier nicht schlafen können, aber sein Cousin besitzt ein Hotel, wo er gleich nach dem Anruf aus Dhule einen Raum für uns organisiert hatte. Dieses Hotel lag ca. 4 Kilometer außerhalb der Stadt, ZUM GLÜCK in die richtige Richtung, sodass wir am nächsten Tag nicht nochmal durch diese Stadt mussten.
Es wurde langsam dunkel, wir folgten Harry zum Hotel. Harry war etwas erstaunt, wie viele Menschen uns ansprachen und nach Ziel, Herkunft und Selfies fragten. Wir merkten auch, dass es jetzt nach Feierabend wohl mehr wurden, und wir waren froh, dass wir sonst abends nicht mehr Radfahren.

Das Hotel liegt etwas außerhalb der Stadt und ist, wie viele Hotels, auch ein Veranstaltungsraum für Hochzeiten, Geburtstage und Anderes. Heute war eine Verlobungsparty und es waren viele festlich angezogene Menschen da, die auf dem dekorierten Gelände Fotos machten. Wir bekamen ein schönes Zimmer, duschten und durften sogar noch auf seine Kosten Abendessen. Wir suchten uns heute echt leckere Gerichte aus: Paneer Korma und veg Biryani Rice. So waren wir abends doch noch ziemlich zufrieden, auch wenn der Tag bisher wohl der anstrengendste für uns war.

Harry wollte uns am Morgen des 5.2. noch verabschieden, also riefen wir ihn um 8 Uhr an, als wir startbereit waren. Er meinte, er komme gleich vorbei. Um kurz nach 9 war er dann auch da und wir schon einige Seiten im Buch weiter… Harry gab uns noch Wasser, Saft und die Nummer und Adresse von Verwandten von ihm in einer Stadt, die 40 Kilometer entfernt ist. Er meinte, die Verwandten organisieren dort eine Übernachtung für uns. Naja, wir hatten zwar nicht danach gefragt und fahren auch eigentlich mehr als 40 Kilometer, aber wir wurden ja auch nicht gefragt…
Wir fuhren an ziemlich vielen voll beladenen Zwiebeltransportern vorbei. Da es schon wieder mindestens 30 Grad im Schatten hatte, die Pos von 8 Tagen ohne Pause wehtat, es bergauf ging, und wir ja quasi wieder wussten, wo wir schlafen werden, gönnten wir uns eine richtig lange Mittagspause im Schatten, das war ziemlich gut!


Am Ortseingang von Mangrul, unserem heutigen “Ziel”, kauften wir an einem kleinen Kiosk noch Wasser und Limo. In Indien sind auf die meisten Produkte die Preise aufgedruckt, sodass wir eigentlich immer genau wissen, wie viel wir bezahlen müssen. Und weil wir schon eine Weile im Land sind, haben wir die anderen Preise auch gelernt. Deswegen wissen wir auch genau, welche/r Verkäufer/in uns verarscht oder es zumindest versucht. Dieser Verkäufer also konnte wohl besonders gut rechnen und verlangte mehr, als die Getränke kosteten, aber wir hatten keine Lust darauf. Wir fragen ihn, warum er, nur weil wir nicht indisch aussehen, versucht, uns über den Tisch zu ziehen und ob er das mit den Inder/innen auch versucht. Erst tat er so, als würde er nichts verstehen, aber dann entschuldigte er sich. Wir wollten fast die Getränke stehen lassen, da er uns dann aber den richtigen Preis sagte, kauften wir sie und fuhren weiter.

Dann kamen wir auch schon bei der Adresse an, die uns Harry gezeigt hatte. Es war eine Autowerkstatt mit einem Wohnhaus darüber, wo wir hinein eingeladen wurden. Wieder mal sprach die Tochter des Hauses gutes Englisch und wir unterhielten uns mit ihr. Die Familie wollte uns gerne kennenlernen und hatte Sandwiches und Bananenmilch für uns vorbereitet. Dann wollten wir uns gerne noch den Gurudwara anschauen und fuhren mit den Fahrrädern voraus, der Vater und die Tochter wollten dann nachkommen. Im Gurudwara schauten wir uns den Gebetsraum an, bekamen Tee und durften uns noch den im Bau befindlichen neuen Gurudwara anschauen und uns wurde alles gezeigt.

Wenn wir das nächste Mal hier sind, können wir hier schlafen. Aber da es in diesem Gurudwara noch keine Schlafzimmer gibt, wurden wir zu einem Hotel geführt, das auch am Highway lag und wir sprachen mit dem Besitzer des dazugehörigen Restaurants. Wir suchten uns ein kleines Zimmer aus, duschten und gingen hinunter zum Abendessen. Der Besitzer des Restaurants frag, was (oder vor allem, wie scharf) wir gerne essen wollen und suchte uns dann zwei leckere Gerichte aus. Wir bekamen sogar Nachtisch! Dann verabredeten wir uns noch auf 8 Uhr fürs Frühstück und gingen schlafen.
Am Dienstag, den 6. Februar packten wir also um 8 Uhr alles an unsere Fahrräder und bekamen pünktlich ein reichhaltiges Frühstück mit Reisküchlein (Idli), frittierten, salzigen Linsendonuts (Vada) und mit Kartoffeln gefüllte Reiscrêpes (Dosa) mit Sauce und Kokoschutney. Und noch ein Chai. So konnten wir wirklich gut gestärkt in den Tag starten und tatsächlich lief es heute richtig gut bei uns! Es war noch kühl, also ca. 25 Grad Celsius, wir waren ja auch früh, also um 9 Uhr losgekommen, es war noch nicht so viel los auf der Straße und es ging auch noch leicht bergab. So vergingen die ersten 20 Kilometer wie im Flug. Unser heutiges Ziel, die etwas größere Stadt Nashik, war gar nicht mehr so weit entfernt, also konnten wir wieder eine entspannte Mittagspause machen.

Hier ist wohl das größte Weinanbaugebiet Indiens, wir sehen viele Weinreben und Stände, an denen Weintrauben verkauft werden


Wir kamen also trotzdem ziemlich früh in Nashik an und konnten uns ein schönes Hotel suchen, in dem wir erst mal ein paar Tage ausruh(t)en.

Finde die deutschen Fahrzeuge 😉


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