(81) Radeln unter Palmen

Die Zeit in Nashik war sehr ruhig, entspannend und gut, um wieder Kraft zu tanken. Wir trafen einen deutschen Rucksackreisenden, mit dem wir immer wieder etwas Essen gingen. Am Sonntag, den 11.2.24 frühstückten wir das letzte mal das leckere, etwas scharfe und inklusive Frühstück mit leckerem all-you-can-drink-Chai. Wir waren nach fünf Nächten im Hotel wieder ziemlich ausgeruht und bereit für die Fahrräder. Wir kamen heute früh los und die ersten 20 Kilometer vergingen schnell.

Mitten in Nashik bekamen die Ziegen die Gemüsereste vom Stand nebenan
Unterwegs kauften wir Obst zur Stärkung


Nach 46 geradelten Kilometern machten wir Mittagspause zwischen abgeernteten Reisfeldern und konnten die Pause bei 30 Grad im Schatten genießen. Die Verkehrsteilnehmenden fuhren heute größtenteils gut und auch wir hatten gute Laune und genossen das Radeln durch die Sonne mit dem Fahrtwind. Am Nachmittag hielten wir an einem Restaurant/Shop, um kaltes Wasser zu kaufen, da hielt dort auch gerade ein Fernbus. Ein alter Schwede, der selbst gerne Radreisen macht, nun aber als Backpacker unterwegs nach Australien ist, sprach eine Weile mit uns. Er meinte, den Verkehr in Indien sieht er schon als Herausforderung als Radreisender.

Naja, immer mal wieder begegnet einem die ein oder andere Herausforderung


Heute ging es sehr viel bergab, die Sonne schien, aber beim Bergab-Fahrtwind merkt man gar nicht, dass sie doch ganz schön stark war… Wir fuhren heute um die 300 Höhenmeter runter.

Diese beiden saßen am Aussichtspunkt, bevor es runtergeht
Und Simon freute sich auch auf die Abfahrt
Und dann ging’s bergab!


Abends versuchten wir, ein Hotelzimmer an der Straße zu finden, aber drei Hotels lehnten uns ab. Dann versuchten wir, einen Zeltplatz zu finden, wir hatten einen schönen Platz in einer ruhigen Mangoplantage gefunden, aber ein Mopedfahrer verfolgte uns, um uns zu sagen, dass wir hier nicht zelten könnten, weil es hier Hunde  und Leoparden gäbe. Wir sagten, dass das kein Problem für uns ist und die eh nicht näher kommen, so viel Lärm wie hier überall ist, aber er wartete, bis wir wieder wegfuhren. Da wir schon auf dem Weg zu einer “Agrifarm” ecolodge waren, und wir keine Lust hatten, umzudrehen, fuhren wir auf einem Schotterweg bis zur besagten Mangofarm mit Häuschen und nahmen das günstigste Zimmer, Frühstück ist dabei, jei! Abends machten wir noch einen Spaziergang durchs Gelände, leider konnten wir die ganzen verschiedenen beschrifteten Pflanzen nicht sehen, weil es schon dunkel war. Dann gingen wir wieder zurück in unser Zimmer und gingen schlafen.

Am Morgen konnten wir noch einige der Schilder mit Erklärungen sehen

Wir frühstückten als die einzigen im Frühstücksraum und bekamen sogar nicht-scharfes Omelett und eine Art salzigen Griesbrei mit Gemüse (Upma) und dazu Brot. Dann machten wir noch ein Abschiedsfoto und dann fuhren wir den holprigen Weg zurück auf die Hauptstraße.

Hier geht es wieder zurück zur Hauptstraße und auf in einen neuen Tag!

Ein paar Kilometer weiter sahen wir ein Hotel mit Wasserrutschenparadies, dies hatte aber geschlossen. Sonst hätten wir uns vielleicht geärgert. So fuhren wir heute wieder guter Laune mit Hörbuch die Straße entlang. Auch heute ging es vor allem bergab, nicht steil und immer wieder auch bergauf, aber im Großen und Ganzen bergab, was uns sehr freute.
Mittags fanden wir eine Mischung aus Restaurant und Schnellimbiss, wo es viele leckere Sachen gab, die wir inzwischen kennen. Wir aßen Dosa und Uttapam, sehr lecker!
Es ging immer näher an Mumbai dran. Wir hatten aber beschlossen, nicht nach Mumbai hineinzufahren, sondern so gut wie möglich um die Stadt herumzufahren. Der Verkehr und die Besiedlung wurde trotzdem immer dichter und auf den Straßen wurde es chaotischer.

Möwen! Wir sind also nicht weit weg vom Meer!

Wir fanden aber trotzdem relativ friedlich den Weg zum Gurudwara, den wir heute besuchen wollten. Er befindet sich im Innenhof mitten zwischen drei Hochhäusern, ist aber wieder mal ein sehr schöner und friedlicher Ort. Wir bekommen leckeren Chai und ein Abstellzimmer mit einem Bett und sind heute ziemlich müde, so dass wir nur kurz durch die Straßen um den Tempel herum laufen und uns sonst erstmal etwas ausruhen. Dann kommen nach dem Abendgebet ein paar Frauen zu uns, die erst Fotos mit uns machen und uns dann mithilfe der Kinder als Übersetzer*innen zu sich nach Hause (im Gebäude nebenan) zum Abendessen einladen. Wir wissen nicht recht, was für uns geplant ist, nehmen also an und dürfen im Wohnzimmer einer Familie Chapati, Reis, Gemüse und Linsen essen. Und zum Nachtisch gibt es süße Fadennudeln mit Mandeln. Dann kommen noch anderen Frauen vorbei, wir reden noch ein bisschen, machen Fotos, werden zum Frühstück eingeladen und entschuldigen uns, dass wir müde sind und schlafen gehen. Im Tempel treffen wir noch die Familie, die dort wohnt, bedanken uns nochmal, dass wir hier schlafen können und sagen, dass die Stimmung im Gurudwara hier sehr freundlich und friedlich ist.

Am Dienstag haben wir uns den Wecker früh gestellt, denn wir wollten um sieben frühstücken, um uns um 8 Uhr auf den Weg aus dem Großraum Mumbai zu machen. In der ersten Straße, die wir nahmen, war tatsächlich noch nicht viel motorisierter Verkehr, aber die Fußgänger*innen liefen überall auf der Straße. Wohin wurde uns auch klar, denn an der Kreuzung auf die größere Straße standen viele Menschen, die auf einen Bus oder eine Rikscha warteten. Und natürlich, wie an vielen anderen Kreuzungen auch, gibt es Chaos, wenn ein Bus oder eine Rikscha anhält. Die Menschen laufen, ohne auf den Verkehr zu schauen, zum Bus. Die Rikschas halten andauernd an Kreuzungen an, auch wenn sie nur ahnen, dass sie dort jemanden mitnehmen könnten und den Mitfahrenden fällt manchmal auch sehr spontan ein, wann sie aussteigen wollen. Wir kamen also irgendwie heile auf die große Straße, hier war aber doch ziemlich was los.

Ist es nicht ein Traum, hier ganz nah an Mumbai zu wohnen?

Zum Glück war es noch halbwegs kühl und wir kamen gut voran. Hin und wieder gab es an großen Kreuzungen mit und ohne Ampeln Stau und alle drängelten sich aneinander vorbei, aber wir ließen uns nicht aus der Ruhe bringen und fuhren entspannt hinterher.

Und alle warten geduldig…

Trotzdem waren wir sehr froh, als die Hochhäuser langsam den Bäumen und Palmen wichen. Wir machten eine Pause unter Palmen, einfach nur, um das Grün zu genießen.

Dann fuhren wir durch ein Naturschutzgebiet, wo wir viele Affen am Straßenrand und ein Fort auf diesem Berg sahen.

Zu Mittag suchten wir uns ein Restaurant, oder, wie es hier heißt: „Hotel“ aus. Denn wenn man schlafen möchte, muss man nach „rooms“ Ausschau halten, nicht nach „Hotel“…

Juhu, wir fahren an so vielen Palmen vorbei!

Langsam wurde es doch ziemlich warm, aber wir fuhren trotzdem ganz happy noch einige Kilometer und suchten uns ein Hotel mit rooms, wo wir duschen und unterm Ventilator ruhen und den Ausblick auf noch mehr Palmen genießen konnten

Eine Antwort zu „(81) Radeln unter Palmen”.

  1. Avatar von Ich, wer sonst?
    Ich, wer sonst?

    Wow! Diese Landschaft und von den Affen bin ich ja sowieso Fänin! Wahnsinn, dass ihr es dorthin mit dem Fahrrad geschafft habt!

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