Am Mittwoch, den 14.2.24 klingelte der Wecker um halb sieben, aber weil es noch dunkel war, standen wir erst um sieben auf, frühstückten und fuhren auf dem Highway direkt vor der Tür weiter. Wir hatten gut geschlafen, unser Zimmer hatte Fenster nach hinten, mit Ausblick auf Palmen, Berge und die Zugstrecke, an der wir gerade immer wieder entlang fahren.
Der Highway heute hat seinen Namen nicht verdient.
Schon nach kurzer Zeit wurde der Verkehr in beide Richtungen auf einen Fahrstreifen geleitet, dort gab es ungefähr 2 Spuren, das ist hier ja relativ. Vor allem, wenn Mopeds und Fahrräder unterwegs sind…





So ging es heute also von Baustelle zu Baustelle, so richtig in den Radfahr-Flow kamen wir nicht, das größte zusammenhängende Stück fertige Straße war ca. 10 Kilometer lang…
Wenn wir mal nicht auf die Straße achten müssen, sehen wir heute wieder einige Palmen, aber auch Reisfelder und teilweise auch brennende Felder, das wird hier oft nach dem Abernten gemacht. Den genauen Grund und ob das schlau ist, wollen wir noch herausfinden.


Am Ende des Tages biegen wir vom Highway ab auf kleinere Straßen, um an die Küste zu kommen. Dort sollen die Straßen zwar auch nicht so gut sein, aber wenigstens nennen sie sich nicht Highway! Wir trauen uns immer noch nicht zu zelten und finden ein Zimmer in einem kleinen Hotel in Goregaon, wo wir uns über die Dusche freuen und den ganzen Straßenstaub abwaschen können. Als wir im dazugehörigen Restaurant zu Abend essen, sitzen zwei junge Männer an einem anderen Tisch und schauen in der Gegend rum. Als wir fertig mit Essen sind, fragen sie uns – nach einem Selfie… Na klaro, frisch geduscht und gestärkt machen wir das doch gerne. Dann geht es schlafen.
Am Donnerstag klingelt der Wecker wieder früh, wir frühstücken Brot im Zimmer und radeln schon ab acht Uhr durch das noch kühle Indien. Heute waren die Aussichten ziemlich unterschiedlich, aber meistens ziemlich grün. Direkt am Morgen ging es erstmal 250 Höhenmeter hinauf, auch bei nur 20 Grad Celsius waren wir völlig durchgeschwitzt, daher gibt nur ein Bild vom Ausblick 😉

Dann konnten wir hinabsausen, denn es gab hier zum Glück wenig Verkehr und keine Geschwindigkeitsbegrenzungshuckel.

Als wir diesen Berg weder runtergerollt waren, tranken wir einen Chai als zweites Frühstück in einem kleinen Restaurant und fuhren frisch gestärkt weiter durch grüne Landschaften. Auf der kleinen Straße fuhren wir viel mehr im Schatten der Bäume, was uns gut gefiel, weil es nicht ganz so heiß war. Im Laufe des Tages merkten wir immer mehr den Temperaturunterschied von Schatten zur prallen Sonne. Sogar bergab war der Fahrtwind auf dem sonnenbeschienenen Asphalt wie die Hitze aus dem Backofen, während es im Schatten der Bäume angenehm kühl war.
Einmal hielt uns ein Milch-LKW-Fahrer an, um ein Foto mit uns zu machen. Da hielt noch ein Moped an und ein Englischlehrer sprach uns an. Als wir sagten, dass wir reisen, um die Welt, die Menschen und die Kulturen zu sehen, sagte er, dass Inder*innen nicht reisen, wenn es nicht für Geld ist. Er fragte uns, was für Unterschiede zwischen Deutschen und Indern uns aufgefallen seien, aber er ließ uns nicht wirklich ausreden. Er sagte, er würde auch gerne mal nach Deutschland reisen. Und dann sagte er: „You know, Hitler is my favorite, … because of his attitude“. Wir wussten leider nicht so wirklich, was wir darauf sagen sollten, denn wir waren darauf nicht eingestellt. Er hatte auch schnell wieder das Thema gewechselt und kurz darauf war er auch schon davon gefahren… So ’n Mist, aber hier das Bild vom schönen Milch-LKW:






Das war also der Vorgeschmack auf die Straße an der Küste entlang, wir kommen abends nach viel Auf und Ab in Dapoli an, bevor es morgen an die Küste geht!
Von Dapoli ging es am Freitagvormittag dann los in Richtung indischer Ozean!

Seit dem letzten Tag im Iran, also dem 20.12.23 waren wir nicht mehr am Meer, und jetzt sehen wir es für ein paar Tage erstmal täglich!
Heute führt uns die Straße immer wieder bergauf und bergab. Oben sind meist Ebenen mit trockenen Reisfeldern oder Mangoplantagen, dann geht es wieder runter, meist mithilfe einer Brücke über einen Fluss. Am Fluss liegen oft Dörfer und darum Kokos- und andere Palmen. Es ist wenig Verkehr, immer wieder fährt ein Transporter, der nach Fisch riecht, vorbei. Und selbstverständlich immer wieder Mopeds.












Hier haben wir abends einen schönen Zeltplatz gefunden. Es liefen noch vier Menschen vorbei, die uns nur nett grüßten. So fühlten wir uns also am richtigen Ort 🙂
Am Samstagmorgen wachten wir endlich mal wieder bei Vogelgezwitscher auf. Karin konnte zwar nicht so gut schlafen, freute sich aber trotzdem über den Sonnenaufgang und die Vögel am Zelt. Zum Frühstück besuchte uns auch dieses nette Paar.

Da wir oben gezeltet hatten, konten wir die ersten Kilometer erstmal rollen lassen. Dann ging es aber doch dreimal hoch und wieder runter, bis wir bei der Fähre waren, die uns heute über den nächsten Fluss brachte. Direkt neben dem Fähranleger sahen wir Reiher, die wie Plastikflamingos aufgestellt schienn. Dann sahen wir den Grund. Frauen putzen Fisch und warfen immer wieder ein paar unverwertbare Stücke auf die Straße und der schnellste Reiher hatte Glück.

Auch heute ging es…





am indischen Ozean entlang in Richtung Süden. Und dann sahen wir plötzlich zwei Fahrräder am Straßenrand stehen und trafen Lilly und Aire aus Indien/Italien, die auf dem Weg von Südindien (Tamil Nadu) nach Italien sind. Da wir in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind, konnten wir uns gegenseitig Tipps zur Route geben und ein bisschen übers Radreisen reden. Die beiden sind ja quasi noch am Anfang ihrer Tour und wir schon mittendrin!

Am Abend kamen wir in Ratnagiri an, und weil wir uns nach einer Dusche, einem Ventilator und gewaschenen Klamotten sehnten, suchten wir uns wieder mal ein günstiges und nettes Hotel mitten im Ort. Beim Abendessen hörten und sahen wir eine Art Umzug mit einem lauten Keyboard, einem Schlagzeug und Trommeln und dahinter einer Statue des Elefantengottes Ganesha, der auf einem großen Transporter durch die engen Gassen fuhr. Noch beim Einschlafen konnten wir der Musik lauschen.


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