Am Montag schliefen wir etwas länger, denn wir treffen uns in ein paar Tagen mit anderen Radreisenden und haben dafür noch genügend Zeit. Als wir all unsere Taschen in der Lobby stehen hatten, wurden wir gefragt, ob wir für 2 Euro pro Person Frühstück vom Buffet wollen. Da uns das einfacher schien, als sonstwo ungestört zu frühstücken, nahmen wir das Angebot an und bekamen Tee, Upma, Chapati, Kartoffeln, kleine Sandwiches, gekochte Eier, Milchreis und Cornflakes. Upma und Kartoffeln waren natürlich scharf gewürzt, aber alles ziemlich gut. Voll gefuttert konnten wir also starten in unseren ersten richtigen Radeltag im Norden nach der Zugfahrt. Wir fuhren erstmal wieder auf den Highway, wo wir heute mal wieder über viele flyovers fuhren und uns so die Dörfer drumherum von oben betrachten konnten.

Überall hupt es um uns herum, vor allem in und um Städte, aber auch so wird die Hupe hier einfach viel genutzt. Wir merken, dass die Leute uns wieder mehr anstarren als im Süden. Wir werden auch wieder während des Fahrens angesprochen, wie immer die Fragen nach unserer Herkunft und unserem Ziel… Auf einem Flyover irgendwo stach Karin einfach so eine Biene in die Wade… Wie kam die denn dahin? Zum Mittagessen fanden wir ein ziemlich großes Restaurant am Highway und aßen seit Langem mal wieder Dosa, also indische Crêpes. Danach beschlossen wir, in der nächsten Stadt nach einem Hotel zu suchen. Simon war erkältungstechnisch noch nicht ganz auf der Höhe und Karin hatte teilweise Bauchweh. Also hilft ausruhen bestimmt! Wir fuhren in die Stadt Hapur, in dieser Stadt versuchen irgendwie viele Menschen, möglichst dumm zu fahren und dabei möglichst viel zu hupen. Wir fanden schnell ein Hotel und versuchten, das Hupen, das man durch die Fenster hörte, zu überhören.

Am Dienstag beschließen wir, hier noch einen Tag zu bleiben. Wir gehen nur kurz raus, um Medikamente und Essen zu kaufen und genießen ansonsten mal wieder einen Tag ohne indischen Straßenverkehr im Hotelzimmer.
Am Mittwoch ging es wieder raus auf die Straße. Da Simon noch nicht ganz fit war, wollten wir nur ca. 50 Kilometer weit fahren. Den indischen Straßenverkehr haben wir ja schon genügend beschrieben, so war es heute auch wieder. Laut, stinkend, viel Gegenverkehr, komisches Fahrverhalten. Nunja, das wichtigste dabei ist, dass wir es bald geschafft haben. Nach wenigen Kilometern machten wir eine Teepause, das hilft der Laune meistens auch ein bisschen. Weiter ging es in Richtung Nordost und nach ca. 20 Kilometern überquerten wir den Ganges. Dort waren ein paar besonders gläubige Menschen, die scheinbar auf der Brücke campierten oder in der näheren Umgebung lebten.

Uns wurde mal erzählt, dass diese Menschen eine Art Gelübde ablegen und für mehrere Jahre auf spiritueller Reise sind, in dieser Zeit leben sie von dem, was ihnen gegeben wird und aufs Duschen oder Waschen wird großteils verzichtet. Es wäre interessant, mehr von ihnen zu erfahren. Da es jedoch annähernd immer eine Sprachbarriere gibt und wir sicherlich für jeden Versuch von Konversation bezahlen müssten, fahren wir einfach weiter. Zudem ist es ja auch einfach zu laut und zu gefährlich, auf einer Hauptstraße anzuhalten. Wir waren froh, als wir die Brücke überquert hatten und kurz darauf ein Restaurant für eine Pause fanden. Wir aßen leckeres Naan und tranken eine Limonade, erholten uns kurz von der andauernden Reizüberflutung und dann ging es wieder auf die Straße. Wir wollten schnell die letzten 10 Kilometer hinter uns bringen. Wir fanden zum Glück schnell ein Gästehaus mit passenden Konditionen und super netten Inhabern. Wir brachten alles in unser Zimmer und machten erstmal Mittagsschlaf. Abends ging es dann nochmal raus, wir kauften etwas Obst und ein paar Snacks zum Abendessen, aßen etwas und dann ging es zurück ins Zimmer und ab ins Bett.
Gut erholt wollten wir am Donnerstag trotzdem wieder eine eher kurze Etappe fahren. Etwas zwischen 50 und 60 Kilometern, bis nach Moradabad, einer Stadt mit knapp einer Million Einwohnenden. Dort schien es ein umfangreiches Angebot an Hotels zu geben. Wir fuhren also wieder auf unsere Hauptstraße zurück und folgten ihr für die gut 50 Kilometer. Nach ca. 30 Kilometern fingen wir an, nach einem Restaurant für das Mittagessen zu suchen. Leider kam auf den nächsten 10 Kilometern nichts, das so aussah als würde es dort wenigstens fließend Wasser geben (was wir als Indiz für die Chance auf etwas bessere Hygiene nutzen) und so fanden wir am Ortseingang von Moradabad einen schattigen Platz, um dort selbst zu kochen und dort unsere Mittagspause zu verbringen. Nach der Pause mussten wir also nur noch in die Stadt rein. Das “nur noch” war eigentlich auch einfach, es ging immer weiter die Hauptstraßen entlang, dann einmal rechts und einmal links und schon sollten wir in der Innenstadt bei den ganzen Hotels sein.
Leider war dann alles außer der Route nicht ganz so einfach. Ein großer Teil der Hauptstraße ist viel zu klein für die Menge an Fahrzeugen, befindet sich noch im Bau oder es werden 2 von 3 Fahrspuren zum Halten oder Parken genutzt. Dazu noch die indische Fahrweise und der Lärm, also waren wir dann abends doch wieder ordentlich kaputt. Es war einfach ein klassischer Tag in Nordindien: laut, manchmal staubig, hin und wieder Missverständnisse, wenn wir mit Einheimischen kommunizieren und besonders durch den schrecklichen Verkehr sehr anstrengend.

Die meisten Hotels liegen hier in der Haupt-Shoppingstraße, also dort, wo am meisten los ist. Hier müssen natürlich alle fahren, laufen und stehen. Und als ob das nicht genug wäre, war diese Straße noch komplette Baustelle.

Das Hotel, das wir fanden, war jedoch gut und wir konnten uns als positiven Abschluss des Tages noch einen Tee aufs Zimmer bringen lassen.
Am Freitagmorgen wussten wir, wenn wir aus dem Hotel rausgehen, stehen wir wieder mitten in der Baustelle. Zum Glück ist aber morgens meist noch nicht so viel los. Naja, auf manchen Straßen. Auf der größeren Straße war natürlich schon wieder einiges los und wir waren irgendwo dazwischen.

Als wir aus der Stadt raus waren, wurde es nicht wirklich ruhiger, denn wir fuhren über eine ziemlich löchrige Straße, die teilweise noch in Bau war, teilweise einfach voller Schlaglöcher und zwischendrin mal kurz gut. Wie praktisch, dass hier, mehr als sonst eh schon, zwei Fahrzeuge NIE die gleiche Geschwindigkeit haben oder haben wollen. Sobald ein Fahrzeug vor einem ist, MUSS man überholen. Ja, und da ist es einem auch egal, ob einem etwas entgegenkommt, denn das entgegenkommende Fahrzeug kann ja bremsen.

Wir sind also irgendwie heile aus der Baustelle rausgekommen und konnten dann auf einer ganz schönen, heilen, kleinen Straße durch Reis- und Getreidefelder fahren. Es ging eine Weile an einem Kanal entlang, dann durch eine Guavenallee und immer wieder sahen und rochen wir Eukalyptusbäume.


Dann kamen wir auch schon unserer Zielstadt für heute näher und konnten sehen und am Hupen hören, wie der Verkehr schlimmer wurde.

Dann mussten wir uns nur noch in der Stadt zurechtfinden und hatten nach kurzer Zeit wieder eine Unterkunft. Wir gingen noch Obst, im Teig frittiertes Gemüse und Limo kaufen.


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