(90) Happy Holi!

Wir hatten uns auf Kashipur gefreut, weil wir dort Hannah und Maik wieder trafen und ab nun mit ihnen die letzten Tage in Indien und einige Tage in Nepal bis Kathmandu fahren werden! So aßen wir am Tag ihrer Ankunft erstmal ein leckeres Menü des Hotelrestaurants in unserem Zimmer, wo wir vier Sessel hatten.

Es gab Reis, gewürzte Kartoffeln, Paneer Butter Masala, Malai Kofta und Chapati


Und dann ging es am Sonntag, den 24.3. wieder zu viert weiter.
Aus Kashipur rauszukommen war nicht so einfach, weil die Hauptstraße über die Bahngleise gesperrt war und wir so, wie alle anderen Fahrzeuge, durch eine kleine Straße über einen Bahnübergang mussten, der natürlich gerade geschlossen war, mussten. Dort zu stehen, war ziemlich nervig, weil dauernd gehupt wurde, die Mopeds ihre Motoren völlig unnötigerweise immer wieder aufheulen ließen und wir von den Fahrenden und Mitfahrenden von allen Seiten angestarrt wurden.

Es drängelten sich später noch mehr Mopeds überall dazwischen

Als der Bahnübergang aufging, war das Chaos maximal und wir konnten uns zum Glück in eine Apotheke flüchten und erstmal das Chaos an uns vorbeiziehen lassen. Dann ging es ruhiger weiter, naja, so ruhig, wie es in Indien halt sein kann. Wir hatten gehofft, dass wir zu viert besser durch den indischen Straßenverkehr kommen. Es war schön, dass wir zu viert waren, andererseits erregen vier Radfahrende noch mehr Aufmerksamkeit als zwei und wir wurden ungewöhnlich oft fotografiert und gefilmt, was wir nicht wollten. Wir wurden aber auch nicht verstanden, wenn wir versuchten, uns verständlich zu machen, dass wir das nicht wollen. Mindestens drei Mal erklärten wir Menschen, sie sollen Bilder/Videos löschen. Eine Gruppe junger Männer war so dreist, nach dem Löschen erneut mit dem Moped an uns vorbeizufahren und ein neues Video zu machen.

Hier wird der Reis von Hand gepflanzt

Ansonsten war der Tag nicht besonders. Abends suchten wir in einer Stadt nach einem Hotel. Während Maik und Simon in einem Hotel nach einem Zimmer fragten, wurden Hannah und Karin angesprochen. Zwei junge Männer auf einem Moped erklärten, dass am nächsten Tag Holi Fest sei und fragten, ob wir Holi spielen wollen, also mit Farben werfen. Wir sagten, nein, erst morgen, da waren sie ganz freundlich und fuhren weiter. Dann fragten wir in einem anderen Hotel mit Pool nach einem Zimmer. Der Besitzer sagte mit einem Augenzwinkern, wenn wir den Pool nicht nutzen, kostet das Zimmer 100 Dollar. Das war kein Problem für uns, also gingen wir erstmal schwimmen, bevor wir duschten und leckere Snacks wie Momos zu Abend aßen.

Am Montag hatten wir zum zweiten Mal Frühstücksservice mit Kaffee von Hannah und Maik, die mit dem vollen Topf Porridge zu uns ins Zimmer kamen. Dann machten wir noch Bilder von uns, um sie mit unseren späteren Ichs vergleichen zu können.

Vorher…

Jetzt konnte es losgehen in diesen bunten Tag. Heute ist Holi-Fest, also Feiertag in Indien und viele Läden hatten tatsächlich geschlossen. Dafür waren viele, wirklich viele Menschen auf Mopeds unterwegs. Schon, als wir um 9 Uhr losfuhren, sahen wir einige bunt angemalte Menschen. Wir waren nicht lange unterwegs, als uns schon die erste Gruppe junger Männer mit Farbbeuteln entdeckte und fragte, ob wir mit ihnen Holi spielen wollen, also ob sie uns mit Farbpulver bewerfen dürfen. Wir wussten noch nicht genau, wie bunt wir am Ende des Tages sein werden. Hannah und Maik wollten an einer Tankstelle “kurz” Wasser auffüllen, da waren wir schon umringt von einer neuen Gruppe von jungen Männern, die uns Farbpulver an die Stirn und auf die Wangen strichen.

Pink ist wohl die Haupt-Holi-Farbe

Dann kamen noch mehr und kurz darauf waren wir alle vier mehr oder weniger bunt im Gesicht, und, weil das Pulver ja teilweise der Schwerkraft gehorcht, auch auf den Klamotten und auf den Fahrrädern. Irgendwann meinte diese Gruppe, uns bunt genug gemacht zu haben, dann radelten wir weiter. Kurze Zeit später fuhren die nächsten an uns heran. Den ganzen Tag fuhren vor allem junge Männer, aber auch alle anderen Inder*innen neben uns, fragten, ob wir stoppen würden, ob sie Selfies mit uns machen könnten und riefen laut “Happy Holi!” Wir riefen oft freudig “Happy Holi!” zurück und stoppten auch oft, um uns noch mehr Farbe ins Gesicht kleben zu lassen. Wir verloren Hannah und Maik immer wieder für kurze Zeit, weil uns immer wieder andere Gruppen um Fotos und Farbschlachten bat. Und jedes Mal, wenn wir uns wiedersahen, sahen sie und wir komplett anders aus.

Happy Holiiii!

Fürs Mittagessen bogen wir so still wie möglich in einen Feldweg ein und konnten zwischen Reisfeldern unsere Käsenudeln kochen. Der Bauer, dem die Felder gehören, kam vorbei und erzählte uns, dass die Fruchtfolge hier Kartoffeln, Reis, Weizen sei. Nach der Mittagspause schien das Holi-Fest vorbei zu sein, denn wir trafen fast keine Farbschlachten mehr.

Wir waren ja auch schon bunt genug…

Wir fuhren durch fast ruhige Landschaften bis Banbasa, der Grenzstadt zu Nepal. Kurz hatten wir überlegt, so zur Grenze zu fahren, wollten dann aber doch lieber geduscht am nächsten Tag nach Nepal einreisen. Wir suchten uns ein schönes Hotel. Das erste, das wir ansteuerten, gefiel uns gleich. Der Besitzer meinte, wir müssen uns erstmal sauber machen, denn so könnten wir nicht rein. Das war uns schon klar gewesen, also klopften wir uns und unsere Taschen so gut wie möglich ab und trugen alles spurenfrei in die Zimmer. Dann duschten wir erstmal ziemlich lange und versuchten, die Farbe abzurubbeln. Das ging an den Stellen gut, an denen die Farbe nicht nass geworden war. Da Karin aber im Gesicht etwas unter der Farbe geschwitzt hat, wollte die Farbe dort nicht so gut abgehen. Erst sah sie aus, als wäre sie grün und blau geschlagen worden und nach dem fünften Rubbeln, als hätte sie starken Sonnenbrand… Der Hotelbesitzer meinte, dass ja heute Feiertag in Indien ist, und deswegen eigentlich kein Koch im Haus ist, er aber gerne den Koch und die Mitarbeiter anruft, damit die für uns kochen. Eigentlich wollten wir keine Mühe machen, aber da hatte er sie schon angerufen und wir konnten noch ein köstliches Abschiedsessen in Indien genießen! Obwohl wir durch die Sonne und die vielen Aktionen am Abend ganz schön müde waren, war das vielleicht der schönste Radel-Tag in Indien!

… und nachher
Großes Danke an Hannah für diese Bilder

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