Wir waren im Nachhinein noch froher, dass wir einen Pausentag eingelegt hatten, denn der heutige Tag, der 5.April, sollte anstrengend für unsere Körper werden. Die ersten 40 Kilometer verliefen ziemlich gut, wir waren ja ausgeruht, die Straße war flach und gut und wir konnten sehr gut fahren. Dann machten wir eine kleine Bananen-Snack-Pause, bevor es den Hügel hinauf gehen sollte. Wir dachten, wir könnten den Hügel entspannt hinauf radeln, aber dann sahen wir die Straße: Sie war eine komplette Baustelle mit Staub, Matsch, Steinen neben und auf der Straße und dazu noch richtig viele Verkehrsteilnehmende, von denen es viele (anscheinend) äußerst eilig hatten.

Schon auf den ersten Metern sahen wir, dass das kein Spaß werden würde. Die Straßenverhältnisse änderten sich immer wieder nach 50-500 Metern von megastaubig zu matschig zu steinig, von einspurig zu 2,57-spurig (ein Moped passt immer und überall noch durch)…

Wir waren heute richtig froh über unsere tollen Fahrräder, die das quasi mühelos mitmachten! Denn genau dafür hatten wir sie ausgesucht, dass sie uns da durch tragen! Vor allem Maik hatte mit seinem Fahrrad etwas mehr Probleme, er musste vorsichtig fahren und teilweise schieben. Zwischendrin gab es Strecken, wo ein Tanklaster Wasser auf die Straße verteilte, um den Staub zu bekämpfen. Dadurch entstand aber eine Matschpiste und wir mussten die Matsche zwischen Schutzblech und Reifen wieder rausfriemeln. Irgendwo kam uns ein deutscher Radler entgegen, mit dem wir uns etwas austauschen konnten. Er prophezeite uns, dass die Straße die nächsten 50 Kilometer so schlecht bleiben würde. Na klasse!

Nach 8 Kilometern Aufstieg und dem ein oder anderen gefährlichen Verkehrsmanöver, vor allem bei Hannah und Maik, kamen wir am Gipfel an, wo wir erstmal schnell Mittagessen essen mussten und die Ruhe sehr genossen. Dann machten wir uns an die Abfahrt, die aber nicht so bezeichnet werden kann. Der Weg war weiterhin staubig, matschig oder löchrig oder einfach alles zusammen. Die Handgelenke wurden durch das Bremsen und die holprige Straße sehr beansprucht. Wieder unten war die Straße immer noch Baustelle, jedoch konnten wir teilweise auf neuem Asphalt und teilweise auf altem Asphalt, unterbrochen durch Schotter, fahren. Wir freuten uns über jeden Meter Asphalt. Wenigstens ging es halbwegs flach voran.
Als wieder ein staubiges Stück anstand, fuhr ein Auto neben uns und die Beifahrerin reichte uns OP-Masken, die wir dankend annahmen und die unsere Fahrt tatsächlich besser machten.

Etwas später bekamen wir von einem anderen Fahrer Clementinen geschenkt. Er bot uns auch noch Wasser, Regenjacken, Geld und “anything else” an, was wir dankend ablehnten. Die Clementinen waren aber sehr lecker! In einem Dorf, das an der Baustelle lag, machten wir noch eine Teepause mit Blick auf die Baustelle.

Danach radelten wir noch einige Kilometer, bis wir ein schönes Hotel fanden, wo wir ein großes Zimmer für uns vier fanden. Wir duschten schnell, um schnell Abendessen zu können, heute waren wir besonders müde und hungrig. Gut, dass man beim nepalesischen Teller Reis, Gemüse und Linsen nachbestellen kann!
Am Freitag wurden wir beide mit quasi fertigem Porridge geweckt, was wie immer ein guter Start in den Tag war! Dann machten wir uns wieder daran, die staubige Straße zu erradeln. Nach einigen Kilometern war es Zeit für eine Teepause, da fanden wir ein sehr schönes Café, wo wir den Staub kurz vergessen konnten. Am Nebentisch saß ein netter junger Nepalese, der hier jeden Tag seinen Kaffee zum Frühstück trinkt und sich freute, dass wir genau hierher gekommen sind. Er ließ es sich nicht nehmen, für unsere Tees und Kaffees zu bezahlen, wir bedankten uns und machten noch ein Selfie.

Frisch gestärkt ging es erstmal auf der Staubpiste weiter.

Später ging es durch einige chaotische Städte weiter. Da überall Baustelle ist, gibt es zwischen ein und drei befahrbare, teils getrennte Fahrspuren und dementsprechend fährt (und hält) jedes Fahrzeug, wo und wann es will.
Über so eine dichte Busversorgung wäre man in manchem deutschen Dorf froh, aber hier sind die Busse die unberechenbarsten Fahrzeuge, da sie am liebsten ganz rechts ganz schnell fahren, dann aber (gerne ganz plötzlich) wieder nach links fahren und bremsen, wenn ein Fahrgast ein- oder aussteigen will. Und dann fahren sie einfach an, wenn sie darauf Lust haben, ganz egal, ob neben ihnen ein Fahrrad fährt. Aber daran haben wir uns gewöhnt und halten soviel Abstand wie möglich.

Mittags gingen wir zu viert noch einen wieder bunt gefüllten nepalesischen Teller zu viert essen, bevor sich Hannah und Maik für kurze Zeit verabschiedeten, denn sie wollten noch eine Safari in einem anderen Nationalpark machen. Wir wollten lieber ohne Umwege weiter nach Kathmandu. So fuhren wir zu zweit noch ein paar Kilometer und genossen zur Teatime Tee in unserem Zimmer in einem Hotel mitten in einem Dorf, wo Reis, Mais, Kürbisse und Bohnen wachsen. Ein leckeres Abendessen gab es dort auch.
Am Samstag konnten wir beide entspannt in den Tag starten, denn wir wollten heute bis Hetauda fahren, das nur etwa 56 Kilometer entfernt war. Wir radelten guter Dinge raus aus unserem Dorf, die Straße war mittlerweile auch wieder besser. Wir kamen heute den Bergen näher und auch die Stimmung kam uns mehr wie in den Bergen vor. Wir sahen links bewaldete Berge und rechts Reisfelder.


Die Menschen grüßten und freundlich und wir kamen schon mittags in Hetauda, unserem heutigen Ziel an, wo wir einen Tag Pause vor dem Anstieg nach Kathmandu ausruhen.



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