Etwas Vorgeschichte zur Organisation der Weiterreise:
Wir verbrachten Ungefähr 8 Tage in Kathmandu, um unsere Weiterreise zu organisieren… Was mussten wir tun und wo wollen wir überhaupt hin?
Wir wollen nach Osten!
Da in Myanmar Bürgerkrieg herrscht, Bangladesch eine Sackgasse wäre und keine andere Grenze geöffnet ist, haben wir uns schon vor einigen Wochen informiert, wie es weitergehen kann.
Dafür haben wir Reiseagenturen angeschrieben, die Touren durch Tibet anbieten. Von Nepal aus nach Tibet darf man nicht einfach so reisen, man muss eine Gruppe von mindestens 4 Personen sein und einen Guide und einen Fahrer bezahlen, oder sich einer geführten Tour anschließen.
In einer Chatgruppe für Radreisende lernten wir Franzi und Hans kennen, die den gleichen Plan wie wir haben, also auch ohne Flugzeug von Nepal nach Osten, genauer Vietnam, zu kommen. Also fingen wir an, unsere Reise durch China gemeinsam zu planen. Dafür waren einige E-mails an einige Agenturen notwendig. Wir bekamen nämlich selten die Informationen, nach denen wir fragten. Wenn wir fragten, wie wir überland von Kathmandu mit ihnen nach Lhasa in Tibet reisen könnten, wurde uns vorgeschlagen, doch eine Tour von Lhasa nach Kathmandu zu machen oder nach Lhasa zu fliegen und dann eine Tibet-Tour zu machen.
Zum Glück waren Hans und Franzi schon früh in Kathmandu und konnten dort die Reiseagenturen vor Ort abklappern und so einen Anbieter finden, der uns eine Tour, wie wir sie wollen, anbot und uns bei weiterem organisatorischem Kram half.
Wenn man also eine Gruppe von mindestens 4 Personen ist, die aus Nepal einreist, muss man China zusammen verlassen. Denn man bekommt das Visum für alle vier auf einem extra Zettel, und erst nach der gemeinsamen Ausreise kriegt man den persönlichen Stempel in den Pass.
Wir hatten gehört, dass es Probleme mit einem pakistanischen Stempel im Reisepass geben könnte, mussten also hoffen, dass dies bei uns nicht der Fall sein wird. Wir machten also alles fest und machten die erste Anzahlung für das “Tibet travel permit”, also die Genehmigung, durch Tibet zu reisen, an die Reiseagentur.
Als wir in Kathmandu ankamen, trafen wir Hans und Franzi, organisierten weiteren Krams mit ihnen und begannen, uns auf die gemeinsame Reise durch China zu freuen!
Zum Glück brachte die Reiseagentur unsere Reisepässe zur Botschaft und schon vier Tage später bekamen wir die Nachricht, dass unsere Visa genehmigt wurden und es am 17.4. wie geplant mit der Reise losgehen kann!

Unsere Reise durch Tibet
Am 17.4. wurden wir also um 5 Uhr am Hotel abgeholt, Franzi und Hans waren schon im Auto und bei uns standen die vier verpackten Fahrräder. Diese galt es dann auf den “Pickup” zu laden, sodass sie die holprige Fahrt bis zur Grenze gut verpackt waren. Der Fahrer schaute etwas grimmig und grüßte nicht. Der Chef unserer Reiseagentur war auch dabei, gab uns unsere Visa für China und versuchte zu helfen, die Räder aufzuladen.
Wir haben immer wieder erklärt, dass wir unsere Sachen sicher transportiert haben wollen.


Dann setzten wir den Chef ab und wir waren alle ziemlich müde, weil in beiden Unterkünften nachts noch Lärm war, wir aufgeregt waren und früh aufgestanden waren.
Es war etwas komisch, zum ersten Mal seit langem wieder in einem Auto mitzufahren. Unser Fahrer fuhr zu unserem Glück sehr entspannt und die Hupe war ziemlich leise, sodass sie uns nicht nervte. Raus aus Kathmandu ging es ziemlich steile Serpentinen rauf und direkt wieder runter. Wir waren schon froh, dass wir uns entschieden hatten, das nicht zu radeln. Denn die Strecke zur Grenze hätten wir radeln können, die Tour wäre dadurch aber nicht günstiger geworden, und dann nehmen wir Schwaben den Transport natürlich mit. Als die Häuser weniger wurden, wurde die Berglandschaft immer schöner. Hatten wir schon erwähnt, dass uns Nepal sehr gut gefällt? Die Hänge waren so schön terrassiert und es wuchs vor allem Reis, Mais und Weizen auf den Terrassen.

Es ging noch einige Male Serpentinen hoch und runter, mal war die Straße etwas enger, aber unser Fahrer führte uns sicher über die Straßen.
Irgendwann hielten wir kurz fürs Frühstück und schon ging es weiter. Die Straßen waren zwischendrin immer wieder Schotterpisten, was die sichere Befestigung der Fahrräder auf dem Dach etwas beanspruchte, weshalb der Fahrer dreimal anhielt und wir zusammen die Räder wieder festmachten.

Nach etwa 7,5 Stunden hatten wir es zur Grenze nach China geschafft, die Straße wurde immer schlechter, je näher wir der Grenze kamen. Dort wartete ein Guide auf uns, der uns beim Grenzübergang half.


Wir entschieden uns, zwei Träger zu engagieren, die uns helfen sollten, unsere Fahrradboxen über die Grenze zu transportieren. Diese Träger wollten 1000 Rupien, ließen dann aber bei einer Stufe die Räder umfallen…
Erstmal sollte unser Gepäck gecheckt werden, die ersten 4 Taschen von Hans wurden gecheckt, dann keine mehr. Es wurde gefragt, ob wir Karten oder Bücher von Tibet dabei haben. Simon sagte, wir haben eine Weltkarte auf Papier dabei. Diese wurde dann genauestens gecheckt, war in Ordnung. Dann wurden die Pässe gecheckt, Simons Pass wurde lange einbehalten, aber nur, weil ein anderer Computer getestet wurde, der dann doch nicht funktionierte. Bei Karin dauerte es auch länger, der Grenzbeamte meinte “ because she is so beautiful”… dann wurde sie sogar in ein extra Büro geleitet, wo der Pass nochmal am Computer gecheckt wurde. Dann war aber alles gut. Simon und Hans waren schon schneller durch und schoben schon mal die Taschen durch den Scanner und öffneten die Radkartons. “Sie haben einen Stein dabei?”
Wir klebten die Kartons wieder zu und luden sie zusammen mit den Trägern, dem neuen Guide und dem Fahrer ins neue Auto – unser Tourbus, die vier Kartons haben nur knapp reingepasst…

Zack, schon war es 17 Uhr, denn wir hatten 2:15 Stunden Zeitverschiebung von Nepal nach China. Und mit unserem Busle fuhren wir noch 30 Minuten, mit unserem neuen Guide und dem Fahrer nach Gyirong. Dort in der Stadt musste uns noch der Guide an der Polizeistation einchecken und dann konnten wir zu unserem guesthouse fahren. Nach kurzem Ausruhen gingen wir die kleine Stadt erkunden, Hans und Franzi machten ein Video für ihre Follower, dabei schrie uns ein kleiner Junge an, wir verstanden leider nichts, fanden es aber ganz lustig…

Wir suchten uns zwischen all den Restaurants eins aus, um Nudelsuppe zu essen und wir aßen unsere erste Nudelsuppe mit Stäbchen, was gar nicht so schwierig war, wie wir dachten. Nach dem Essen wollten wir unbedingt noch sehen, was es in einem chinesischen Supermarkt so gibt und waren bei manchen Sachen begeistert, überrascht und amüsiert. Es gab viele kleine einzeln eingepackte Sachen wie Küchlein, Kekse, marinierter Tofu und auch Hühnerfüße… Zurück im Hotel spielten wir noch ne Runde Karten. Am Abend war es so kalt, dass die Heizung gut tat.
Um 7:30 Uhr fing der 18.4. mit dem Frühstück, Pancakes, Omelette und Tee für uns an, bevor es mit dem Busle losging in die Berge.
Zuerst ging es an einem Fluss entlang durch ein breites Tal und wir mussten immer wieder bemerken, wie sehr wir uns über die gute Straße freuten. Wir hielten an einem Wasserfall, um Bilder zu machen. Kurz danach hielten wir nochmal zum Tanken und für eine Pipipause, bevor es wirklich den Berg rauf ging. Wir fuhren durch einige Serpentinen immer höher, bis auf 5236 m! Hier lag noch ein bisschen Schnee und es war windig. Im Winter ist dieser Pass nicht befahrbar.

Die Höhe machte sich bei uns allen vieren ziemlich bemerkbar, bei Hans und Franzi etwas weniger, weil sie in Nepal schon in den Bergen wandern waren. Wir hatten immer wieder leichte Kopfschmerzen, unsere Atmung ging flacher und wir fühlten uns schlapp. Wenn wir einige Meter gingen, um ein Foto zu machen, waren wir ziemlich erschöpft. Also ging es schnell wieder runter auf 4500 Meter. Wir fuhren durch ein Plateau, indem ein großer Salzsee liegt. Auf einem Aussichtspunkt beim See sahen wir in der Ferne unseren ersten 8000er! Ist das nicht toll?

Auf der weiteren Fahrt sahen wir ein paar Esel und eine große Menge Yaks, das sind eigentlich wuschlig frisierte Kühe. Außerdem wehten ganz viele Gebetsfahnen an Häusern, Masten und sogar Yaks hatten welche auf den Rücken gebunden.
Kurz vor Mittag hielten wir, um den Mount Everest zu sehen- leider war er in den Wolken, aber trotzdem unverkennbar.

Mittagessen gingen wir an einem kleinen traditionellen Lokal, wo auch einheimische speisten, wir übten uns wieder darin, Nudelsuppe mit Stäbchen zu essen, die Brühe wird direkt aus der Schüssel getrunken und schmeckt vor allem bei Kälte in den Bergen richtig gut!
Am Nachmittag sahen wir immer wieder Baumpflanzungen, sowohl schon gepflanzte, junge Bäume, als auch Bagger, die Löcher für zukünftige Bäume gruben. Außerdem fuhren auch Wasserwagen, mit denen die noch jungen Bäume, wahrscheinlich Weiden, gegossen wurden.

Nach etwa 8 Stunden Fahrt durch Berge, Ebenen, Yakherden und buntes Gestein kamen wir abends in Shigatse, das auf 3800 Metern Höhe liegt, an. Wir schliefen in einem Hotel mit einem großen Gelände, am Berg daneben steht ein Kloster, um das man herumgehen kann. Wir waren aber zu müde und fertig von der Höhe und ruhten uns lieber kurz aus, bevor wir abends noch ne Nudelsuppe aßen und müde schlafen gingen. Also wir beide konnten schlafen gehen, die anderen beiden mussten noch an ihrem Youtube-Video arbeiten. Gut, dass wir nicht so berühmt sind!
Um 8 Uhr gab es am 19.4. chinesisches Frühstücksbuffet im Hotel, es gab auch den traditionellen Buttertee, der etwas gewöhnungsbedürftig ist, da er mit Butter und etwas Salz zubereitet wird.

Beim Frühstück sahen wir die Feuerwehrmänner von der Wache nebenan, die joggen gingen und dachten, wir würden keine 100 Meter joggen können auf dieser Höhe.
Um 9 Uhr ging es mit unserem Busle los, heute fuhren wir erst viel auf der Autobahn. Auf chinesischen Straßn werden die Autos oft von Kameras fotografiert und hin und wieder von der Polizei kontrolliert. Wir sahen immer wieder schneebedeckte Berge und konnten die Landschaft genießen, wenn wir nicht gerade schliefen oder Musikvideos vorne im Display des Tourbusses anschauten, diese Videos waren mal chinesisch, mal tibetanisch, mal indisch. In den Dörfern sahen wir, wie auf den Häusern Holz und Yakfladen gestapelt waren, zum Kochen und für den Winter.

In den Städten hatte oft jede Straßenlaterne ihre eigene Solarzelle. Und auch manche Kameras und Anzeigen auf der Straße waren mit Solarzellen verbunden. In Shigatse gab es viele Elektroroller.
Je näher wir an Lhasa kamen, desto mehr Bäume, auch schon größere, sahen wir. Hier wurde also schon viel Fläche aufgeforstet. Auf den Bergen sahen wir viele Gebetsflaggen, die im Wind flattern, manchmal über Schluchten, aber auch viele die kreisrund an einen Mast gebunden waren, sodass es wie ein Zirkuszelt aussah. Die 5 Farben der Flaggen stehen für 5 Elemente.

Auch wurde es flacher und wir sahen wieder Felder, zwar noch Terrassen, aber größere, weil sie auf flacheren Landschaften angelegt waren. Die Felder lagen oft noch brach, teilweise wuchs schon kleiner Weizen. Bald fuhren wir durch mehrere Tunnel, die 1A ausgebaut waren und schnurschtracks durch den Berg gebaut wurden.
Mittags kamen wir nach Lhasa, in die größte chinesische Stadt, die wir bisher gesehen haben. Wir sahen viele “traditionelle” tibetische Häuser, die gleich gebaut sind, alle haben Vorhänge außen an den Fenstern, die im Wind flattern.
Wir müssen Tibet am nächsten Tag verlassen, denn nur bis zum 20.4. haben wir den Guide bezahlt und so sind die Regeln hier in Tibet. Deshalb haben wir schon einen Zug nach Kunming für den nächsten Tag gebucht und den Guide gefragt, ob er uns vor allem sprachlich helfen kann, zu organisieren, dass unsere Fahrräder auch nach Kunming kommen.
Also fuhren wir erstmal zum Bahnhof in Lhasa und dort zum Gepäckschalter, da wir die Fahrräder extra verschicken mussten, weil in unserem Zug kein Platz für die vier großen Boxen ist. Also gaben wir die Boxen auf und für 25 Euro pro Fahrrad sandten wir sie für 6 bis 7 Tage quer durch China.

Und dann kamen wir in unserem Yak Hotel an und suchten uns ein kleines Restaurant, von denen es hier viele an jeder Ecke gibt, und essen Nudelsuppe, für Karin und Franzi gab es eine andere mit quadratischen Nudeln. Dann waren wir wieder oder immer noch müde von der Höhe und gingen schlafen


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