(97) Wieder auf dem Fahrrad mit Rückenwind

Im Bus und im Zug konnten wir noch gar nicht so genießen, dass wir mit Rückenwind unterwegs sind, aber das sollte sich heute am 26.4.24 ändern.
Wir versuchten, halbwegs früh aufzustehen und räumten unsere Taschen wieder von “Zugfahren” auf “Radfahren” um. Dann frühstückten wir noch und fuhren mit den Fahrrädern im Aufzug runter. Dann mussten Franzis Bremsen nochmal gerichtet werden und los ging es – erstmal zum Supermarkt. Wir hatten die Info bekommen, dass es hier keine Möglichkeit gibt Benzin für den Kocher zu kaufen, also kauften wir nur Sachen, die nicht gekocht werden müssen. Dann ging es aber wirklich los, zu viert raus aus der Stadt, über einen super schönen Weg durch den Park an einem Flüsschen vorbei.

Hier sah es ein kleines bisschen wie an der Leine in Göttingen aus

Weiter fuhren wir auf meistens kleinen Strassen durch super schöne Hügel, zum Glück häufig durch die Täler. Nach 30 Kilometern suchten wir ein Restaurant, in dem wir zu Mittag essen konnten. Da wir ja die Schilder nicht lesen können, gingen wir auf Gut Glück in ein Restaurant, in dem es wohl nur Hot Pot gab. Okay, wir dachten, wir probieren dieses typische Essen mal aus. Man bekommt einen großen Suppentopf in die Mitte des Tisches gestellt und kann sich dann Zutaten aussuchen, die man darin kocht. Wir suchten vor allem Spinat, Chinakohl und Pak Choi aus. Dazu gab es Reis.

Der Hot Pot war nicht nur heiß, sondern auch ziemlich scharf, aber lecker und es war auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

Nach dem Essen konnten wir eine super schöne Abfahrt auf den guten Straßen genießen, bevor wir uns bei über 30 Grad ein Eis gönnten. Gut, dass Franzi und Hans auch so gerne Eis essen! Kurz nach dem Eis ging es für knapp 2 Stunden den Berg hoch. Und hier konnten wir uns über Rückenwind richtig freuen! Oben konnten wir dann kurz durchschnaufen bei einer Tankstelle. Dort haben wir dann auf gut Glück nach Benzin gefragt und tatsächlich welches bekommen. Dazu hat uns die super nette Tankwartin noch 2 Liter Wasser geschenkt. Einige hundert Meter später fanden wir ein Restaurant für unser Abendessen, hier gab es klassische Nudelsuppe mit Ei und Gemüse für uns. Frisch gestärkt ging es schnell wieder den Berg runter und an einem Stausee auf Schlafplatzsuche.

Bei Sonnenuntergang auf Schlafplatzsuche

Wir freuten uns sehr, endlich mal wieder zu zelten. In einem Pappelwäldchen neben dem See fanden wir zwei optimale Zeltplätze und schliefen glücklich mit Naturgeräuschen ein.

So ein schöner Ort! Und so schön, dass wir zelten!



Am heutigen Tag sahen wir sehr viele Kulturen wachsen, hier eine Übersicht: Walnüsse, Feigen, Maulbeeren, Mispeln, Pfirsiche, Nektarinen, Esskastanien, Persimon, Kirschen, Weintrauben, Hänge voll mit Süßkartoffeln in der Abfahrt, Kürbisse, Zucchini, Bohnen, ganz viel Kohl (China,- Spitz-, Blatt- und Kopfkohl, Kohlrabi, Broccoli, Blumenkohl), Gurken, Paprika, Mais, Hirse, Auberginen,  außerdem viele Blumengärtnereien mit Rosen und Hortensien und noch Baumschulen.


Wir hatten eine ruhige Nacht auf den 27.4. im Wald, standen mit dem Wecker um kurz nach 7 Uhr auf und kochten endlich mal wieder Porridge zum Frühstück. Wir haben zum Glück noch nicht verlernt, wie wir das Zelt auf- und abbauen, daher ging das Aufpacken schnell und wir konnten früh los.

Früh am Morgen geht’s mit voller Energie los!

Es ging weiter durch terrassierte Hügel, auf denen viel Mais angebaut wird. Viele Hügel waren voller Folien, die bald bepflanzt werden. Wir sahen auch viele Menschen auf den Feldern arbeiten. Zur Mittagessenszeit fanden wir in einem Dorf ein Restaurant, wo es Buffet gab, was uns ziemlich überraschte. Kinder und wir bekamen sogar noch ein Wassermeloneneis als Nachtisch.
Nach der Mittagspause ging es eine ziemliche Weile bergauf, wo wir immer wieder Blicke auf Felstürme mitten im Wald oder mitten in Feldern hatten.

Hier wachsen chinesische Pappelpflaumen vor den Felstürmen

Es ging wieder bis auf 2000 Höhenmeter hinauf, auf dieser Höhe waren wir zwei Tage zuvor in Kunming gestartet und haben dazwischen schon wieder einige Höhenmeter gemacht. Dann ging es wieder runter, weiter auf einer Nebenstraße. An einer Ausfahrt war eine zu tiefe Kiesspur, durch die Simon durchfuhr, Karin schaffte es aber nicht und lag von einer Sekunde auf die nächste auf der Straße. Simon war noch in der Nähe und half Karin erstmal an den Straßenrand, wo wir uns die Wunden erstmal anschauten. Es waren nur leichte Wunden, nur der Fuß, der zwischen Kies und Fahrrad lag, hatte eine etwas tiefere Wunde, die wir direkt säuberten, desinfizierten und verbanden. Die Handflächen, Ellbogen und ein Knie waren auch etwas aufgeschürft, aber es ist nichts Schlimmes passiert. Auch das Fahrrad ist bis auf Mini-Kratzer am vorderen Gepäckträger heile geblieben.

Mieser Schotter!
Karin ist quasi noch heile, aber die Hose hat jetzt Löcher

Wir setzten uns wieder auf die Fahrräder und fuhren erstmal die Abfahrt weiter runter, bis wir bei Hans und Franzi waren, die in den Abfahrten schneller als wir sind. Zusammen fuhren wir noch ein paar Kilometer und aßen erstmal eine Nudelsuppe zum Abendessen. Dann mussten wir uns schon auf Schlafplatzsuche machen, was sich als nicht so einfach herausstellte, da ungefähr jeder Quadratmeter entweder bebaut ist oder landwirtschaftlich genutzt wird. Kurz nach Sonnenuntergang fanden wir einen Platz auf einem brach liegenden Feld zwischen vielen Weinreben in und neben Gewächshäusern. Dort bauten wir schnell unsere Zelte auf und verarzteten nochmal Karins Wunde. Dann gingen wir schnell schlafen.

Der Bauer, der das Feld neben uns hackte, war am Sonntag, den 28.4. schon vor unserem Weckerklingeln um halb sieben fleißig. Wir versuchten, schnell zusammenzupacken und machten uns dann wieder auf den Weg. Weiter ging es an vielen Weinreben vorbei, die nicht immer an Bergen wuchsen. Aber wir sahen das erste Mal auch Tomaten in Gewächshäusern und Spargel. In unseren Naivigationsapps wurde die Strecke zwar als “flach” beschrieben, war sie aber nicht. Es blieb hügelig und das, was Franzi und Hans bergab schneller waren, holten wir bergauf wieder ein. Mittags suchten wir uns erst ein Restaurant für ein günstiges Mittagessen und dann einen ruhigen schattigen Platz, um nicht durch die Mittagshitze zu fahren.

Kurz nach der früher-Nachmittagspause gibt’s wieder ein bisschen was zu feiern
Yeah! Schon 16000 Kilometer haben wir auf unseren Rädern verbracht!


Nachmittags fuhren wir auf einer Nebenstraße quasi direkt neben der Hauptstraße und einem Bach entlang und hielten nach einem Schlafplatz Ausschau.

Wir auf der kleinen ruhigen Nebenstraße am Bach entlang

Bald wurden wir fündig auf einer Wiese direkt am Bach. Wir mussten unsere Fahrräder über einen Schotterweg runter auf die Wiese bringen und konnten dann noch ne Weile auf der Wiese ausruhen. Auf einmal hörten wir Meckern, und dann kam eine Herde Ziegen auf die Wiese heruntergesprungen und futterte um uns herum.

Da wir keine Kamera bei uns hatten, danken wir Rückenwind für dieses Bild!

Kurz danach kam die Hirtin vorbei, die Ziegen rupften weiter Gras wo sie wollten, belästigten uns aber nicht. Später kochten wir noch Nudeln mit Sauce und bauten unsere Zelte auf. Als es dunkel war, gingen wir schlafen, denn wir wollten am nächsten Tag früh raus.

Am Montag, den 29.4. klingelte der Wecker, als es noch dunkel war und sogar das Frühstück war fertig und das Zelt ausgeräumt, bevor die Sonne aufging. Dann frühstückten wir erstmal von Franzi gekochtes, frisches Porridge und machten uns schnell auf den Weg. Heute wollten wir nämlich am Vormittag über 600 Höhenmeter erklimmen und wir wussten noch nicht, wie schlecht die Straße werden sollte. Zuerst mussten wir unsere Fahrräder wieder den Schotterweg auf die Straße zurückschieben. Nach wenigen Kilometern fuhren wir zum Glück an einer Raststätte vorbei, wo wir unsere Wasserflaschen an einem Wasserfilter auffüllen konnten.

Und dann machten wir uns daran, auf einer kleinen Straße die Höhenmeter zu erklimmen. Die ersten Kilometer ging es auf geteerter Straße jeweils um die 50 Höhenmeter rauf, und direkt wieder runter.

Und immer wieder der Blick auf terrassierte und bewirtschaftete Hänge
Da war die Laune noch gut…

Nach einer Kurve hörte einfach der Teer auf und wir mussten auf schlechtem Kopfsteinpflaster 5 bis 9 Prozent Steigung überwinden. Das zehrte ganz schön an uns und wir mussten sehr sehr oft anhalten, um wieder Luft zu holen und die Arme zu entspannen. Zum Glück wurde die Steigung nach etwa 2 Kilometern flacher und wir konnten wieder einigermaßen fahren. Die Straße wurde aber nicht besser.

Was für eine schlechte Straße!

Wir freuten uns über jeden Meter, den wir auf fester Erde fahren konnten. So ging es noch 10 Kilometer hinauf, wenigstens war die Aussicht wirklich schön, wir hörten Hähne in den Dörfern am Hang krähen und rochen die Eukalyptuswälder.

Die Straße bleibt schlecht, der Duft von Eukalyptusbäumen ist gut

Kurz vor dem höchsten Punkt sahen wir viele Nektarinenplantagen um uns herum und hatten nun richtig Lust auf Nektarinen, vor allem aber waren wir hungrig. Im Dorf ganz oben sahen wir Leute, die in einer Halle Nektarinen sortierten.

Nektarinen überall!

Wir hatten eigentlich keine Hoffnung, in dem Dorf ein Restaurant zu finden, aber an einer Straßenecke war doch tatsächlich ein kleines Räumchen mit einer ziemlich schick angezogenen Wirtin, die uns Nudelsuppe servierte. Was für ein leckeres Mittagessen nach diesem Anstieg auf dieser blöden Straße. Und als Highlight kam noch ein Mann irgendwo her und schenkte uns eine große Tüte voller Nektarinen! Die mussten wir gleich probieren und sie schmeckten richtig süß, ähnlich wie Pfirsich-Eistee… Also aßen wir noch ein paar Nektarinen und fuhren dann auf der endlich wieder größeren Straße weiter, die uns wieder durch viele Felder und manche Dörfer führte.

Heute war wohl Tag der Kartoffelernte. Wir sahen viele Menschen die Kartoffeln mit der Grabgabel ausbuddeln und in Kartons füllen.

Da es weiterhin ziemlich warm war, machten wir nachmittags an einem See noch eine Eis- und Ruhepause im Schatten.

So schee am See!

Da es in der Stadt auch wieder ein Restaurant gab, das Nudeln selbst machte, aßen wir dort gleich noch Nudeln zum Abendessen und machten uns schon bald auf Schlafplatzsuche. Wieder war so ziemlich alles bepflanzt, aber in einer kleinen Senke fanden wir einen tollen, flachen, ruhigen Ort für unsere Zelte. Simon spürte schon leichte Bauchschmerzen, wir gingen aber bald schlafen.

Hinterlasse einen Kommentar