(98) Nudelsuppe, Nudelsuppe, Nudelsuppe

Die Nacht auf Dienstag, den 30.4. verlief für Simon leider nicht wirklich ruhig, da sich wohl etwas in seinem Bauch befand, was dieser unbedingt loswerden wollte. Simon machte es sich im Außenzelt halbwegs gemütlich, um immer wieder austreten zu können. Morgens war er dementsprechend nicht wirklich fit.

Sonnenaufgang am Zeltplatz, das Frühstück und die Räder sind bereit

Wir anderen drei aßen Frühstück und dann fuhren wir alle vier los, so gut es eben ging. Nach 20 Kilometern fanden wir eine Tankstelle, wo wir im Shop erstmal etwas ausruhten, vor allem Simon lag mehr, als er saß. Irgendwann fuhren wir ein Stück weiter, bis zur nächsten Tankstelle.

Manchmal sind die Toiletten in China so

Wir rollten weiter, vorbei an Stauseen, in (!) denen noch Kabel verliefen und an in Plastik eingepackte Feldern in den Hängen.

Immer wieder kleine Stauseen an der Straße
Hier werden mal Nektarinen oder Mangos angebaut. Was in der Folie wächst wissen wir leider nicht. Und ob die Folie gegen Austrocknung oder für mehr Wärme oder gegen Unkraut ist wissen wir auch nicht genau

Unser Ziel war es heute, nach Wenshang in ein Hotel zu kommen, wo wir, vor allem Simon, ausruhen wollten und mussten.

Auf dem Weg nach Wenshang

Nach fast 60 Kilometern erreichten wir ein Hotel, das direkt an einem Park lag. Abends gingen Franzi, Hans und Karin noch ne Nudelsuppe bzw. Reis essen, Simon wollte nichts essen. Im Park neben dem Hotel tanzte eine Gruppe, vor allem Frauen, wohl vorher einstudierte Choreographien zu Musik aus großen Boxen.

Am ersten Mai standen wir um 6 Uhr auf, machten Porridge zum Frühstück und schauten erstmal die Wettervorhersage für heute an. Sie sagte Gewitter und Gegenwind an. Also wollten wir möglichst viel vom Tagesprogramm schaffen, bevor es schlechter werden sollte. Das Tagesprogramm stand nicht fest, weil Simon noch seine Lebensmittelvergiftung auskurieren musste.

Erstmal ging es raus aus Wenshang, hier mit einem runden Fußgängerüberweg

Es ging also los mit einem kleineren Hügel, das gelang gut und nach ca. 30 Kilometern und einigen Hügeln fing es leicht an zu tropfen. Gut, dass es ein Nudelsuppenrestaurant in einem Dorf am Straßenrand gab. Die Suppen waren nicht soo lecker und immer wieder rauchte jemand in der Nähe… Naja, die Suppenköchin und der Suppenkoch waren super nett und schenkten uns die Suppen – Yeah! Leider fingen die Bäuche der anderen drei kurz darauf auch an, sich zu melden.

Dann ging es weiter für die nächsten 15 Kilometer bis zum nächsten Ort. Dort ging es aufs Klo und wir aßen noch ein Eis, wobei wir von einem süßen älteren Paar angeschaut und angequatscht werden. Im Hintergrund donnerte es immer wieder, wir entschieden uns, dass wir weiter fahren wollten.

Die Hügel und wir hingen schon in den Wolken und es wurde langsam nass…

Leider regnete es dann wirklich kurz darauf, aber ok, unsere Regensachen hatten wir das letzte Mal an, als wir nach Teheran rein gefahren sind. Nach 10 Minuten Regen war es dann schon wieder trocken und wir kamen an einen Checkpoint der Polizei. Die gibt es hier in Grenznähe wohl immer wieder. Nach etwa 30 Minuten Dokumente prüfen und Fragen wie: “Wollt ihr nochmal nach China?”, durften wir weiter. Dann fuhren wir noch relativ entspannte 15 Kilometer und wir waren in Malipo, einer kleineren Stadt, die etwa 40 Kilometer vor der Grenze liegt. Vor dem Hotel kamen drei Teenie-Mädels vorbei, die sich freuten, uns zu sehen. Immer wieder tuschelten sie und fragten Karin dann ganz mutig etwas auf chinesisch. Leider fiel meine Antwort immer wieder gleich aus: „Wir sprechen leider kein chinesisch“. Zwei noch jüngere Mädels vom Laden nebenan waren schlauer. Sie hatten sich die Frage: “Where do you come from?” schon vorher überlegt und bekamen so auch eine passende Antwort. Später kamen sie mit dem Übersetzer auf dem Handy und fragten, ob sie ein Foto mit mir machen könnten. Ja klaro!
Wir gingen erstmal duschen und hängten die Regensachen auf, dann gingen wir in der Stadt noch etwas essen, aßen noch ein leckeres Eis vom glücklichen Schneekönig und dann ging es ab ins Hotelbett. Auf dem Tacho hatten wir am Ende des Tages ca. 80 Kilometer und 900 Höhenmeter. Und das, obwohl wir aktuell alle mit kleineren Wehwehchen zu kämpfen haben. Wir waren also reichlich stolz auf uns.




Am 2.5. sollte es für uns über die Grenze von China nach Vietnam gehen. Wir vier hatten uns schon lange überlegt, welche Grenze wir nehmen wollten. Es gibt im Südwesten die Grenze bei Lao Cai, die sicher geöffnet ist, aber einen Umweg für uns bedeutet hätte. Deshalb versuchten wir schon seit Tagen herauszufinden, ob die kleine Grenze bei Tian Bao für internationale Reisende geöffnet ist. Wir hatten sehr viel recherchiert, aber keine sichere Zusage bekommen. Trotzdem stellten wir uns dem Risiko und steuerten diese Grenze an. Die ersten 20 Kilometer war es flach, danach durften wir auf 15 Kilometern über 1000 Höhenmeter runterrollen! Und dabei hatten wir immer die Hoffnung, dass die Grenze auch wirklich geöffnet ist, weil wir das alles sonst wieder rauf fahren müssten. Bei einem Aussichtspunkt kam uns ein chinesisches Reiseradlerpaar entgegen, die hatten auf jeden Fall noch einige Höhenmeter zu erklimmen…

Es ist immer wieder schön, andere Reiseradler*innen zu treffen!


Zwischendurch sahen wir Hänge voller Bananen und auch Kaktusfeigen.

Leider keine Kaktusfeige an all den Kakteen

Am Straßenrand wurden Bananen verkauft. Es wurde immer feuchter und wärmer…

Da geht es jetzt hinunter! Ist da hinten schon Vietnam?

Unten angekommen ging es noch einige Kilometer flach bis zur Grenze. Die chinesische Grenzstation war wirklich nur für Fußgänger*innen gemacht. Man musste durch Tore ähnlich wie bei der Metro. Viele Menschen, die vor uns durch diese Grenze gingen, hatten mehrere Kisten dabei, die sie auch durch den Scanner fahren lassen mussten und danach wieder auf kleine Wägelchen packten, die auch durch den Scanner fuhren.
Wir waren ja durch Tibet nach China eingereist, wofür wir ein Gruppenvisum auf einem extra Zettel bekommen hatten und keine Stempel im Pass hatten. Damit waren die Grenzbeamten hier überfordert und mussten erstmal lange unsere Pässe und das Gruppenvisum untersuchen. Zum Glück war da eine sehr nette Grenzpolizistin, die gutes Englisch sprach und uns bei Laune hielt. Irgendwann nach etwa einer Stunde wollten sie noch den vollständigen Namen der Agentur wissen, mit der wir durch Tibet gereist waren und dann war alles gut und wir durften ausreisen. Wir bekamen aber keine Stempel in unsere Reisepässe, na gut.
Dann ging es weiter zur Einreise nach Vietnam. Auch hier war die Grenze nur für Fußgänger*innen gemacht, wobei sie wohl ausgebaut werden soll. Bis jetzt wissen die Grenzbeamten dort auf jeden Fall nicht, was sie mit Fahrrädern machen sollen…
Wir gaben ihnen unsere Pässe, diese hatten nach nur etwa 15 Minuten den Einreisestempel für Vietnam drin, aber wegen der Fahrräder sollten wir auf jemanden warten, der erst in etwa einer Stunde kommen sollte. Wir dürften aber inzwischen in einem Restaurant nebenan zu Mittag essen. Dann machten wir das also und kamen nach dem Essen zurück. Als wir wiederkamen, schienen die Grenzbeamten uns immer noch nicht helfen zu wollen, unsere Fahrräder über die Grenze zu bekommen.
Wieder 10 Minuten später war Schichtwechsel und Hans sagte, dass wir schon zig Grenzen überquert hatten und fragte nochmal nach, was denn jetzt genau das Problem sei. Daraufhin war es plötzlich doch ganz einfach möglich, unsere Taschen durch den Scanner zu schicken und MIT unseren Fahrrädern nach Vietnam zu reisen! Hallelujah!
Und dann fuhren wir durch Land Nummer 17 auf unserer Reise endlich an wunderschönen Reisterrassen vorbei und durch nebligen Urwald! Wir sind so glücklich, hier mit dem Fahrrad hergereist zu sein!

Willkommen in Vietnam!

Wir fuhren bis nach Ha Giang, einer ziemlich touristischen Stadt, weil hier viele Menschen herkommen, um sich einen Roller auszuleihen und den Ha Giang Loop zu fahren.

Abends wurden wir vom Hostelbesitzer Liam (rechts neben Hans) und seinen Freunden zu vietnameischem Abendessen eingeladen

Und man kommt eben DOCH ohne Flugzeug nach Vietnam!

Hinterlasse einen Kommentar