Am Montagmorgen, dem 10.6. war nichts mehr los am Fluss, es kamen nur ein paar Kühe vorbei und suchten in den Müllhaufen, die leider hinterlassen wurden, etwas Essbares.

Wir kochten Porridge und Karin spülte mit Simons Hilfe im Fluss mit wunderschönem Blick auf die Berge ab.

Dann ging es auf die große Straße und wieder in die kasachische Steppe. Es wuchsen Büsche und Gräser links und ab und zu sahen wir ein paar Pferde vorbeilaufen.

Wir kamen an einem Dorf vorbei und nutzten die Gelegenheit, dort etwas Wasser (es gab leider keine großen Kanister) und Kekse zu kaufen. Gerade, als wir ins Dorf fuhren, erplattete Karins Vorderreifen. Wir zogen den Dorn heraus und flickten schnell den Reifen, während Hannah und Maik einkaufen waren und uns dann mit Keksen fütterten. Mittagspause machten wir im Schatten von Bäumen auf einem verlassenen Hof unter dem Moskitonetz. Dort ruhten wir auch noch eine halbe Stunde im Schatten.
Später wurde die Landschaft grün, mit einigen Bäumen und Büschen und vielen Weiden. Am Eingang einer Stadt fragten wir in einem Café, das irgendwie eher geschlossen aussah und vor dem ein einsamer Esel herumlief, ob sie uns unsere Wasserkanister mit Wasser füllen könnten, was sie gerne machten.

Uns war es inzwischen ziemlich warm und wir hatten mehr Gegenwind als Rückenwind. In der Stadt mussten wir dann nur noch Gemüse fürs Abendessen kaufen. Danach konnten wir uns einen windgeschützten Schlafplatz für die Zelte suchen. Es sollte sich herausstellen, dass es an diesem Abend wohl keinen windstillen Zeltplatz in der Gegend geben sollte, denn kaum hatten wir unser Zelt aufgebaut, zog ein Sandsturm auf und um uns herum. Hannah und Maik hatten Angst um ihr Zelt und bauten es wieder ab und wir saßen erstmal zu viert in unserem Zelt und warteten den Sturm ab.

In der Ferne sahen wir ein Gewitter vorbeiziehen, aber wir blieben trocken. Nach etwa einer Stunde konnten wir raus und kochen, jedoch schwirrten so viele Stechmücken um uns herum, dass das nicht so wirklich spaßig war. Maik bastelte sogar eine Räucherbox, die aber nichts half. Also hieß es, sich so schnell wie möglich ins Zelt zu verziehen und zu schlafen.
Am 11.6. war Simon schon um halb 5 wach und versuchte die anderen sanft zu wecken. Es gab wieder Porridge und Kaffee und dann gings los. Heute wollten wir mindestens 500 Höhenmeter machen, denn insgesamt warteten 1500 Höhenmeter auf uns und es wartete vielleicht ein vielversprechender Platz an einem Bach auf uns. Wir fuhren also den ganzen Tag durch steppigste Steppe und machten Mittagspause unter dem einzigen Baum, den wir seit Langem sahen.

Die Straße war voller Schlaglöcher, aber es war kaum Verkehr, sodass wir diesen gut ausweichen konnten. Nach den vorgenommenen 500 Höhenmetern ging es eine kleine Abfahrt zu dem Bach runter. Wir suchten erst einen Platz auf ner Wiese am Bach, aber die Wiesen waren alle eingezäunt oder mit Graben eingefasst und voller Mücken. Also suchten wir weiter und waren kurz danach sehr froh darüber, denn wir fanden ein Häuschen auf einem kleinen Rastplatz, das wir kurzerhand für eine Nacht besetzten. Dort ruhten wir noch, lasen, wuschen am Bach direkt daneben ab, kochten, bauten die Zelte auf und schliefen früh bei Plätschern des Baches ein.

Am 12.6. klingelte der Wecker um 4 Uhr, denn wir wollten die 1000 fehlenden Höhenmeter möglichst vor der Mittagshitze schaffen. Es war um 4 Uhr auch schon hell, also kochte Maik Porridge und wir konnten um halb 6 den Anstieg, dessen Anfang wir vom Rastplatz aus schon gesehen hatten, angehen. Es ging durch grüne Hügel, die aussahen, als wären sie mit Samt überzogen. Nach den ersten Kurven kamen wir auf ein schräges Plateau (für uns ging es stetig bergauf), durch das wir auf einer kerzengeraden Straße fahren konnten und immer wieder für Fotos anhielten.

Weiter oben wurde das Grün grüner und wir konnten die herrlichen Aussichten auf die Wiesen und die Berge genießen. Die Sonne kam heute lange nicht raus und es hatte um die 17 Grad. Das erinnerte uns an Mathias, der auch oft beim Radeln eine Schicht Klamotten an- und auszog.

Zwischendrin regnete es und wir hatten meist Gegenwind.
Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, die wir gegen den Gegenwind kämpften, aber gewannen, kamen wir in Kegen an, wo wir ausgiebig Mittagspause mit Tandoor-Brot, Käse und Gemüse machten.

Es regnete nochmal, also warteten wir noch in unserer Pausenhütte zwischen einer Jurte und einer Moechee, aber dann ging es weiter gegen den Wind, solange, bis wir einen idyllischen Platz an einem Bach fanden, wo wir unsere Zelte aufbauten, kochten und noch ein kleines Lagerfeuer machen wollten. Gegen die Mücken und für die Wärme. Naja, gerade als das Feuer brannte und das Essen fertig war, kam ein kleiner Regenschauer und wir verzogen uns ins Zelt zum Essen und verzichteten aufs gemütliche Sitzen am Lagerfeuer.

Am Morgen des 13.6. spülten wir erstmal wieder im Fluss ab und kochten Kaffee und Porridge. Wir hatten nur noch 6 Kilometer bis zur kasachisch-kirgisischen Grenze, die erst um 8 Uhr aufmachen sollte und um 7 Uhr waren wir mit dem Frühstück fertig. Also konnten wir gemütlich zusammenpacken und die letzten Kilometer geradeaus gegen den Wind auf das kirgisische Bergpanorama zuradeln.

An der Grenze wurde der obere Inhalt einiger unserer Taschen angeschaut, aber nicht zu genau und dann waren wir in Land 19 unserer Radreise, Kirgisistan, oder Kirgistan, man kann beides sagen.
Ziemlich direkt nach der Grenze bestand die Straße erstmal nur noch aus Schotter für einige Kilometer.

Wir sahen aber auch einige Arbeiter, die an der neuen Straße arbeiteten und tatsächlich durften wir bis zur nächsten Abzweigung auf schönstem Asphalt fahren, was die Laune und die Geschwindigkeit verbesserte. An der Abzweigung ging es für uns aber auf Schotter- und Geröll für 200 Höhenmeter, 8 Kilometer und etwa eine Stunde bei 5 bis 11 Prozent Steigung den Berg rauf.

Teilweise schoben wir unsere Räder, was aber meist anstrengender war, da unsere Armmuskeln ja in letzter Zeit nicht so trainiert wurden wie die Beinmuskeln… Oben angekommen wehte uns der Wind um die Ohren, also fuhren wir gleich wieder ein paar Meter runter.

Dabei kamen wir an vielen Pferdeherden vorbei, die glücklich grasten. Wir radelten bis zu einem schönen windstillen Platz, wo wir erstmal Mittagessen kochten. Nach kurzer Zeit hatten uns die Kinder der Höfe nebenan entdeckt und schauten uns interessiert beim Kochen zu. Kurz danach kam noch ein junger Mann mit seinem Sohn vorbei und brachte uns fermentierte Kuhmilch und Brot, das wir in Kaymak (eingedickter abgeschöpfter Rahm) tunken durften. Wir versuchten uns ein bisschen auf Russisch zu verständigen, so erfuhren wir, dass er 31 Jahre alt ist und 4 Kinder hat. Nach der Pause ging es wieder bergab, aber leider weiterhin auf Schotter und Steinen.

Wir hatten gehofft, vielleicht heute in der viertgrößten kirgisischen Stadt Karakol anzukommen, aber wegen schlechten Straßen bergauf und bergab, immer wieder Baustellen, Gegenwind und leichter Kraftlosigkeit wegen sieben Radltagen in Folge warfen wir diesen Plan über den Haufen und suchten stattdessen noch einen schönen Campingplatz im Grünen.

Wir fanden wieder einen traumhaften Platz mit traumhaftem Ausblick. Hier konnten wir glücklich Abendessen und glücklich einschlafen.

Am Freitag wachten wir etwas später auf, wir hatten heute ja auch nur noch etwa 30 Kilometer bis nach Karakol zu radeln. Als wir alles auf die Räder gepackt hatten, fiel Maik auf, dass bei ihm nicht nur eine Schraube locker, sondern sogar schon ausgefallen war. Da das Team von fahrradfahrenfetzt ja einiges an Reparatur- und Ersatzmaterial dabei hat, packten wir erstmal die Taschen aus, um die passende Schraube und Mutter zu finden. Diese bauten wir dann dran und packten fix alles wieder ein. Dann musste Maik seine Tasche wieder einpacken und dann konnte es wirklich losgehen. Heute fuhren wir wahrscheinlich durch mehr Dörfer als in den letzten 5 Tagen insgesamt.

Wir kamen Karakol immer näher und es ging dauernd bergauf. Karin hatte nun wirklich nicht mehr so viel Kraft in den Beinen, also war sie sehr froh, als Maik plötzlich links abbog und wir an unserem Ziel, dem Hostel angekommen waren. Da hier auch campen möglich ist und die Temperaturen hier gerade endlich mal einfach schön sind, beschlossen wir, zwischen Pflaumenbäumen und einer Jurte im Garten unsere Zelte wieder aufzubauen.

Dann waren wir alle hungrig und besuchten erstmal ein Restaurant, wo wir hungrigen Radler leider von der Größe der Portionen enttäuscht waren. Da wir eh noch in den Supermarkt nebenan wollten, kauften wir uns dort noch Joghurt und Obst, was wir danach im Hostel gleich als Nachtisch genossen. Wir bauten unsere Zelte auf, richteten sie ein, duschten, wuschen Wäsche und kauften noch eine SIM Karte. Ansonsten ruhten wir uns im Garten und auf der Veranda des Hostels aus. Abends kochten wir nach Maiks dringlichem Wunsch Kartoffelbrei mit Gemüse und Rührei.


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