(109) Hügel, Steppe, Kamele (und Esel)

In Bischkek blieben wir noch bis Dienstag, den 2. Juli. Zwischendrin hatten wir zwei heiße Tage, an denen wir versuchten, uns so wenig wie möglich zu bewegen. Wir hatten unser Zelt im Hof des Hostels aufgebaut und verbrachten den Tag draußen, vor allem auf einer großen Liegewiese im Schatten, die gleichzeitig Spielwiese für die Tochter der Eigentümerin war. Diese ist etwa 4 Jahre alt und fand uns ziemlich spannend.

Unser Aufenthaltsort in Bischkek 🌺


In Bischkek gibt es Stände der Firma Schoro, die an vielen Ecken Getränke verkaufen: Maksym, Kwas und Chalap. Das sind fermentierte Getränke aus Brot oder Milch und anscheinend voll der Hit in Kirgistan.
Am Dienstag, den 2.7. durften wir also morgens wieder zur russischen Botschaft, um unser beantragtes 10-Tage-Transit-Visum abzuholen. Wir freuten uns, dass das geklappt hat, den es hätte ja aus unbekannten Gründen abgewiesen werden können. So radelten wir nochmal die 5 Kilometer zur Botschaft hin und zurück ohne Gepäck durch die Hauptstadt Kirgistans.
Zurück im Hostel packten wir wieder alles auf unsere Fahrräder und fuhren los – in Richtung Osten, nämlich nach Almaty.
So mussten wir uns an drei Sachen gewöhnen: Erstens, dass wir nach einer langen Pause wieder auf den Fahrrädern saßen, zweitens, wieder mit Gepäck Fahrrad zu fahren und drittens, dass wir wieder zu zweit unterwegs waren. Hannah und Maik waren am Mittwoch zuvor nach Istanbul geflogen und radeln von dort nach Hause. Zuvor hatten sie uns nach unserer Route von Deutschland nach Istanbul gefragt und es könnte sein, dass sie teilweise unsere Route in die andere Richtung fahren.
Wir waren nach der Pause ziemlich ausgeruht und es fuhr sich heute wieder gut! Aus der Stadt raus zu fahren machte nicht soo viel Spaß,denn die Straße war ziemlich befahren, da es die Straße zur Grenze nach Kasachstan ist. Bald waren wir auch schon an der Grenze, wo wir einen deutschen Reisenden trafen, dessen Motto es ist, per Anhalter um die Welt zu reisen. Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm, er verdient unterwegs Geld mit Feuershows. Dann überquerten wir die Grenze gemeinsam, wo sich ständig unnötigerweise Menschen vordrängelten, während wir mit unseren Fahrrädern durch Drehkreuze müssen.

Da laufen wir zur Grenze nach Kasachstan

Der Check unserer Taschen durch den Scanner wurde uns von einem jungen Grenzbeamten erspart und schon waren wir wieder in Kasachstan!
Dort besorgten wir uns erstmal eine SIM-Karte und verabschiedeten uns von Manuel, bevor es wieder durch die kasachische Landschaft ging. Wir nehmen die große Straße, um uns Umwege zu ersparen und fahren durch einige Getreidefelder, an Mähdreschern vorbei und ansonsten an von trockenem Gras bedeckten Hügeln vorbei, immer bergauf. Irgendwo hält ein Auto an und der Fahrer schenkt uns eine Flasche eines milchigen Getränks mit Brotbröseln drin.

Eine Stärkung, bevor es den Berg rauf geht

Das ist also wahrscheinlich das traditionelle Kwas. Wir bedanken uns und probieren gleich einen Schluck. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, da das Getränk ziemlich sauer ist. Wir nehmen den Rest mit, trinken abends noch ein paar Schlücke, schaffen es aber leider nicht, die Flasche leer zu trinken… Wir schaffen heute 500 Höhenmeter und suchen uns dann einen Platz für die Nacht mitten im Nichts. Beim Kochen schauen wir dem Sonnenuntergang hinter den Hügeln zu und freuen uns wieder, dass wir an so einem schönen Ort sein dürfen.

Schon schön hier…
Gleich gibt’s Essen!



Um halb 7 war es uns am Mittwoch zu warm im Zelt, wir frühstückten im Schatten des Zeltes und dann gings wieder los.

Wieder raus aus dem Grünen…

Wir hatten noch 110 Meter mit wenig Steigung zu erklimmen, vorbei an Windrädern, von denen nur 2 liefen.

…wieder auf die Straße

Dann ging es etwa 500 Höhenmeter mit 5 Prozent Steigung wieder hinab. Als wir unten waren, kamen wir zur großen Straße. Die ging es dann für den Rest des Tages entlang. Hier fuhren viele LKWs mit deutschen Namen der Spedition oder anderen Aufschriften, wie “Ich liebe meinen Bäcker”, “Bonduelle, Leidenschaft für Gemüse” und “Jungpflanzen” und viele andere an uns vorbei. Außerdem viele leere Autotransporter und drei Rotorblätter für Windräder. Wir fuhren heute vor allem neben der Straße, nämlich auf der sich noch im Bau befindenden Straße, die mal schon asphaltiert war, aber meist aus plattgewalztem Kies bestand.

Hier hatten wir neuesten Asphalt für uns allein, juhuuuu!


Für unsere Mittagspause fanden wir traditionelle, überdachte Sitzbereiche, wo wir belegte Brote aßen und uns dann etwas hinlegten. Wir wurden von Gesprächen geweckt, denn die Bauarbeiter machten auch hier Pause.

Mittagspause auf den Liegen im Schatten

Als sie sahen, dass wir wach waren, fragten sie uns freundlich ein bisschen aus. Dann gingen sie wieder an die Arbeit, wir füllten unsere Flaschen an der Quelle nebenan und fuhren auch weiter. Weiterhin konnten wir meist auf der sich im Bau befindenden Straße auf festgewalztem Boden fahren und die Fahrer der Walzen grüßten uns immer freundlich.

Auch sonst wurden wir heute oft gegrüßt, winkend oder auch mit der Hupe. Wie angenehm, dass jedes Hupen, das wir hörten, uns zum Gruße verwendet wurde 🙂
Nachmittags waren wir schon 70 Kilometer gefahren, und da es nach Almaty gar nicht mehr soo weit war, machten wir noch eine Eispause an einer Raststätte. Kurz darauf fanden wir zwischen den gelben Grashügeln einen ruhigen Platz für unser Zelt.




Auch heute, am 4.7. wurde es uns um halb 7 zu warm, also standen wir schnell auf und fuhren nach dem Frühstück los. Die Straße war am Morgen noch halbwegs ruhig und der Rückenwind schob uns ein bisschen die Hügel rauf und wieder runter.

Die Jungs im Dorf waren auch flink mit den Fahrrädern unterwegs

An einer Raststätte, wo wir im klimatisierten Raum Kartoffeltaschen aßen, machten wir eine kurze Pause und konnten an einer Quelle wieder unsere Wasserflaschen auffüllen.

Frisches kühles Wasser ist ne Wohltat!


Wir fuhren noch ein paar Kilometer und machten dann eine lange Mittagspause im Grünen bei einem Hof. Da standen plötzlich vier Esel und zwei Kamele neben uns und schauten, was wir da machten.

Besuch in der Mittagspause 🐫

Nachmittags fuhren wir noch ein paar Kilometer, bis wir uns einen Zeltplatz vor der Großstadt Almaty suchten. Das war nicht ganz so einfach, da Almaty schon zu sehen war, aber wir fanden einen schönen Ort unter einem Baum, von wo wir einen tollen Ausblick beim Kochen hatten.

Die Berge konnten wir in live besser sehen als hier auf’m Bild
Und dann schaute noch ein Regenbogen vorbei



Die Nacht auf Freitag, den 5.7.war vielleicht die unruhigste, die wir bisher auf der Reise im Zelt hatten. Gerade als Simon eingeschlafen war, raschelte es erst neben dem Zelt im Gras und dann unter der Plane. Also musste Simon wieder geweckt werden. Wir konnten aber nichts entdecken, dann fing es an, zu regnen und in der Ferne zu gewittern. Der Regen hörte bald auf und das Rascheln wurde weniger, also schliefen wir ein. Simon wurde nachts noch ein paar Mal vom Rascheln wach und meinte, dass er bestimmt eine Mäusefamilie gehört und gespürt hatte. Manchmal stupsten Nasen an seine Beine, wenn er seine Beine neben die Isomatte legte.
Wir hatten unser Zelt schlauerweise neben einen Baum gebaut, daher konnten wir morgens etwas länger liegen bleiben, da die Sonne nicht direkt nach Sonnenaufgang auf unser Zelt brannte und außerdem regnete es morgens immer wieder. Also hörten wir dem Regengeprassel auf dem Zelt noch ein bisschen zu, bevor wir frühstückten, zusammenpackten und wieder losfuhren. Schon nach einigen Kilometern war die Straße nach Almaty völlig überfüllt und wir hatten wenig Lust, uns mit den Kraftfahrzeugen über die Straße zu quälen. Aber kurz danach sahen wir, dass ein LKW mitten auf einer Kreuzung liegen geblieben war und deshalb alle 2-3 Spuren auf einer Spur an diesem vorbeifahren mussten. Danach war es angenehmer auf der Straße und wir hatten den Seitenstreifen wieder für uns. Auf dem Weg in die Stadt rein fanden wir sogar hin und wieder einen schönen Radweg, das erst Mal seit China für uns!

So ein Fahrradweg ist ein Traum!

Wir besuchten zwei Hostels, die aber keinen Platz für unsere Fahrräder hatten, also fuhren wir zum wanderlust Hostel, wo es uns gut gefiel und wir mit anderen Reisenden quatschten, lasen, kochten und auf den Tag unserer Zugabfahrt warteten.

Das Leben im Hostel ist auch mal wieder schön!

2 Antworten zu „(109) Hügel, Steppe, Kamele (und Esel)“

  1. Hejhej ihr zwei Lieben,
    heißt das wir sehen uns bald wieder *freu*?
    An welch Grenze wollt ihr denn Fahren: Finnland? Sehr spannend!
    Liebe Grüße
    Martin

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    1. Avatar von fahrradfahrenfetzt
      fahrradfahrenfetzt

      Hallo Martin, wir freuen uns auch schon darauf, euch „bald“ wiederzusehen!
      Mit dem Zug geht es nach Sankt Petersburg und dann nach Estland!

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