Am 10. Juli packten wir morgens nach dem Frühstück wieder unsere Taschen auf die Fahrräder, verabschiedeten uns noch von zwei Indern, die mit uns im Hostel waren und fuhren zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin wechselten wir noch Geld und wurden sogar unsere vietnamesischen Dong los. Dann fuhren wir zum Bahnhof, wo wir mit den Menschen des Gepäcktransportes verhandelten, wie unsere Fahrräder bis nach Novosibirsk in unserem ersten Zug transportiert werden können. Sie wollten viel zu viel Geld, am Ende zahlten wir etwa 30 Euro für das Verpacken, Einladen und Transportieren zur Grenze. Dort sollten wir dann mit dem Bahnbegleiter in unserem Waggon verhandeln, wie viel es dort kostet…
Naja. Zwischendurch kam noch ein lustiger Mensch vorbei, der uns seine Edelsteine zeigte, die er verkaufte.

Dann wurden unsere Fahrräder mit Klebeband und Frischhaltefolie verpackt und später auch eingeladen.


Wir fanden unsere Betten in einem offenen Abteil, oben. Über uns war Platz fürs Gepäck. Gut fürs Gepäck, schlecht für die Köpfe, denn es war wenig Platz über den Köpfen und das Aufsteigen ins Bett war nicht so leicht.

Außerdem lief zwar wohl eine Klimaanlage, aber die konnte nichts ausrichten und so hatte es mindestens 30 Grad im Zug. Als es dunkel wurde, wurde es zum Glück kühler und wir mussten nachts nicht mehr schwitzen, uns aber auch nicht zudecken.
Am nächsten Morgen hatte es ab 9 Uhr wieder 30 Grad oder mehr und wir klebten an den Sitzen… Wir fanden irgendwann auch heraus, warum es in unserem Abteil besonders warm war: Wir hatten die Betten an einem Notausstiegsfenster gebucht, das man nur im Notfall aufmachen kann. Die anderen hatten kleine Fenster gekippt und zumindest bei der Fahrt eine leichte Brise. Wir sehnten uns nach Fahrtwind!
Es ging den ganzen Tag durch die kasachische Steppe und immer wieder durch Städte.

Durch den Zug lief immer wieder eine Frau, die Schokolade und Schnaps verkaufte und eine, die geräucherter Fisch verkaufen wollte, was man noch einige Zeit danach roch.
Am Abend kamen wir an die kasachisch-russische Grenze. Schon vorher bekamen wir “Laufzettel” auszufüllen, in doppelter Ausführung. Einen sollten wir bei der Einreise abgeben und einen bis zur Ausreise aus Russland behalten. An der Grenze hieß es vor allem Geduld haben, denn der Zug stand zuerst mindestens eine halbe Minute, bis die kasachischen Grenzbeamten durch den Zug liefen und alle Pässe der Menschen mit einem coolen mobilen Computer kontrollierten. Danach wurden alle Gepäckstücke angeschaut. Hier wurden alle unsere Taschen kontrolliert, so gut wie noch nie auf dieser Reise. Dann durften wir alles wieder verpacken, bevor noch ein Hund durch den Zug geführt wurde, dessen Nase nochmal alles checkte. Dann fuhren wir einige Kilometer weiter, bevor die russischen Grenzbeamten die ausgefüllten Zettel und unsere Pässe mit den Transitvisa kontrollierten und uns dann Stempel gaben. Auf dieser Seite wurden unsere Taschen nicht so wirklich kontrolliert, nur ein Hund schnupperte herum. Beim Checken unserer Pässe lernten wir eine nette Kasachin kennen, die als Übersetzerin arbeitet und uns so die Fragen der Beamten übersetzte. Wir konnten alles gut beantworten und durften einreisen. Dann konnte der Zug weiterfahren und wir irgendwann schlafen.
Am nächsten Morgen waren wir auch schon in Novosibirsk, wo wir mit unseren Fahrrädern ausstiegen und diese dann am Bahnsteig wieder zusammenbauten.

Wir suchten uns ein Hostel nicht weit vom Bahnhof, wo wir aber erst um 14 Uhr einchecken konnten. Also gingen wir noch ein bisschen in Novosibirsk spazieren.

Kurz nach 14 Uhr konnten wir im Schlafsaal einchecken und duschten erstmal. Später gingen wir noch Abendessen in der Stadt, da die Küche im Hostel nur eine Mikrowelle war. Es gab nur noch Betten im Männer- bzw. Frauenschlafsaal, also quatschte Simon noch ein bisschen mit dem Übersetzer mit den Jungs in seinem Schlafsaal und Karin schaute noch etwas russisches Fernsehen mit den Frauen. Dann gingen wir schlafen.
Am Samstag schliefen wir lange in unseren Hostelbetten, frühstückten und checkten vor 12 Uhr aus. Dann hatten wir immer noch gute 13 Stunden, bis unser Zug in Novosibirsk einfahren wird.
Wir verbrachten den Tag vor allem in der Hostelküche, wo wir mit einer russischen Mutter, die mit ihrem Sohn fürs Wochenende in der Stadt war, auf deutsch sprachen. Zum Mittagessen gingen wir ins veggie vibes, wo wir sehr leckere Nudelgerichte aßen.

Nach einem kleinen Spaziergang und Abendessen machten wir uns abends auf den Weg zum Bahnhof, um dort weiter auf den Zug zu warten. Wir wurden immer aufgeregter, weil wir noch nicht wussten, wie und ob überhaupt unsere Fahrräder transportiert werden würden…

Um halb 2 stand dann endlich das Gleis unseres Zuges auf der Anzeigetafel und wir konnten unseren Waggon 13 suchen, der aber erst noch angehängt werden musste. Da schien uns eine Stunde Wartezeit hier im Bahnhof gar nicht mehr so lange, vor allem, weil die Zugbegleiterin unseres Waggons von jedem Passagier der langen Schlange jeden Buchstaben des Tickets ganz genau checkte.

Und wir wollten ja noch unsere Fahrräder und all die Taschen im Zug verstaut wissen. Erstmal stiegen noch drei Hunde mit ein… 🐕 🐩 🐕🦺
Etwa 10 Minuten vor Abfahrt versuchten wir unserer Waggonbegleiterin zu erklären, dass sie uns sagen sollte, wo die Fahrräder hin sollten. Sie wollte uns aber nicht antworten oder wusste selbst nicht so recht, was damit zu machen sei. Naja, wir bauten erstmal die Vorderräder ab und stellten sie in die Tür. Dann verstauten wir unsere Taschen über unseren Betten. Dann erklärte sie uns, wir sollten mit der Zugchefin reden und ein Ticket für Fahrräder kaufen. Das machten wir, es kostete 20 Euro für beide. Und dann hatten wir es uns gerade gemütlich gemacht um halb vier in unserem offenen Abteil, wo überall schon das Licht aus war, als unsere Waggonbegleiterin sagte, wir sollten die Fahrräder über uns in die Gepäckablage verstauen. Sie sagte das, als wäre das in zwei Minuten erledigt…
Naja, also bauten wir noch mehr Teile der Fahrräder ab, legten unsere Taschen auf die Betten und bauten etwa ne halbe Stunde lang so leise wie möglich mit Stirnlampe die Fahrräder über unseren Köpfen ein. Dann stopften wir noch die Taschen daneben und alle waren zufrieden… Um 4 Uhr wurde es draußen schon hell und der Nebel hing über den Feldern, als wir endlich schlafen gingen.

Wir schliefen etwa bis 10 Uhr, als die Herren unter uns in Omsk ausstiegen und zwei Damen deren Plätze übernahmen. Wir fuhren lange durch Birkenwälder, die ab und zu von Wiesen abgewechselt wurden, aber die Landschaft änderte sich nicht besonders aus dem Zugfenster.


Im Wagenkiosk gab es Getränke, Souvenirs, Kissen und auch Instantkartoffelbrei, den wir zu Mittag probierten. Dann machten wir einen langen Mittagsschlaf und sahen immernoch Birkenwälder draußen.
Wir fuhren heute durch mehrere Zeitzonen, also bekamen wir heute unterwegs zwei mal eine Stunde dazu, also hat unser Tag 26 Stunden, das hätten wir an einem Radfahrtag besser gebrauchen können. Wir hatten Stromanschlüsse an den Betten, also konnte Simon ganz viel spielen und Karin ganz viel auf dem tolino lesen. Manchmal hielten wir etwas länger, dann konnten wir unsere Beine draußen vertreten. Wir durften natürlich auch bei den Frauen unten sitzen und essen.

Die Klimaanlage war eine Wohltat, es hatte durchgehend 25 Grad, die Toiletten wurden stündlich kontrolliert und oft genau dann geputzt, wenn Karin mal musste… Es war trotz Hunden, Kindern und Smartphones total ruhig in unserem Waggon. Wir gingen früh schlafen und konnten gut schlafen.
Am Montag, dem 15. Juli, kriegten wir morgens schon wieder ne Stunde geschenkt, sodass wir trotz langem Schlafen schon um 8 Uhr wach sind, passend zu einer 38-minütigen Pause in Balezino, wo wir frische Luft schnappen können. Weiter geht es durch Birkenwälder und grüne bis gelbe Getreidefelder.
Nachmittags lösten Mutter und Tochter unter uns Kreuzworträtsel mithilfe der Dame nebenan mit Hund und dem jungen Mann von oben nebenan. Was man halt so in zwei Tagen Zugfahrt macht. Karin hat zwei Bücher durchgelesen und Simon ist mindestens 12 Level weitergekommen. Abends machen wir noch eine Suppe mit heißem Wasser, das es auch hier im Zug kostenlos gibt und gingen schlafen, während der Zug weiter vor sich hin in Richtung Sankt Petersburg tuckerte.


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