Am 19.7. klingelte unser Wecker um 8 Uhr, aber es war so gemütlich im großen Zelt, dass wir noch etwas liegen blieben, bevor wir unterm Pavillon im Garten Porridge frühstückten. Obwohl es nachts nochmal geregnet hatte, waren alle unsere Sachen im großen Zelt wieder trocken geworden, wir konnten alles einpacken und wieder losstarten. Wir überlegten noch etwas hin und her, wo wir nun in Estland lang fahren wollten und entschieden uns, quer durchs Land zu fahren. Da gibt es oft Radwege, denen wir folgen können. Also fuhren wir erstmal nach Kunda, eine Stadt, die für ihr Zementwerk bekannt ist, das von der deutschen Firma Heidelbergcement gekauft wurde. Wir gingen nicht ins Zementmuseum, sondern nur einkaufen und radelten dann weiter. Heute ging es nur schwer voran, da wir fast den ganzen Tag Gegenwind hatten. Es regnete immer wieder, sodass wir die Regenklamotten gar nicht erst ausziehen brauchten…

Zur Mittagszeit war es sogar trocken, sodass wir im Park von Haljala picknicken konnten. Nach der Mittagspause waren aber Gegenwind und Regen wieder da. Naja. Über die estnische App RMK (vom estnischen Waldmanagement) fanden wir für heute einen Picknickplatz mit überdachtem Tisch, Grillstelle, Holzvorrat und Komposttoilette. Jei, wir waren nun echt gefühlt sehr lange nicht mehr drinnen und fühlten uns ein bisschen, als würden wir im Wald wohnen… Voll gut!

Wir wachten am 20.7 morgens nach einer sehr erholsamen Nacht auf, frühstückten, dann regnete es leider das Zelt nochmal nass, aber egal, Einpacken und los. Die ersten paar Stunden konnten wir im Trockenen durch die estnische Landschaft fahren.

Zur Mittagspause fanden wir in einer Stadt einen Fußball- und Spielplatz mit Johannisbeersträuchern voller roter Johannisbeeren, ein Traum! Dort regnete es nochmal kurz, aber wir konnten ohne Regen Mittagspause machen.

Weiter ging es, bis nach Türi, wo wir noch an einer Bank an einer Tankstelle Luft in den Reifen auffüllten, kurz Pause machten und schon Unwetter aufziehen sahen.

Wir fuhren noch bis zum Supermarkt, wo während Karin einkaufte, die Welt draußen unterging. Der Himmel machte die Schleusen auf, der Parkplatz des Supermarktes stand etwa 15 cm unter Wasser, neben dem Parkplatz sprudelte das Wasser geisirartig aus einem Rohr aus dem Boden, die Leute warteten mit uns im Supermarkt, bis es weniger wurde und sogar eine Supermarktmitarbeiterin kam zur Tür gelaufen, um sich diesen Wolkenbruch anzusehen. Dann fiel kurz der Strom im Supermarkt aus. Als der Regen weniger wurde, aber nicht aufhören wollte, fuhren wir halt in Regenklamotten weiter. Ab dann sollte es nur noch nasser werden. So merkten wir erst einige Kilometer später, dass wir in Türi wohl die falsche Straße aus der Stadt heraus genommen hatten und mussten 4 Kilometer mehr fahren. Da es nicht aufhören wollte zu regnen, fanden wir die Idee immer attraktiver, wieder eine kleine überdachte Hütte wie letzte Nacht zu haben. Dafür mussten wir aber noch 20 km fahren. Zum Glück sind hier die Tage gerade sehr lang, also nahmen wir uns vor, heute noch bis zum RMK Platz zu radeln. Es regnete auch immer weiter, und da die Regenjacken nicht (mehr?) dicht sind, war es gut, in Bewegung zu bleiben, um nicht zu kalt zu werden. Um etwa 20 Uhr und nach genau 100 km erreichten wir den RMK-Zeltplatz an einem See, wo schon eine Familie mit Camper mit Anhänger und allem Drum und Dran waren und zwei junge estnische Pfadfinder*innen, die übers Wochenende hier campten. Zu den beiden setzten wir uns und kochten erstmal Nudelsuppe und aßen unter dem Dach, während wir mit den beiden quatschten. Sie erzählten uns, dass die Grillstellen anden RMK Plätzen von Häftlingen hergestellt werden, die damit ein bisschen verdienen. Um halb 10 hörte es glücklicherweise auf zu regnen, wir konnten unser Zelt aufbauen, einen Regenponcho über die undichte Naht spannen, und waren nach den 100 km heute auch bald im Zelt eingeschlafen.

Morgens am 21.7. war es draußen trocken, aber unser Zelt und die Isomatten noch nass. Wir frühstückten Porridge, wie die beiden Pfadfinder*innen und packten alles ein und es ging erstmal wieder durch den Wald. Dann fuhren wir durch Getreidefelder, Buchweizen, Weizen, Hafer, Gerste, Mais und auch Erbsen. Dann führte der Radweg uns über eine Hängebrücke, die überraschend schwankte, als wir drüber fuhren.

Kurz danach kamen wir an eine Bushaltestelle, wo wir erstmal Mittag machten und unsere nassen Sachen zum Trocknen auslegten.
Ab dann ging es unserem großen Ziel entgegen: 🥨! In Pärnu, der Stadt, wo wir uns heute Abend bei einem iranischen Ehepaar zum couchsurfen eingeladen hatten, gibt es einen LIDL, und der ist unter deutschen Radreisenden dafür bekannt, Brezeln zu verkaufen. Also auf zu den Brezeln! In Pärnu führte uns ein schlechter Radweg, der Baustelle war, zum LIDL, aber wir scheuten keine Mühe, um zu den Brezeln zu gelangen! Der Laden war riesig und man fühlte sich darin wie in Deutschland, aber wir kauften nur Brezeln und waren mega glücklich!
Danach fuhren wir zu Sepideh und Jashar, wo wir noch lange über unsere Erfahrungen im Iran und ihre Erfahrungen in Estland redeten. Sie meinten, dass wir wirklich viel vom Iran gesehen haben und man echt sagen kann, dass wir das Land erlebt haben.
Nach einer sehr wohltuenden Dusche und einem köstlichen iranischen Abendessen schliefen wir ein und fanden es fast komisch, mal wieder drinnen zu sein.
Am Morgen des 22.7. gab es Eier, Käse, Marmelade und Brot zum Frühstück und wir redeten noch eine Weile, denn die beiden hatten heute frei. Wir genossen es auch, so ein gutes Gespräch über die Welt und die Kulturen zu führen. Irgendwann gegen Mittag mussten wir uns dann aber doch losreißen und machten noch ein Abschiedsfoto mit den beiden.

Wir fuhren weiter nach Süden, denn wir wollten heute wieder auf einen RMK Campingplatz. Der lag nur etwa 55 Kilometer entfernt, also waren wir heute frisch geduscht und ganz entspannt. Wir fuhren auf Radwegen an der Küste entlang, hörten Möwen schreien, sahen Störche und fuhren durch Wälder, wo wir Blaubeeren pflückten, und später an der Hauptstraße auch noch weiße Johannisbeeren.
In unserer Mittagspause trafen wir Roman, einen deutschen Radler und kurz danach zwei Münchner Radurlauber*innen und auf dem Campingplatz noch zwei französische Reiseradler*innen. Wir erreichten bald den Campingplatz, der richtig groß ist. Dort gibt es viele Grillstellen und Komposttoiletten. Die Sprache der Leute hier, die wir so hören, klingt so cool, vor allem finnisch. Wir bauten unser Zelt neben dem französischen Paar auf und gingen erstmal schwimmen, denn der Campingplatz liegt direkt am Meer. Danach kochten wir Nudeln mit roter Bete und Schafskäse und gingen bald schlafen, der Sonnenuntergang auf dem Meer wäre vielleicht schön gewesen, aber spät und dauert so lang, wir waren zu müde, um ihn genießen zu können.

An diesem Campingplatz gönnen wir uns einen Tag Pause am Meer, gehen schwimmen und genießen den Blick aufs Meer. Am Dienstagabend fährt eine französische Familie auf zwei Hase Tandems auf den Campingplatz und baut ihr Zelt neben uns auf. Wir unterhalten uns mit ihnen über ihre Reisen und kochten und aßen zusammen.



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