Wir verbrachten den Samstag, den 28. Juli entspannt auf dem Campingplatz.

Morgens waren alle Camper bis auf ein Zelt abgereist. Nach und nach kamen neue Wohnmobile an. Da die Rezeption nicht immer besetzt war und wir eh da waren, erklärten wir all den Ankommenden, wo Duschen, Toiletten und die Küche sind. Dabei lernten wir ein Hamburger Paar kennen, das mit ihrem Bulli um die Ostsee fährt. Wir unterhielten uns mit ihnen über unsere Reisen, bis es dunkel wurde. Inzwischen sind wir so weit in den Süden gereist, dass es schon um kurz nach 22 Uhr dunkel wird.
Am Sonntag fuhren wir nach dem Frühstück wieder los und verabschiedeten uns von den Hamburgern. Die beiden und auch die Campingplatzbesitzerin warnten uns vor einem aufkommenden Gewittersturm. Wir wollten uns einen guten, sicheren Ort für die Nacht suchen. Dann stellten dann noch auf dem Campingplatz fest, dass Karin im Hinterrad mal wieder einen Draht eines Reifens hatte.

Wir flickten schnell und fuhren dann wirklich los, um so weit wie möglich vor dem Sturm zu kommen.

Nach etwa 15 Kilometern waren wir an der Grenze zu Litauen, die einfach zwischen Feldern und Wald war.

In der Mittagspause in einer Bushaltestelle in einem Dorf, sah uns ein Mädchen, das gegenüber wohnte und kam immer wieder zu uns gerannt, um mit uns zu sprechen. Als sie merkte, dass wir kein litauischen sprechen, kam sie immer wieder mit Zetteln, auf denen “where do you come from?” “are you travelling by bike?” und “nice to meet you” standen, die wahrscheinlich ihr großer Bruder geschrieben hatte. Neben uns größte auch ein Emu zwischen Hühnern in einem Auslauf.

Weiter ging es und wir hatten zum Glück (noch) keinen Gegenwind, nur Regen. Und Simon merkte, dass sein Fahrrad hinten eine Acht bekam und es ziemlich eierte. Wir hatten eine ganz leichte Acht bei Simon und auch bei Karin in den letzten Tagen schon bemerkt, aber heute kam es Simon besonders schlimm vor. Nach heutigen 70 Kilometern kamen wir um etwa 19 Uhr an einer Wiese an einem See mit einem Unterstand an. Hier wollten wir für heute bleiben, da der Unterstand von drei Seiten Windschutz gab. Simon schaute sich sein Hinterrad genau an,…

… und sah dann den Grund für die Instabilität des Rades: Die Felge hatte an mehreren Stellen Risse von den Speichen in Längsrichtung.

Das kann ziemlich gefährlich sein, wenn die Felge weiter reißt. Dann schauten wir uns Karins Fahrrad an und da waren auch schon leichte Risse zu sehen. Wir waren erstmal etwas traurig, weil wir so erstmal nicht mehr viel Fahrrad fahren sollten.
An dem Parkplatz beim See kam noch ein Schwede vorbei, der meinte: Bei dem aufkommenden Sturm heute Nacht solltet ihr drinnen schlafen! Wir wägten Alternativen ab und entschieden uns dann, doch nochmal 40 Kilometer in die nächste Stadt mit nicht mega teuren Hotels und einem Bahnhof zu radeln, um am nächsten Tag mit dem Zug nach Vilnius in einen guten Fahrradladen zu fahren. Das Gewitter war auf der Karte wie eine Spirale eingezeichnet und je nachdem, wo das Zentrum ist, würden wir Gegen- oder Rückenwind haben…

Wir fuhren also wieder los und hatten: Gegenwind. Trotzdem nahmen wir unsere Kräfte zusammen und radelten immer weiter. Wir fuhren entlang der größten Straße in Litauen und nach 10 Kilometern erschien plötzlich ein Radweg neben der Straße, über den wir uns sehr freuten! Wir hatten ein Hotel am Ortseingang gefunden, bei dem man nur bis 22 Uhr einchecken konnte, dort wollten wir gerne pünktlich ankommen, um nicht noch weiter radeln zu müssen. 10 Minuten vor 22 Uhr standen wir davor und konnten in ein richtig schönes Zimmer mit Holzdecke und Balkon einchecken. Draußen sahen und hörten wir, wie es begann, ums Haus herum zu stürmen. Da waren wir sehr froh, es heute bis hierher geschafft zu haben. Dann ging es daran, eine gute Verbindung mit den Fahrrädern nach Vilnius und Übernachtungsmöglichkeiten dort zu organisieren… und Abendessen… und duschen… und dann irgendwann ziemlich spät schlafen…
Am Montag wollten wir nicht zu lange schlafen, um am selben Tag noch in Vilnius anzukommen. Wir frühstückten, während draußen immer wieder Feuerwehrautos vorbeifuhren und überall kleine und große Äste herumlagen und radelten vorsichtig zum Bahnhof. Dort nahmen wir einen Bummelzug mit 3 Stufen nach Šiauliai, um von dort weiter nach Vilnius zu fahren.

In Šiauliai hatten wir etwas Aufenthalt, wo wir in einer typisch litauischen “Kantine” essen gingen und im regengeschützten Bahnhof warteten.
Um 18 Uhr ging es mit anfangs schon 40 Minuten Verspätung endlich weiter nach Vilnius, wo wir um 20 Uhr ankommen sollten, aber erst um 21 Uhr wirklich ankamen und erstmal durch bzw. um fast die komplette Innenstadt (in etwa 5 Kilometern) in unser Hostel fuhren. Dort checkten wir ein, kochten Abendessen und gingen erstmal in unserem Schlafsaal schlafen.
Am Dienstag war Karin um halb neun wach und holte Brezeln und Butter fürs Frühstück 😁. Das klingt so normal, war es für uns aber jetzt längere Zeit nicht… Dann machten wir alles von den Fahrrädern ab und fuhren zu einem Fahrradladen mit guten Bewertungen in der Nähe. Die Fahrradmechaniker waren sehr hilfsbereit und sagten, dass wir mit Gepäck mit diesen Felgen wirklich nicht mehr weiter fahren sollten. Sie hatten aber keine so stabilen Felgen auf Lager. Also fragten wir beim Hersteller unserer Fahrräder nach, ob sie zwei Felgen und 64 Speichen in diesen Fahrradladen nach Vilnius schicken können. Sie sagten zu und meinten, dass die Felgen eigentlich stabil genug sein sollten und dass die neuen in hoffentlich zwei Tagen in Vilnius sein können. Dann hieß es für uns: Ganz viel Zeit, um Vilnius anzuschauen. Der Sturm hat sich zum Glück gelegt, es regnet nur noch ab und zu.




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