Gut erholt ging es für uns weiter, wir nahmen den erklärten Weg über den Deich, fanden immer wieder Maulbeeren und stoppten hin und wieder für einen kleinen Snack.

Die Strecke führte den Rest des Tages meist über größere Straßen, es passierte nicht viel und wir fuhren fleißig immer weiter in Richtung Süden. Irgendwann kamen dann zwei größere Hügel, die wir für unsere Verhältnisse erstaunlich schnell erklommen, das Training der letzten Wochen kommt scheinbar in den Beinen an. Im Anschluss an die Hügel kamen wir mit dem Feierabendverkehr einer größeren Stadt, trotz viel Verkehr und wenig Platz kamen wir relativ gut durch und verließen die Stadt durch die anliegenden Industriegebiete in der Abendsonne.

Kurz dahinter fanden wir einen guten Platz zum Zelten und waren beim Blick auf den Tacho etwas stolz auf uns, denn wir waren das erste Mal über 100 Kilometer gefahren.
Wir hatten uns für den nächsten Morgen einen Wecker gestellt und wollten wieder so um 8 Uhr weiter fahren. Daraus wurde aber nichts, da der Himmel bewölkt war und es im Zelt noch nicht so schnell warm wurde. Also blieben wir noch bis 10 Uhr liegen und frühstückten ganz entspannt bis 11 Uhr. Dann ging es weiter den nächsten Hügeln entgegen. Die Route war so geplant, dass wir den großen Hügel mit 850 Meter Höhe auslassen und dafür einen niedrigeren mit ca. 500 Höhenmetern und danach etwas mehr auf und ab zu überwinden hatten. Das funktionierte auch erstaunlich gut, da wir uns an die Steigung zwischen 5 und 9 Prozent mittlerweile gewöhnt haben. Das Frühstück, das wir vorher hatten, hat aber auch geholfen. Nach den Hügeln wurde die Landschaft etwas trister, mehr Getreidefelder und vor allem auch viele trockene braune Hügel. Was aber richtig gut war, war der Rückenwind. Wir wurden richtig in Richtung Süden geschoben, immer wieder kamen Böen und wir konnten auf großen aber nicht sehr vollen Straßen entspannt fahren. Als es langsam spät wurde, fanden wir einen Olivenhain, in dem es einen Platz für unser Zelt gab. Als wir es gerade aufgebaut hatten, kam eine junge Familie in den Hain. Wir haben uns schnell gezeigt und gefragt, ob es ok sei, wenn wir dort zelten. Sie sagten, dass es ihre Fläche ist und sie nichts dagegen haben, wenn wir dort bleiben, Glück gehabt 🙂

In der Nacht wurde unser Zelt ordentlich vom Wind durchgeschüttelt, es war das erste Mal, dass der Wind nachts nicht nachgelassen hatte. Als wir aufgestanden waren, stellten wir zufrieden fest, dass der Wind etwas stärker geworden war und weiterhin aus Norden kam. Erstaunlich, wie gut das Fahrradfahren geht, wenn der Wind uns richtig hilft! Es ging durch kleine Dörfer und dann weiter an Olivenhainen vorbei bis ans Mittelmeer. Dort kamen wir am frühen Nachmittag an und fanden einen Platz unter einem sehr großen Olivenbaum für unsere Pause. Der Wind war angenehm kühl und der Blick in die Bucht mit dem türkisen Meer und den dahinter liegenden Hügeln super schön.

Nach der Pause ging es in die nächste Kleinstadt, wo wir unser Wasser auffüllen und noch eine Flasche Ayran kaufen konnten. Dort ruhten wir uns nochmal kurz aus, um bei den mittlerweile fast 30 Grad nicht zu lange in der Sonne zu sein. Weiter ging es durch ein Industriegebiet, das direkt an den Containerhafen angrenzte, für ca. 15 Kilometer gab es viel Verkehr, Staub und Lärm. Als wir das Hafengelände endlich hinter uns gelassen hatten, wollten wir einen Platz für unser Zelt finden. Leider war es nicht so einfach, entweder war es steil, eingezäunt oder sehr gut einsehbar. Als wir endlich einen halbwegs passenden Olivenhain gefunden hatten, fuhren wir zu dem Haus, das am Ende der Plantage stand, um zu fragen ob wir dort zelten dürfen. Leider gehörten die Oliven den Leuten nicht. Aber sie boten uns direkt an, dass wir in ihrem Garten zelten dürfen. Das nahmen wir nach den mittlerweile 106 Kilometern gern an 🙂 Wir müssen richtig erschöpft ausgesehen haben, denn die türkische Gastfreundlichkeit durften wir mal wieder von ihrer besten Seite erleben. Uns wurde Abendessen angeboten, was wir nicht ablehnen durften und falls wir unser Zelt lieber eingepackt lassen möchten, sollten wir doch bitte im Haus schlafen. Wir wollten aber gern Zelten und die gute Luft genießen, das konnten unsere Gastgeber gut verstehen.
Der nächste Tag startete früh, die Sonne war um halb sechs aufgegangen und im Zelt wurde es ungemütlich warm. Unsere Gastgeber waren auch schon auf den Beinen und gossen das Gemüse und die kleinen Obstbäume im Garten. Wir durften erst nach dem Frühstück los, welch ein Glück, so durften wir die vielleicht beste Feigenmarmelade der Welt (das ist nicht untertrieben!) Kosten und konnten gestärkt starten. Das Tagesziel war Izmir, wir fuhren auf kleinen Straßen mit wenig Verkehr in Richtung Stadt. Auf den ersten 30 Kilometern fuhren wir durch immer trockener erscheinende Landschaften.

Dann machten wir mindestens 1,5 Stunden Pause in einem kleinen Park. Was wir nicht wussten, war, dass direkt im Anschluss an diesen Ort ein Fahrradweg anfängt, der bis in die Stadt führt. Wir hatten also mal wieder das perfekte Timing und konnten am letzten ruhigen Ort Pause machen, bevor es in die Stadt ging. Der Fahrradweg hatte seinen Namen wirklich verdient, gut markiert und für 25 Kilometer vom Straßenverkehr halbwegs abgetrennt verliefen einige Teile durch Eukalyptusaleen, andere an der Bucht von Izmir und den dort lebenden Flamingos vorbei. Seit wir Österreich hinter uns gelassen haben, hatten wir keinen so guten Fahrradweg mehr.


Der Weg zu der WG, in der wir die nächsten zwei Tage bleiben dürfen, verlief dann auf einer größeren Straße, wir hatten aber viel Platz und einen Fahrradstreifen, auf dem nur sehr selten geparkt wurde. Wir sind also gut in Izmir angekommen, machen jetzt einen Tag Pause, um einiges an den Fahrrädern und Taschen zu reparieren, und dann geht es weiter durch die Türkei. Bisher ein Land, das uns mit unglaublich weit geöffneten Armen empfangen hat.


Hinterlasse eine Antwort zu Ich Antwort abbrechen