(34) Und noch mehr Landwirtschaft!

Am Morgen des 30.6.23 standen wir mal wieder vor 6 Uhr auf, damit es uns im Zelt nicht zu warm wurde. Wir frühstückten am Zelt und fuhren wieder auf die Straße. An einer Haltebucht picknickte gerade eine Familie, die uns direkt ihre Çay-Gläser entgegenstreckte und uns auf einen Çay einlud. Die Eltern fuhren mit ihren zwei erwachsenen Töchtern nach Kappadokien, denn es war ja Zeit dazu, weil Feiertage zum islamischen Opferfest sind. Wir fuhren an Getreide-, Mais- und Zuckerrüben-Feldern vorbei zur nächsten Tankstelle, um dort dem geflickten Reifen wieder genug Luft zu geben, was mit der kleinen Luftpumpe, die wir dabei haben, nicht so gut geht wie mit dem Kompressor an der Tankstelle. Dort saß ein Mann, der erstmal unsere Fahrräder bestaunte und uns auf einen Tee einlud. So kamen wir ins Gespräch und erfuhren, dass er der Landwirt ist, dem die umliegenden Zuckerrübenfelder gehören und der den Betrieb hinter der Tankstelle mit neun Mitarbeitern, fünf davon sind seine Söhne, bewirtschaftet. Nach dem ersten Çay zeigte er uns seine Traktoren, Mähdrescher und die Lagerhalle. Zwei Mitarbeiter waren gerade dabei, den Mähdrescher abzuschmieren. Kurz später sahen wir den Mähdrescher aufs Feld fahren, denn es ist hier Zeit, die Gerste zu dreschen. Wir gingen wieder zur Tankstelle, tranken noch einen Tee und zeigten uns gegenseitig Fotos aus der Landwirtschaft. Er zeigte uns auch ein Video, wie er selbst mit der Reihenfräse durch die Zuckerrüben fuhr. Und wir zeigten ihm Bilder von der Arbeit mit Gemüse in der Gärtnerei, wo wir die letzten Jahre gearbeitet haben. Wieder mal wurden wir gefragt, wie der Betrieb denn jetzt läuft, wenn wir hier unterwegs sind. Dann erklären wir in Kurzfassung, dass der Betrieb nicht einer Familie gehört, sondern vielen Menschen zusammen. Und die anderen müssen das jetzt ohne uns schaffen 😉

Dann war dort Frühstückszeit, und wir wurden zum Frühstück mit einigen Söhnen und Mitarbeitern eingeladen. Ich hab den Überblick verloren, wer nun Sohn und wer Mitarbeiter war… Wir hätten noch weiter reden können und vergaßen dabei fast, Luft in den Reifen zu machen. Das erledigten wir dann aber auch noch, bedankten uns und fuhren wieder glücklich weiter.

Hier haben wir das erste Mal Möhren gesehen. Aber was würde Martha dazu sagen???

Die nächsten 25 Kilometer vergingen wie im Flug und wir kamen nach Sultanhani, wo es eine alte Karawanserei zu bestaunen gibt. Da der Eintritt für zwei Personen ca. 1,50 Euro kostet und wir einige Attraktionen ausgelassen haben, entschieden wir uns, rein zu gehen. Dazu kam noch, dass wir eine weitere Radreisende am Eingang trafen und sie uns den Besuch dringend empfahl. Drinnen konnten wir etwas nachfühlen, wie es sich angefühlt haben muss, innerhalb der sicheren Mauern anzukommen, nachdem man tagelang unterwegs war. Es gab einen zentralen Platz, bestimmt wohnten dort früher die Tiere und nachgelagert einen großen Raum mit einer hohen Decke. An den Säulen, die den Raum unterteilten, hingen Teppiche, und warmes Licht schuf eine angenehme Atmosphäre.

In der Karawanserei

Mehr gab es dort aber dann auch nicht zu sehen und wir gingen wieder raus – ab zur Bäckerei zum Brot kaufen – es hat eine gewisse Ähnlichkeit zu Baguette. Dann noch zum Laden, um weitere Zutaten für das Mittagessen zu holen und zum zentralen Platz, wo es überdachte Sitzgarnituren gab. Dort machten wir Pause, organisierten unsere Route für die nächsten zwei Tage und überlegten uns, dass es gut wäre, mal wieder einen Tag Pause zu machen. Also wurde noch schnell ein Hotel für zwei Nächte gebucht und dann ging es weiter. Immer wieder sahen wir Erdhörnchen – wir wissen noch nicht, welche Art es genau ist – am Straßenrand, und dann stoppten wir kurz, um sie zu beobachten.

Für diese Kerlchen kann man auch mal länger anhalten

Es ging weiter durch eine sehr trockene Landschaft, zum Teil Steppe, zum anderen Teil ackerbaulich genutzte Fläche.

So sieht die Landschaft aus, die nicht landwirtschaftlich genutzt wird

Wenn es die Möglichkeit zum Bewässern gibt, wachsen dort häufig Mais, Bohnen und Kartoffeln oder Luzerne. Manchmal auch verschiedene Getreide – als Folgekultur dann scheinbar Luzerne oder Bohnen. Wo es scheinbar nicht genug Wasser oder Geld gab, waren meist Gerste und Roggen, selten auch Hafer zu sehen. Kurz hinter Aksaray war dann erstmal Pause mit Landwirtschaft, da das Tal an den meisten Stellen zu eng war und die Hänge auf beiden Seiten zu steil oder zu karg. Unten schlängelte sich ein Bach, gesäumt von Weiden (Bäume!) und Pappeln, und daneben unsere Straße durch das Tal. Und da gab es dann doch noch zwei Felder und eine Wiese auf der „anderen Seite“ vom Bach, wo wir einen Zeltplatz für die Nacht fanden. Dort war es super schön und idyllisch, ein richtiger Glückstreffer. Wir stellten den Wecker auf kurz nach fünf, um mit der aufgehenden Sonne aufzustehen und schliefen zufrieden ein.

Ein guter Platz zum Zelten und zum Kochen

Morgens weckte uns dann das Geräusch von einem Trecker, der scheinbar nah an uns arbeite – es hatte sich doch tatsächlich jemand entschlossen, dass diese Wiese jetzt unbedingt gemäht werden muss. Zum Glück stand unser Zelt am Weg neben einem der Felder und nicht an der Wiese, doch wir waren dann ja eh schon wach und packten unsere Sachen zusammen und machten uns wieder auf den Weg. Wir wussten, dass auf den nächsten acht Kilometern ein Hügel (150 Höhenmeter) und zwei Tankstellen kommen sollten. Wir hatten zwar alles zum frühstücken dabei, die Tankstellen haben aber oft Picknickplätze auf denen überdachte Tische und Bänke stehen. Wenn der Luxus in greifbarer Nähe sein könnte, probiert man es natürlich. Oben auf dem Hügel, bei der zweiten Tankstelle, gab es wirklich einen entsprechenden Platz für uns, wir genossen die Ruhe und die noch kühle Luft.

Ein schöner Ort fürs Frühstück

Mit dem „Gipfel“ des Hügels hatten wir das Tal auch verlassen und fuhren nun durch die wieder etwas höher gelegene Ebene. Um uns herum waren Getreidefelder und wo kein Getreide wuchs, waren steile Hänge oder Dörfer. Da wir uns für diesen Tag weniger Kilometer als an den Vortagen vorgenommen hatten, machten wir in einigen dieser Dörfer Pause, aßen immer wieder ein kleines Eis und genossen das Gefühl, uns treiben zu lassen. Am Abend fanden wir auch wieder einen Platz neben einem kleinen Lagerhäuschen zwischen zwei Feldern. Wir haben vorher den Bauern, der dort gerade am Säen war, gefragt und er sagte, es sei kein Problem, wenn wir eine Nacht bleiben.

Hier war richtig viel Arbeit mit Fräsen, Säen und Bewässern

Am Abend wurde noch ein Strang der Bewässerung auf einem benachbarten, neu besäten Feld in Betrieb genommen. Hierfür waren drei Personen notwendig, da die Sprenger noch von eventuellen Verstopfungen befreit werden mussten. Die gesamte Prozedur dauerte mindestens eine halbe Stunde und da der erste Durchgang mit dieser Technik scheinbar entsprechend aufwändig ist, entschieden wir uns für den ebensten und gleichzeitig nächsten Platz an dem „vom Regen gefährdeten“ Feld. Ich würde nicht so ausholen, wenn es nicht wirklich für uns geregnet hätte, das könnt ihr euch ja denken. Eine Person der Familie ist nachts wieder gekommen und hat pünktlich um zwei Uhr den Regen für uns an und um vier dann wieder aus gemacht. Wobei wir nicht viel abbekommen haben, erst als der Wasserdruck zugenommen hat, wurde eine Seite vom Zelt etwas mit beregnet. Wir wussten vorher schon, dass die Wassermenge, die dort pro Stunde ausgebracht wird, nicht sonderlich hoch sein kann und schliefen relativ ruhig weiter 🙂 Der Wecker klingelte um sechs Uhr, die Sonne war schon längst aufgegangen und wir packten unsere Sachen schnell zusammen und fuhren in den nächsten Ort, um einen guten Platz zum Frühstücken zu suchen. Die Orte haben hier fast immer einen zentralen Platz in ihrer Mitte, dort ist auch meistens die Moschee gebaut und die Läden befinden sich dort auch meist. Für uns ist der perfekt, durch die Minarette leicht zu finden und alles, was wir brauchen, an einem Platz. Dort angekommen, kauften wir Brot und Simit – der traditionelle Sesamkringel – und fanden einen schattigen Platz zum Frühstück neben dem Teehaus. Auch morgens um halb acht treffen sich die Menschen schon zum Tee, nur noch ohne Rummikub oder Backgammon zu spielen. Es sprach sich schnell rum, dass wir aus Deutschland kommen uns als ein junger Mann vorbeiging, wurde er durch die Anwesenden darauf hingewiesen. Auf dem Rückweg vom Bäcker kam er dann auch bei uns direkt vorbei und brachte uns einen Simit und ein Brötchen mit Oliven vorbei. Wir unterhielten uns etwas und zum Abschluss gratulierten wir noch seiner Tochter, mit der er gerade da war, zum Geburtstag. Mit vollem Bauch und guten Gedanken ging es weiter in Richtung Zentrum von Kappadokien, weiter durch eine hügelige Felderlandschaft. Ca. 10 Kilometer vor Nevşehir sahen wir dann auch die ersten in die Berge / in den Fels hineingebauten alten Häuser. Diese waren aber verlassen und weit abseits von Tourismus und Straßen.

Hört ihr auch den TechnoBims bims bims bims?

Wir fragten uns, ob wir jetzt eeeeendlich in diesem Kappadokien seien und fuhren weiter die letzten Kilometer bis zum unserem Hotel in Ortahisar. Hier angekommen wurde endlich mal wieder geduscht, Snacks gekauft und noch Blog geschrieben. Tadaa!

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Eine Antwort zu „(34) Und noch mehr Landwirtschaft!”.

  1. Was ich mich jetzt noch frage: Was würde Martha zu den Möhren sagen?

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