Am Morgen schliefen wir etwas länger als normal, da wir nicht von der Sonne und dem warmen Zelt geweckt wurden. Wir frühstückten zusammen, und dann hieß es schon Abschied nehmen. Wir wollten weiter, der Regen war vorbei gezogen und es war noch nicht Zeit für eine richtige Pause, auch wenn wir uns an diesem Ort sehr wohlfühlten. Wir starteten mit dem Besuch von zwei Fahrradläden in der Stadt, denn bei Simons Fahrrad ist der Fahrradständer abgebrochen. Genau wie bei Karin, der Bruch an der gleichen Stelle. Das Ganze nur zwei Wochen später. Die Läden hatten leider kein passendes Modell für uns. Wir kauften trotzdem noch ein paar Bremsbeläge als Ersatz für die bald zu Tauschenden und machten uns auf den Weg in Richtung Norden.
Auf dem Höhenprofil sah es zum Glück nach mehr Steigung aus, als es dann wirklich war. Es ging ca. 300 Höhenmeter mit meist drei bis fünf Prozent Steigung hinauf.

Oben angekommen ging es natürlich gleich wieder runter. Mit leichtem Auf und Ab ging es dann am Ende runter um ca. 500 Meter, das hatten wir schon lange nicht mehr. Leider konnten wir uns dabei nicht soooo viel rollen lassen, da der Wind meist von vorne kam und uns ordentlich bremste. Wir können aber nicht klagen, an Tagen, an denen es viel bergab geht, ist Gegenwind wesentlich angenehmer als in der Ebene.


Abends bogen wir in der Nähe von einem See zwischen die Felder ab und machten es uns gemütlich, um dort kurz vor Sonnenuntergang unser Zelt aufzuschlagen.

Als es dann fast so weit war, kamen eine Landwirtin und ihr Mann im Sprinter vorbeigefahren – ihnen gehören die Felder dort, erklärten sie uns. Und sie sagten, nachts kommen manchmal Leute und feiern dort. Das kann wohl gefährlich sein, weil die dann betrunken seien. Und es soll dort Schlangen geben, die so dick sein können wie ein Oberarm und denen sollen wir besser aus dem Weg gehen. Wir erklärten, dass wir keine Angst haben, aber es für uns ok ist, an einen anderen Platz zu gehen. Die beiden wollten uns unbedingt dorthin bringen. Also luden wir die zwei vollgepackten Fahrräder ins Auto und fuhren mit zum Picknickplatz auf der anderen Seite vom See. Dort hat der Landwirt mit dem Pförtner/Security verhandelt, dass wir dort zelten dürfen. Es passte. Also wurde uns ein Plätzchen unter Bäumen gezeigt und wir bauten unser Zelt auf. Dann haben wir an einem ehemaligen Teich gekocht und uns schnell ins Zelt verzogen, denn der Platz am See ist ein Mückenparadies.

Der nächste Tag begann früh, da wir uns den Wecker passend gestellt hatten und uns die Strecke angenehm aufteilen wollten. wir packten schnell alles zusammen und fuhren los nach Suluova. Das war die nächste kleine Stadt. Dort kauften wir Brot und machten es uns auf einem kleinen Spielplatz gemütlich, um Pause zu machen. Es kamen immer mal wieder ein paar Hunde vorbei, aber die bettelten nicht einmal. Es ging weiter in Richtung Norden.


Samsun, unser Ziel für den nächsten Tag rückte mittlerweile in greifbare Nähe, es waren nur noch 100 Kilometer. Die nächsten Kilometer war mal wieder den Hügel hochfahren angesagt, ca 400 Höhenmeter am Stück lagen vor uns. Nach einer guten Stunde hatten wir die aber dann auch schon erledigt und bei der Abfahrt darauf sind wir die ganzen Meter auch gleich wieder abgestiegen. Es war die bestimmt längste Abfahrt auf der Tour bis jetzt. Leider war das zuviel für die Powerbank am Ladegerät am Fahrrad von Simon und sie hat bei der Menge an Strom, die da kam, vermutlich Schaden genommen. Nunja, nichts ist für immer 😦 Unser Endorphinrausch von der Abfahrt half uns sehr schnell über den Verlust hinweg, wir kauften noch Çiğköfte und Brot für das Mittagessen im nächsten Dorf und dann ging es gleich den nächsten Hügel hoch. Oben angekommen gab es eine Moschee mit Picknikplatz und Teehaus daneben. Wir bestellten uns zwei Tee und genossen unser Mittagessen. Çiğköfte passen einfach super zu dem Brot hier und da das Menü bei nüchterner Betrachtung aus Weißbrot mit Bulgur, Gewürzen und einer ketchupähnlichen Tomatenpaste besteht, ist es auch ein excellentes Radfahrermenü. Wir pausierten etwas länger, um unseren Bäuchen genug Zeit zum Verdauen zu geben und dann ging es wieder ab zur nächsten – mindestens genau so langen – Abfahrt.
Kurz bevor wir unten waren, kamen wir durch den ersten Wald, seitdem wir das Mittelmeer verlassen hatten. Es ist ein sooo schönes Gefühl, endlich mal wieder einen richtigen Wald zu sehen und zu riechen.

Und dann: klar – es ging wieder hoch. Bloß nicht müde werden und den nächsten Hügel besser Heute als Morgen erklimmen. Nach einigen Metern streikte der Tacho von Karin leider und wir fuhren an der nächsten Tankstelle mit Restaurant raus.
Dort brachte ein junger Kellner uns sofort Tee und grüne Pflaumen. Wir bastelten am Tacho, wechselten sogar die Batterien. Nebenbei unterhielten wir uns mit ihm, ein super netter Mensch! Leider wollte der Tacho auch nach 20 Minuten noch nicht und die letzte Idee war ihn einmal aus seiner Halterung am Lenker abzunehmen, die Kontakte abzuwischen und dann wieder dran zu stecken. Es hat funktioniert – unglaublich wie die Firma diesen Tacho so anfällig für Störungen machen konnte – es war nicht das erste Mal, dass wir Probleme hatten. Aber wir hatten ja sogar Tee, Essen und ein nettes Gespräch, also waren wir zufrieden und konnten weiter den Hügel hoch. Kurz vor der Kuppe ging ein kleiner Weg in den Wald. Dem folgten wir, er wurde schnell matschig, also schoben wir die Räder. Eigentlich mögen wir das ja nicht, da es aber zu matschig für Autos war, konnten wir uns relativ sicher sein, dass wir an diesem Abend mal keinen Besuch bekommen. So sollte es auch kommen, der Abend und die Nacht verliefen ruhig und wir konnten uns gut erholen.


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