(54) Tehran!

Wir blieben noch etwas länger bei Sheida und den 4 Katzen.

Für zwei Tage hatten wir auch ein Katzenleben: Essen, schlafen und wieder von vorne

Sie zeigte uns den wirklich schönen Basar in Qazwin:

Wir im Bazar in Qazwin

Und sie beschloss, uns bis Tehran mit dem Fahrrad zu begleiten. Ihr bester Freund wohnt in Tehran und wir können bei ihm übernachten, meinte sie.
Also fuhren wir am Dienstag, den 10.10. los. Mit Frühstück, Sachen packen, Kühlschrankinhalt verpacken, Abendessen fürs Zelten kochen, Fahrräder beladen und allem Drum und dran dauerte es etwas länger, sodass wir erst um halb 3 loskamen. Sheida hatte noch keine Fahrradtour gemacht, sie hat also keine Fahrradtaschen und so. Sie packte ihren Rucksack also möglichst leicht, aber natürlich kann Fahrradfahren mit einem Rucksack etwas beschwerlich sein. Wir fuhren frohen Mutes los, die Strecke nach Teheran ist ziemlich flach, je nachdem, wo man in Tehran hin möchte, aber dazu später mehr.
Wir nahmen die Hauptstraße von Alvand in Richtung Tehran, denn wir hatten keine Lust auf eine Straße, die vielleicht weniger befahren, aber auch mit schlechterem Straßenbelag und mehr Umwegen ist.

Willkommen in der Stadt der Wissenschaft und gutem Benehmen“ oder so

So fuhren wir die meisten Zeit hintereinander und wurden wie immer von vielen Autofahrenden gegrüßt. Jetzt war aber der Unterschied, dass Sheida uns übersetzen konnte, was uns zugerufen wird. „Nicht müde werden“, „Willkommen“ und „Gute Fahrt!“.

Da ist auch einer von den blauen Transportern, von denen hier immer berichtet wird

Als wir kurz neben einem Trauben-Verkaufsstand Pause machten, wurden wir vom Verkäufer angesprochen und er schenkte uns eine Traube, deren Beeren wir glücklich gleich verspeisten. Er wollte wissen, wo wir herkommen und hieß uns auch im Iran willkommen. Am späten Nachmittag fing es an, von der Seite zu stürmen und wir waren ein bisschen wie in einem Sandsturm.
Wir wollten uns gerne gleich im Zelt davor schützen, mussten aber erst noch am Gelände eines Gaskraftwerks vorbeiradeln, wo wir den Wind aufgrund der Gebäude und Mauern zum Glück nicht so stark abbekamen. Kurz dahinter fanden wir einen Feldweg, der neben einer Mauer verlief. Wir dachten, die Mauer ist ganz praktisch gegen den Sturm. Also fanden wir bei einer Weide einen guten Platz für die zwei Zelte. Es war auch schon fast 17 Uhr und um 18 Uhr ist es hier gerade schon dunkel. Wir haben übrigens gerade +90 Minuten Zeitunterschied zu Deutschland. Wir bauten unsere Zelte auf und da hatte der Sturm auch schon aufgehört. Das Abendessen war ja schon gekocht, Kartofffelbrei mit Gemüse, also konnten wir gemütlich mit Blick auf die Felder abendessen und gingen auch schon bald schlafen. Irgendwann nachts kam ein Auto vorbei, das neben uns anhielt. Zum Glück konnte Sheida mit dem Fahrer reden. Er war der Besitzer des Feldes nebenan, sagte, dass es okay ist, dass wir hier zelten und fragte, ob wir was brauchen. Nein, wir brauchen nichts, wir können weiterschlafen…

Am Mittwoch mussten wir uns wieder einen Wecker stellen, denn wir wollten abends in Karaj, bei den Eltern eines Freundes eines Freundes von Sheida ankommen, und bis dahin waren es noch ca. 85 Kilometer. Sheida meinte, ihre Beine und der Po tun ganz schön weh, aber wir waren beeindruckt, wie motiviert sie trotzdem war! Erstmal frühstückten wir und dann schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder und fuhren weiter.

Richtig schönes Radfahrwetter, bewölkt und nicht zu warm 🙂

Heute hatten wir immer wieder Rückenwind und es ging flach oder bergab der Straße entlang. Wir fuhren wieder an einigen Staßenhändlern vorbei.

Hier ist auch Kürbissausstellung, wie im blühenden Barock in Ludwigsburg

Manche Stände waren direkt neben den Feldern. Dort hielten gefühlt auch besonders viele Autos an, um frisches Gemüse und Kräuter zu kaufen.

Ein Kräuteracker. Man kann hier einfach Kräuter wie Minze, Dill, Basilikum, Estragon, Schnittknoblauch, Spinat, Koriander,… im Bündel kaufen und dann aufs Brot essen

Sheida hatte es ziemlich schwer mit ihrem Rucksack, wollte aber immer weiter strampeln. Irgendwann boten wir ihr dann an, den Rucksack auf Karins Fahrrad zu binden, was sie dann dankend annahm.

Fahrrad fahren fetzt halt mehr, wenn man alles aufs Fahrrad laden kann, was man will 🙂

In einer Kleinstadt, durch die wir fuhren, wollten wir Brot kaufen. Die Bäcker machten gerade Pause, meinten aber, dass wir nur 10 Minuten warten müssten und dann frisches Brot bekämen. Na gut, dann warteten wir, schauten uns das Treiben auf der Straße an. Aus den zehn Minuten wurden ca. 40, da der Teig erst noch etwas gehen musste und die Brote bei den ersten Versuchen zu dunkel wurden und aussortiert wurden. Es warteten immer mehr Menschen mit uns. Das mit dem Brot ist manchmal nicht so einfach für uns hier im Iran.
Mittagspause machten wir unter ein paar Bäumen mit dem frischen Brot, Frischkäse und Tomaten und Gurken. Für Sheida war das auch eine Gelegenheit, ihre Beine auszuruhen. Frisch gestärkt und ausgeruht, ging es weiter in die Stadt Karaj hinein. Dort wurde es natürlich immer mehr Verkehr und wir merkten, dass es zu dritt nicht wirklich einfacher ist, sich durch den iranischen Straßenverkehr zu schlängeln.
Manche LKWs haben vorne über dem Fahrerhaus einen Schriftzug wie „Only God“ oder „Follow“, und auf einem stand auch “ Never look back“. Und Karin fand, dass das ironischerweise ganz gut zur Fahrweise von manchen Auto- und Mopedfahrer*innen passt. Wir hätten viele Autofahrende gerne gefragt, ob sie wissen, wofür da ein Außenspiegel am Fahrzeug ist. Und auch ein Vorhang, der in manchen blauen Transportern dort hängt, wo man einen Schulterblick machen könnte, sagt Vieles…
Naja, wir kamen irgendwann sicher in Karaj bei der Familie eines Freundes eines Freundes von Sheida an, wo wir sehr herzlich begrüßt wurden. Wir bekamen Abendessen, das hier im Iran von freiwilligen Köchen in einer Moschee gratis verteilt wird. Außerdem gab es natürlich noch Tee, Kekse und Obst. Der Großvater im Haus war Lehrer und Übersetzer und sprach daher sehr gutes und schönes Englisch. Wir waren alle ziemlich müde und gingen früh schlafen. Kurz nach dem Einschlafen spielte noch eine iranische Musikgruppe direkt neben dem Haus einige Lieder, ziemlich cool, aber irgendwie zur falschen Zeit für uns. Wir schliefen trotzdem sehr gut.

Morgens bekamen wir noch leckres Frühstück, bevor wir uns wieder auf die Sättel in Richtung Tehran schwangen. Wir wussten, dass wir heute nicht nur nach Tehran, durch den Hauptstadtverkehr, sondern dann noch einige Höhenmeter bis zu Sheidas bestem Freund erklimmen wollten. Wir fuhren vor allem auf dem Highway, also waren wir fast immer umgeben von Autos und anderen Fahrzeugen. Irgendwann zwischendrin fanden wir doch wirklich für ca. 2 Kilometer einen Fahrradweg, der neben unserer Straße verlief.

Warum gibt es hier plötzlich einen Fahrradweg?

Bis wir da aber drauf kamen, war er auch schon wieder vorbei. Wir machten daneben unter ein paar Bäumen Pause, um Kekse (die Karin mitten auf der Straße von einem Autofahrer übergeben wurden) und Cracker zu essen. Dabei sahen wir ein bisschen den Autos zu.
Was macht man, wenn man im Auto an der Ausfahrt vorbei gefahren ist?
In der Türkei: Man hält direkt dahinter an, fährt rückwärts bis zur Ausfahrt und nimmt sie trotzdem.
Im Iran: Man fährt bis zur Auffahrt (also wo man eigentlich von einer anderen Straße auf diese Straße kommt) und fährt dort einfach gegen die Fahrtrichtung dahin, wo man will.
ODER: Man fährt bis zur Auffahrt, dreht dort umständlich irgendwie das Auto und fährt dann rückwärts die Auffahrt zurück?!?
(Das hat Karin beides in den 15 Minuten, die wir dort Pause gemacht haben, beobachtet.) Sheida sagte dazu “ there are no rules…“
Ok, dann mal weiter durch den regelfreien Straßenverkehr, wo aber alle doch irgendwie aufeinander achten.

Here we are!

Immer wieder fiel auf, wie der Boden zwischen den Straßen total trocken ist und an manchen Stellen Grünstreifen angelegt sind, die oft bewässert werden.

Die Windräder standen still, wir rollten trotzdem fröhlich rein nach Tehran

Wir fuhren an einem Park vorbei, aber wir konnten nicht hinein, weil es überall Absperrungen für Mopeds und beladene Fahrräder gab, also machten wir die Mittagspause eben neben dem Park. Ab dann ging es den Berg hinauf, mal weniger steil, mal etwas steiler. Wir fuhren wie die Mopeds überall, um zu testen, wo wir am besten fahren konnten. Auf der Straße ganz rechts kamen uns ständig Mopeds entgegen. Auf der Busspur auch. Auf dem Gehweg ging es teilweise gut, aber dann war eine Baustelle und wir fuhren wieder auf die Straße. Dort hielten Autos immer wieder einfach rechts am Straßenrand an oder fuhren einfach los, denn wofür braucht man auch einen Rückspiegel?!?
Dann fing es noch an zu regnen, und wir merkten, wie dreckig die Straßen sind, denn unsere Füße in den Sandalen wurden richtig dreckig. Sheidas Knie schmerzten, und sie wollte immer wieder ein Stück den Berg hinauf schieben. Wir fuhren dann immer wieder ein Stück und warteten kurz auf sie. So kamen wir endlich um 17 Uhr richtig glücklich, leicht nass und dreckig bei Mohsen an, welcher uns sehr herzlich begrüßte. Hier bekamen wir Tee und Kekse, später Abendessen, eine Dusche und ein weiches Bett zu Schlafen.

Eine Antwort zu „(54) Tehran!”.

  1. Respekt für Sheida!!!! Ohne das monatelange Training und mit suboptimaler Ausrüstung einfach mitzufahren – richtig gut und mutig!
    Und ich mag eure Beschreibungen vom Autoverkehr in den unterschiedlichen Ländern! 🙂

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