(79) Was wächst denn hier?

Am Montag, den 29. Januar fuhren wir weiter, erstmal aus Shajapur raus. Der Verkehr hier war nicht besonders schlimm, also ganz okay ;-). Dann fuhren wir wieder durch Agrarlandschaft, vor allem Getreide, das hier jetzt schon mal nur leicht und mal mehr gelb ist. Außerdem sahen wir einen Haufen geerntete Zwiebeln und Menschen, die diese sortierten.

Man konnte auch riechen, dass die Zwiebeln geerntet werden…

Und einige Kartoffelfelder sahen auch aus, als sei es nicht mehr lange bis zu Ernte. Simon wurde mindestens dreimal auf dem Fahrrad angesprochen, einmal auch von einem Transporterfahrer.

„What’s your home country?“

In der Mittagspause fanden wir das ruhigste Plätzchen seit langem. Wir konnten die Straße zwar noch hören, aber hörten und sahen auch einige Vögel.

Pause im Grünen für die Fahrräder und uns
Einer der vielen Panzerknacker-Vögel (wegen der Augenmaske)
Und was ist das für ein schräger Vogel?
Dieser kleine Vogel schwebte fast wie ein Kolibri vor den Blüten des Wandelröschens
Ist der Wiedehopf nicht einfach der Coolste?

Wir kamen nachmittags an einem Gurudwara in Dewas an und fragten, ob wir hier schlafen können. Uns wurde gesagt, wir sollen etwas warten, denn man muss erst den Manager fragen. Wir bekamen leckeren Tee in der Zwischenzeit. Nach 1,5 Stunden Wartezeit bekamen wir das Okay und einen schönen Raum für uns.

Wann ist der Gurudwara schöner? Bei Tag …
… oder bei Nacht?


Wenn wir uns mal den Wecker früh stellen, sind wir noch viel zu müde um aufzustehen, also schliefen wir heute noch ein bisschen weiter. Gestern wurden wir gefragt, ob wir heute vielleicht ein kleines Interview mit der lokalen Zeitung machen könnten. Klaro. Um halb 9 klopfte es an unserer Tür und wir beantworteten eigentlich nur die üblichen Fragen. Die Frau, die das Interview organisiert hatte, sagte uns immer wieder, dass sie unsere Reise “so inspiring” findet. Und sie meinte, sie könne das nicht machen wegen ihrer reponsabilities. Dann bekamen wir noch Tee und während dem Trinken zauberte ein Mann ein weißes Kaninchen von irgendwo her.

Simsalabim!

So war es also auch wieder 10 Uhr, bis wir loskamen. Aus der Stadt heraus ging es ganz gut, und dann im Grünen erinnerte Karin Simon daran, dass wir noch gar nicht gefrühstückt haben. Also aßen wir Brote und hörten dabei Kinder beim Trommeln zu.
Weiter ging es heute durch ziemlich besiedeltes Gebiet, wir umfuhren zwar die 2 Millionen- Einwohner-Stadt Indore, aber auch drumrum war hier viel los. Hier sahen wir ganz viele von diesen LKWs mit Sand und grüner Abdeckung.


Als es endlich etwas ruhiger war, fanden wir ein schönes Restaurant, wo wir entspannt Mittagspause machten. Mal wieder wurden wir immer wieder auf der Straße angesprochen und die Mopedfahrer rollen sogar Schlange, um mit Simon reden zu können!
In Mhow reichte es uns für heute und wir fanden in einer netten Gasse ein Zimmerchen zum Schlafen.

Durch die Gassen von Mhow

Die Sicht vom Hotel. Im Baum hängen Drachen, die wir hier immer wieder in der Luft tanzen sehen

Abends trafen wir beim Einkaufen noch einen netten 69-jährigen Rentner, der mit seinem E-Bike vom 25 Kilometer entfernten Dorf hierher gefahren war und jetzt abends wieder zurück fährt. Er hatte uns schon vorher mit den Fahrrädern gesehen, daher sprach er uns an und wünschte uns noch eine gute Reise. Wir fanden richtige leckere Momos zum Abendessen und gingen danach schlafen.

Zum Hotel musste man durch einen Flur, an dem auch Läden waren, die irgendwas verkauften. Einer von diesen Läden war voll mit großen blauen Säcken, die wie IKEA-Taschen aussahen.
Als wir am Morgen unsere Taschen unten im Flur an die Fahrräder machten, hielt ein Transporter vor der Tür und fing an, blaue Säcke in den schmalen Flur zu werfen, sodass kein Durchkommen mehr möglich war.

?!?!!?!


Wir rollten mit unseren Fahrrädern zwei Meter nach vorne, direkt an die Säcke, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er uns den Weg versperrte, und selbst seine Säcke nicht in die gewünschte Richtung bewegen können werde, weil da zwei bepackte Fahrräder standen.
Wir waren sprachlos und warteten, was er sich einfallen lassen würde. Simon half ihm freundlich, seine Säcke zur Seite zu bewegen, damit wir Platz machen konnten, damit er die Säcke wieder in den Flur werfen konnte, oder was auch immer. Wir waren dann jedenfalls draußen und konnten starten 🤦
Wir fuhren erstmal die kleinere Straße aus Mhow raus, wo immer wieder geplante Huckel auf der Straße sind, die den Verkehr eigentlich viel chaotischer machen, als wenn da keine wären. Wir waren froh, als wir wieder auf der großen Straße mit Randstreifen waren! Dann fuhren wir erstmal an Gemüsefeldern vorbei und freuten uns über Rote Beete, Möhren, Kürbis, Ingwer, Kurkuma, Kartoffeln und Topinambur.

Möhren, Rote Beete und Zwiebeln
Topinambur und Kurkuma auf der anderenn Seite der Straße

Dann machten wir erstmal Frühstückspause im Grünen mit Blick aufs Kartoffelfeld! Weiter ging es, heute sogar durch Wälder!

…und es geht bergab mit Fahrtwind!


Es lief ziemlich gut heute, also machten wir erst nach 55 Kilometern Mittagspause neben einem Häuschen. Der Besitzer des Häuschens, das zu seiner Farm gehört, hatte uns gesehen, kam zu uns und schenkte uns erstmal eine Rose. Dann fegte er noch den Platz vor dem Häuschen und schenkte uns 5 rote Zwiebeln, direkt vom Feld nebenan.

Da Karin keine Zwiebeln mag, haben wir die zu verschenken, wer will sie??


Außerdem fragten wir uns, was das für Bäume auf der Plantage nebenan sind.

Was müssen das für Bäume sein?



Dann ging es weiter, vorbei an einer Bananenplantage, heute gab es landwirtschaftlich und “hortikulturell” einiges zu sehen für uns! Wir ließen schon wieder die angepriesenen Sehenswürdigkeiten aus… Aber es gibt auch in den nicht touristischen Orten einen Schlafplatz für uns, heute in Khalgat.

Blick aus dem Flur vorm Hotelzimmer auf die Dorfmitte, wo viele Reisebusse anhalten und die Menschen sich frittierte Samosas und Anderes zum Essen kaufen können



Am Morgen des ersten Februars fuhren wir erstmal über die Brücke über den heiligen Fluss Narmada.

Auf der Brücke wurden wir schon von drei jungen Männern aus Nashik, einer Stadt, die in 350 Kilometern Entfernung auf unserem Weg liegt, angesprochen. Falls wir irgendetwas brauchen, hier oder irgendwann in Nashik, sollen wir uns gerne bei ihnen melden. Wir fuhren noch etwas weiter, bis wir in einen Feldweg einbogen, um dort zu frühstücken.

So gemütlich kann Frühstück sein!


Wir hörten heute ein Hörbuch mit unseren neuen bluetooth-Kopfhörern und hörten so ein bisschen weniger das Hupen der anderen Verkehrsteilnehmenden. Und wir werden dazu animiert, uns nicht weiter als 20 Meter voneinander zu entfernen, da sonst eine/r nicht mehr alles hört (man hört wegen des Verkehrs mit einem Stöpsel im Ohr eh nicht alles).

Sogar der Hund darf oben mit reiten; bei dem Geschaukel fragen wir uns, ob er nicht lieber gelaufen wäre

Die Landschaft sah heute so aus, als wäre es hier trockener und wärmer. Tatsächlich hatte es in der Sonne um die 30 Grad Celsius und wir freuten uns, unter den zwei Wolken am Himmel durchzuradeln 🙂
Ansonsten gab es wieder Neues für die “agricultural engineers”- Herzen zu bestaunen. Wir sahen Lupinen-, Hirse-, Baumwoll- und frisch gepflanzte Zuckerrohrfelder.

Lupinen


In Sendhwa, wo wir heute gerne schlafen wollten, sprach uns ein Mann in rosa Hemd an, ob er uns helfen kann. Wir sagen, wir suchen den Gurudwara hier. Dann hält noch ein Mann in rosa Hemd an, sagt aber nichts. Der erste Mann bringt uns zum Gurudwara (den wir auch ohne ihn gefunden hätten), dort kommt ein Mann in rosa Outfit heraus und sagt, wir dürfen gerne hier schlafen. Wir bekommen erstmal einen Tee und der erste Mann übersetzt unter anderem für uns, dass wir abends noch Abendessen bekommen und nicht zu spät heimkommen dürfen, da der Tempel nachts abgeschlossen wird. Wir gehen nochmal raus in die Stadt, kaufen Obst, machen noch ein paar Selfies und lauschen im Tempel wieder dem schönen Gebet mit Musik. Nach einem leckeren, medium scharfen Abendessen im Tempel geht es schlafen.

Eine Antwort zu „(79) Was wächst denn hier?“

  1. Dass es sogar dort Rote Bete gibt, ist ein Highlight dieses Eintrags! Und ich kann ja wirklich eine Rote-Bete-Zwiebel-Pfanne empfehlen, garniert mit Rosenblättern, dann müsst ihr die Zwiebeln nicht verschenken und könnt die Rose gleich wunderbr verwerten! 😉
    Und ich würde ja sagen, dass es auf dem Suchbild Guaven oder Cherimoya-Bäume sind (hat mir eine Person meines Vertrauens verraten ;P ).
    Das Bild von Mhow und davor das mit den bunt beladenen Mopeds sieht nach Karneval aus – seid froh, dass ihr den Wahnsinn verpasst 😉

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