(84) Papaya, Ananas und Melonen

In Arambol im indischen Bundesstaat Goa hat es uns ganz gut gefallen, wir wohnten ein paar Tage in einer kleinen Hütte direkt am Strand!

Der Blick aus der Hütte
Und der Blick auf die Hütte

Hier konnten wir morgens nach dem Aufwachen direkt ins Meer springen, dann in der Hütte duschen und zum Frühstück in die Strandbar nebenan. Und dann den Rest des Tages chillen. Wir sind auch etwas im Dorf spazieren gegangen, wir sahen dutzende Yoga-Zentren, viele Restaurants, noch mehr Klamottenstände, die tolle Hosen, Shirts und andere Kleidung verkauften. Karin hat sich gar nicht getraut, die Hosen genau anzuschauen, weil sie dann einige hätte mitnehmen wollen und wir haben ja keinen Platz auf den Rädern… Wir haben auch NIEMANDEN jonglieren sehen, es war auch sehr windig, daher nicht so praktisch zum Jonglieren…
Schweren Herzens nahmen wir dann wieder Abschied vom Strand, unserer Hütte, der Strandbar nebenan und von Valentin, einem Rucksackreisenden, den wir bereits in Nashik getroffen hatten und der hier in der Hütte neben uns wohnte.
Also ging es für  uns am 24. wieder rauf auf die Straße und rein ins Getümmel!
Erst fahren wir kleine Straßen, wo uns noch viele bunt gekleidete weiße Menschen auf Mopeds begegnen, dann geht es auf den Highway, da wir eh zu einem Fahrradladen wollen, der am Highway in der Stadt Margao liegt. Einer von Simons Alu-Flaschenhaltern ist gebrochen. Der Highway war nicht der Schönste, aber es ging voran! Und es ging über ein paar schöne Brücken, von wo wir die Aussicht oft sehr genießen können.

Über wie viele Brücken dürfen wir fahren?
Hier eine besonders lange Brücke
Die Büffel gehen bei der Hitze verständlicherweise gern baden

Wir sehen viele Stände mit Kokosnüssen und Melonen
Da saß eine Hinduracke unweit der Straße

Zu Mittag aßen wir in einem kleinen Restaurant direkt an der Straße, wo es vor allem Fischgerichte gab, aber auch ein vegetarisches Thali für uns. Danach ging es weiter bis nach Margao. Da kommen wir leider genau in der Mittagspause des Fahrradladens an (von 14 bis 16 Uhr). Also fahren wir erst mal zu einem Hostel in der Nähe, checken dort in ein Dreipersonenzimmer für uns ein und radeln dann ohne Gepäck nochmal los zum Fahrradladen. Die Beschleunigung unserer Fahrräder ist enorm! (gefühlt)
Der Fahrradladen hat viele coole Sachen, aber leider nur Plastik- Flaschenhalter. Dann kaufen wir halt andere Sachen: Bremsklötze und Flicken, das kann man immer brauchen.

Der Fahrradmechaniker im ersten Laden hatte ein cooles T-Shirt und schaute sich unsere Schaltung mal an.

Der Händler erzählt uns von einem anderen Fahrradladen in der Nähe, der bestimmt hat, was wir suchen. Unterwegs dorthin essen wir noch Kuchen und gehen shoppen in einem Kleidungsladen, der etwas an europäische Läden erinnert, nur im zweiten Stock ist alles voll mit verzierten und glitzernden Kurtas und anderen Gewändern. Der zweite Fahrradladen hat wirklich Alu-Flaschenhalter, sogar in blau, Katrine und Marie wären begeistert! Wir sind also ganz glücklich, dass wir heute so produktiv sind! Dann gehen wir noch in einem “pure veg” Restaurant essen, wo es uns sehr gut schmeckt! Auf dem Heimweg kaufen wir noch Bananen, dann wird geduscht und unterm Moskitonetz unterm Ventilator geschlafen.



In der Hostelküche kochen wir am Sonntagmorgen Porridge, während die Hostelmitarbeiter gerade Linsen fürs Mittagessen kochen. Dann geht es mit dem neuen Flaschenhalter und den mit gefiltertem Wasser gefüllten Flaschen los. Wir biegen wieder auf kleinere Straßen ab, wo uns sofort wieder weiße Menschen auf Rollern begegnen, auf dem highway war das nicht so. Wir fahren kurz am Meer und an Flüssen entlang, auf jeden Fall oft durch Palmen und Mangroven. Es gibt auch wieder mehr Restaurants, viele werben mit Fischgerichten. Nach dem Essen und Chai können wir beobachten, wie die Innereien vom Geflügelladen nebenan auf den Weg gekippt werden und sich Hunde, Raubvögel und Krähen Teile davon schnappen. Da ist was los, aber es ist genug für alle da.

Fütterungszeit!

In einem kleinen Dorf, das die Hauptkreuzung quasi auf einer Brücke hat, stockt der Verkehr kurz vor uns und nichts bewegt sich mehr. Wir rollen mit unseren Fahrrädern erstmal auf den Parkplatz eines kleinen Shops und schauen uns an, was passiert ist. Der Fahrer des Autos neben uns meinte nur “accident”. Einige Autos weiter hinten drehten um. Dann sah Simon, den kleinen Unfall, seht selbst.

Was soll man dazu sagen? Besser nichts



Nach einigen Minuten fährt der Bus weiter und wir lassen erst einmal alle anderen Fahrzeuge fahren. Und natürlich fährt der Fahrer des verschrammten Autos danach nicht wirklich zur Seite, sondern bleibt im Inneren einer engen Kurve direkt nach der Brücke stehen. Wir sagen ihm, dass das nicht schlau ist und er besser zur Seite fahren sollte. Für uns geht es weiter durch Reisfelder und Palmen.

Simon war ganz begeistert von diesem „Gurkenbaum“!


Nach einigen weiteren Kilometern kamen wir in Karwar an, wo wir ein paar Hotels auscheckten, dann aber doch ins erste Hotel, das wir angesehen hatten, gingen.

Aber zuerst kauften wir erstmal Bananen – beim DriveBy-Stand 😉

Frisch geduscht gingen wir nochmal raus, aßen gegrillten Maiskolben, während wir uns am Strand den Sonnenuntergang wie viele anderen anschauten. Wir schlenderten noch über den Obst- und Gemüsemarkt und aßen Abendessen in einem kleinen Restaurant.

Es gibt immer noch keine Mangos…
Schon verständlich, dass man hier extra herkommt, um den Sonnenuntergang zu sehen, oder?

Danach gab es noch mega leckere Ananas im Hotelzimmer!


Am Montag frühstückten wir Brotreste, die wir noch hatten, die nur so halbwegs lecker schmeckten. Dann bepackten wir unsere Fahrräder und tranken noch einen Tee beim Teeladen direkt vorm Hotel. Wir fuhren durch leere Straßen, wo gestern Abend noch alles voll mit Obst, Gemüse, Menschen, Mopeds und Kühen war, wieder auf den highway, aus mangelnder Alternativstraße. Wir kamen eigentlich ganz gut voran, waren aber beide etwas müde, weil uns die Moskitos in der Nacht teilweise wach gehalten hatten. Trotzdem machten wir erst nach 50 Kilometern Mittagspause, im Rajastan Dhaba, einem Mini-Restaurant direkt zwischen Straße und dem Fluss, den wir kurz danach mithilfe einer Brücke überquerten. Außer uns aßen hier noch LKW-Fahrer.

… die LKW-Fahrer von den LKWs da hinten

Das Essen war mal wieder ziemlich scharf, und Karin brannte danach beim bergauf Radeln der Bauch, weshalb wir immer wieder kurze Pausen machten. Auch sonst war es mal wieder ein warmer Tag, unsere Klamotten waren mal wieder klatschnass vom Schweiß. In einer Abfahrt trafen wir einen bangladeschischen Radfahrer, der durch ganz Indien radelt, um auf Blutspenden, Klimawandel und Drogenkonsum aufmerksam zu machen.

Er hat ne coole Mission!

Nachmittags machten wir noch eine Pause, wo wir uns mal wieder eine Wassermelone teilten. Mit dieser neu gewonnenen Energie fuhren wir weiter und erreichten schließlich in Hannover, äh, Honnavar. Da wir beide ziemlich fertig von dem langen Tag waren, suchten wir uns schnell ein gutes Hotel aus, duschten, kochten Nudelsuppe und wollten uns ansonsten nicht mehr viel bewegen. Nur noch das Moskitonetz spannten wir zwischen Schrank und Vorhangstange, um gut zu schlafen.


Am Dienstag waren wir nach fast 11 Stunden Schlaf auch wieder fit (Simon mehr als Karin), um weiterzuradeln. Es gab noch Porridge vom Balkon und dann ging es wieder auf die indische Straße, wo wir, kaum losgefahren, schon zweimal fast vom selben Getränketransporterfahrer umgefahren worden wären. Das erste Mal fuhr er einfach aus einer (schlecht ein- und raussehbaren) Seitenstraße auf die Hauptstraße, wo wir kamen UND uns gerade auf dem Randstreifen ein Moped entgegenkam. Wir bremsten und ließen den Getränkelaster vorfahren. Er war natürlich schneller als wir, hielt aber etwas weiter vorne unvermittelt an, um eine Frau einsteigen zu lassen. Also überholten wir ihn, nicht ohne ihn darauf hinzuweisen, dass er es mal mit sicherem Fahren versuchen könnte.
Dann kam uns kurz danach mal wieder ein Mopedfahrer auf dem Seitenstreifen entgegen, dem wir aber mit Handzeichen und nicht-Platz-Machen klar machten, dass er auf dem Schotter neben der Straße fahren solle. In dem Moment sagte Karin noch: “Ich werde jetzt nicht auf die Straße ausweichen und mich von dem Getränkelaster umfahren lassen!”.
Und einige Meter weiter fiel dem Getränketransporterfahrer kurz, nachdem er uns überholt hatte, ein, dass er genau da links abbiegen musste, wo wir gerade mit unseren konstanten, gut kalkulierbaren 22 km/h fuhren, wo er uns abermals von den Fahrrädern geworfen hätte, wenn wir beide nicht voll gebremst hätten. Es bildete sich eine Mopedmenge um uns, die alle gaffen mussten, wie wir diesen Fahrer lauthals anschrien. Er aber verzog keine Miene, verstand überhaupt nicht, was er falsch gemacht hatte.
Wir merkten, dass es keinen Sinn hatte, radelten weiter und versuchten, diese Situation zu vergessen. Ansonsten hatten wir heute wenig Anstiege, immer wieder Rückenwind und immer wieder Schulkinder, Mopedfahrer und Auf-einen-Bus-Wartende, die uns freundlich zuwinkten. Wir, vor allem Karin, waren schon um 11 Uhr hungrig und versuchten mal, ob wir schon “veg Thali” (also ein Teller mit Gemischtem) bekommen. In einem Restaurant hielten wir an, bestellten zwei veg Thali und warteten. Wir bekamen zwei Chai und freuten uns. Neben uns setzen sich drei Männer, einer unterhielt sich mit uns, sagte, dass er Muslim sei und es toll findet, uns kennenzulernen. Er wollte unsere Bestellung bezahlen und wir dankten ihm. Dann gingen die drei Männer, nachdem sie frittierte Snacks mit Saucen gegessen hatten und wir saßen immer noch da. Wir fragten, ob wir unsere Thali noch bekommen werden, der Wirt verstand eher kein Englisch, zeigte aber immer wieder auf die Küche und sagte ja. Also gingen wir davon aus, dass es halt etwas dauert. Nach über einer Stunde und weiteren Nachfragen mit Handyübersetzung kam ein anderer Mann, der vom Wirt darauf hingewiesen wurde, uns eine Karte zu bringen. Das war uns zu blöd. Wir standen auf und radelten weiter. Das der Muslim unsere Bestellung (was auch immer es nun war) bezahlt hatte, waren wir hier nichts schuldig.
Wenige Kilometer weiter war ein schöneres Restaurant, wo wir gleich auf englisch angesprochen wurden und eine Karte bekamen ;-). Wir waren inzwischen beide hungrig und wollten einfach etwas essen. Wir suchten uns Veg Biryani, also Reis mit allem möglichen Gemüse und Gewürzen aus. Wir werden anderen kleinen Restaurants aber bestimmt noch Chancen geben! Den Rest des Tages kamen uns noch einige Mopeds und Rikschas auf dem Seitenstreifen entgegen…

Auch dieses nette Duo sahen wir am Straßenrand.


Heute waren wir, vor allem Karin, nicht so motiviert, weit zu fahren, daher suchten wir uns ein Hotel, das wir bald erreichten und mal wieder etwas Zeit für blog, polarsteps und ein Zimmer ohne Menschen hatten.

Haben wir schon erwähnt, dass Fahrrad fahren fetzt?



Der Highway tut uns nicht gut.


Nach dem Frühstück brachen wir am Mittwoch wieder auf, bei nur 28 Grad auf dem Highway. Wir dachten, dass wir auf dem Seitenstreifen ganz gut fahren können, aber mindestens ständig fahren uns vor allem Mopeds, aber auch Fahrräder, Rikschas und Autos, Letztere eher in der Nähe von Städten mit Kreuzungen, entgegen.
Wir wissen, dass hier der Mittelstreifen einen Meter breit, ca. 30 Zentimeter hoch und bepflanzt ist. Außerdem ist er fast überall, außer, wenn der Highway durch eine Stadt geht oder wenn ganz selten mal Abbiegen und U-turns durch ausgesetzten Mittelstreifen möglich sind. Deshalb liegt es vielen Fahrenden nahe, auf dem Randstreifen in der entgegengesetzten Richtung zu fahren, um nicht einige oder wenige Kilometer Umweg fahren zu müssen.
ABER was hilft uns das, wenn wir dadurch immer wieder in den Verkehr auf die Straße gedrängt werden, wo wir uns noch unsicherer fühlen? Erst heute morgen haben wir von einem Radfahrer gelesen, der genau in solch einer Situation einen Unfall hatte. Er fuhr auf dem Highway in Karnataka (wo wir jetzt auch sind) auf dem Randstreifen und ein Moped fuhr gegen ihn. Er flog ein paar Meter, aber es geht ihm gut. Das Fahrrad muss nun erstmal in Reparatur. Auch deshalb versuchten wir, einigen Fahrern klarzumachen, dass es gefährlich ist, wie sie fahren.


Wir wollten heute mal zwei kleine Snackpausen einlegen. Die erste war um halb 12, als wir Poori, frittierten Teig in einem süßen kleinen Restaurant aßen und Tee tranken. Die Leute dort waren total nett und am Ende fragte die Frau Karin in ziemlich gutem Englisch nach unserer Reise. Wir hatten gesehen, dass es eine Fähre am Meer entlang über einen Fluss gibt und man so die Stadt Udupi vorne am Meer umfahren kann. Wir fuhren zum Fährhafen und schon der eine Kilometer auf der kleinen Straße dorthin entspannte uns. Kokospalmen, Bananenstauden und Papayapflanzen wohin das Auge reicht!

So schön friedlich ist es hier…
Am Fährhafen angekommen…

Am Fährhafen sagte man uns, dass die nächste Fähre in 90 Minuten fahre. Dann kam ein kleines Fischerboot, von dem ca. 15 Frauen in wunderschönen Saris neben uns an Land gingen und dann mit Rikschas fortfuhren. Sie sagten uns, dass es heute keine Fähre mehr geben würde. Wir fragten nochmal die Fährbeamten in Hemden und die selben wie eben meinten jetzt: ”Vielleicht fährt sie heute noch, vielleicht auch nicht, sie wird repariert…”
Ok, dann fuhren wir halt wieder zurück auf den Highway, um darauf durch die Stadt zu fahren. Aber erst machten wir unsere zweite Snackpause mit anderen frittierten Snacks, einer hatte eine süßliche Linsenfüllung. Dann noch ein Chai und weiter ging es. Die Straße durch die Stadt verlief ganz gut und wir fanden wieder ein nettes Hotel mit Blick auf Palmen.



Der Donnerstag, der 29.2.24 ist ein besonderer Tag im Kalender, aber bei uns ist nicht viel Spannendes auf der Straße passiert.

Achtung, es könnten Kühe vorbeikommen
Zum Frühstück gab es heute: Super Combo A und Super Combo B mit super leckeren indischen Leckereien

Wir fuhren nur ca. 50 Kilometer in die Stadt Mangaluru, wo wir in einem Garten mit einem Gartenhäuschen mitten in der Stadt über warmshowers übernachten können. Wir trafen dort Stevan, den wir schon in Karachi getroffen hatten und dessen Fahrrad gerade in der Reparatur ist. Ja, genau, er war das mit dem Unfall. Wir ruhten uns im Garten bei schwitzigen 37 Grad aus und konnten uns mit ihm austauschen.

Hier im Garten mitten in Mangaluru ist es schön ruhig und grün
Wir sind jetzt da, wo der Pfeffer wächst (und am Mangobaum hochrankt). Wer hat uns hier her gewünscht??



Am Freitag wachten wir wieder früh auf, um noch bei unter 30 Grad losradeln zu können. Es war wirklich eklig warm und auch wenn man nichts machte, schwitzte man einfach. Da ist Fahrradfahren mit dem Fahrtwind wirklich angenehm!

So ein kleines Verkehrchaos am Morgen… ist doch kein Problem

Schon nach wenigen Kilometern betraten/befuhren wir den Bundesstaat Kerala. Dort hatten wir erst eine wunderschöne breite Straße mit gutem Asphalt, worüber wir uns schon freuten.

So schön leer und voller Teer war die Straße am Anfang in Kerala

Aber dann war die Straße für etwa 40 Kilometer eine große Baustelle, ähnlich wie wir es schon vor einigen Tagen erlebt haben.

Mal war rechts die Straße in Bauarbeiten, dann links… Da fährt man immer hin und her

Wir machen eine Tee- und eine Snackpause und waren schon kurz nach Mittag unserer Meinung nach genug gefahren, um in ein Hotel, heute mit Klimaanlage, einzuchecken und hier ein paar Tage die Klimaanlage zu genießen.

Eine Antwort zu „(84) Papaya, Ananas und Melonen”.

  1. Blaues Fahrrad mit blauem Flaschenhalter: Wie wärs, wenn ihr es Enzian nennt? Oder: Das eine Rad Tufast und das andere Forju? Katrine und Marie gefällt das bestimmt! 😉

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