Für unsere Zugfahrt nach Delhi hatten wir uns teilweise gut informiert 🙂
Man kann Züge in Indien am Schalter oder online buchen. Uns wurde empfohlen, einen Zug zu nehmen, mit dem wir von Anfangs- zu Endstation fahren können, um unsere Fahrräder am Anfang ein- und am Ende auszuladen, denn dazwischen wird der Gepäckwagen nicht geöffnet. Nach langem Suchen hatten wir schon vor etwa zwei Wochen einen Zug von Kochi nach Neu-Delhi MIT Gepäckwagen gefunden und gebucht, der nicht mitten in der Nacht losfährt oder ankommt. Da wir schon fünf Tage vor der Abfahrt unseres gebuchten Zuges in Kochi waren, konnten wir die Zeit dafür verwenden, herauszufinden, wie wir unsere Fahrräder als Gepäck in dem Zug mitschicken können. Beim Gepäck-Schalter wurde uns erklärt, dass unser Zug von einer privaten Firma unterhalten wird und der Gepäckwagen auch. Es sei also für uns nicht möglich, unsere Fahrräder in unserem Zug als Gepäck aufzugeben. So ganz wollten wir das nicht glauben und fragten nochmal am nächsten Tag eine andere Dame. Die sagte das gleiche. Wir fragten in einer Chatgruppe für Radfahrende, da antwortete uns ein Inder, dass man in Indien das Recht hat, sein Gepäck in dem Zug, in dem man fährt, mitzunehmen. Er meinte, wir sollten den Manager des Bahnhofs fragen und ihn überzeugen, dass da doch noch Platz im Zug ist. Aber auch das half nichts. Wir mussten also die Fahrräder mit einem anderen, schon früher fahrenden Zug nach Neu-Delhi schicken. So waren wir also in den fünf Tagen vier Mal beim Bahnhof, der zum Glück nur einen Kilometer entfernt war. Und beim vorletzten Mal ließen wir unsere Räder “verpacken” und dann dort stehen. Das war ein komisches Gefühl, wir hatten unsere Fahrräder auf der Reise noch nie so weit von uns entfernt…

Am Freitag, den 15.3.24 mussten wir also irgendwie mit all unseren Fahrradtaschen zum Bahnhof kommen. Dafür hielten wir eine Rikscha an und passten gerade so rein 😉

Wenn man in der Rikscha sitzt und nicht selbst direkt im Straßenverkehr teilnimmt, ist es gar nicht so schlimm. Dann mussten wir aber die Taschen doch noch die letzten Meter zum Gleis tragen. Wieder mal merkten wir, dass das Wetter hier im Süden Indiens ganz schön warm und feucht ist.


Zum Glück hatten wir Plätze im Zug in der zweiten Klasse mit Klimaanlage gebucht! Der Zug kam pünktlich angefahren, wir verstauten unsere Taschen unter den Sitzen, saßen erst ein bisschen auf den Bänken unten und machten es uns dann oben in unseren Betten im Liegen gemütlich.
Die ersten Stunden waren wir allein, dann kam eine Familie ins “Abteil”, von der am Ende die Großeltern mit der etwa 2-Jahre alten Enkelin und drei Taschen, davon eine voll mit Essen, blieben. Die Eltern verabschiedeten sich ganz happy von allen, auch von uns. Das Mädel war am Anfang nicht so begeistert, dass die Eltern gingen und teilte das auch laut mit. Aber die Großeltern konnten sie ganz gut bespaßen, Simon winkte von oben herunter oder es kam ein anderes Mädel im ähnlichen Alter mit seiner Mutter vorbei. Simon und ich waren oben ganz zufrieden mit Lesen, Hörbuch hören und Spiele spielen. Ungefähr alle fünf Minuten kam ein Verkäufer vorbei, der laut “Pani” (Wasser) oder “Chai/ Kopi” riefen und verkauften. Dreimal am Tag konnte man auch beim “Küchenchef” Essen bestellen. Wir hatten teilweise Snacks dabei, bestellten aber beide Male zum Abendessen “”veg Thali”, was wir ja schon von Restaurants kannten. Es war etwas zu scharf, aber lecker und auf jeden Fall genug.

Wir fanden unseren Lieblings-Teeverkäufer, bei dem wir immer mal wieder Tee bestellten. Er hatte eine große Kanne mit gezuckertem heißem Milchwasser dabei, Teebeutel und Instantkaffee in einer kleinen Plastikflasche, deren Deckel Löcher zum dosieren hatte. Wir erkannten ihn, wie er “Chai/Kopi” sagte und er freute sich, wenn wir ihm Tee für 10 Rupien, also etwa 11 Cent abkauften.

Abends bestellten und bekamen wir also Abendessen, dann Zähne putzen, Bett mit Laken beziehen und schlafen. Es war eine angenehme Nacht, es war schön klimatisiert, mückenfrei und ganz bequem.
Am Samstagmorgen wachten wir irgendwann auf und es ging weiter wie am Tag davor. Um die Mittagszeit stiegen die Großeltern mit dem Kleinkind aus und der Schaffner sagte, dass hier keiner mehr komme. Deswegen saß mal der Herr von nebenan bei uns, mal machten drei Wasserverkäufer bei uns Pause, mal machte unser Teeverkäufer seine Abrechnung bei uns und immer wieder kam die zweite Familie vorbei. Also das Mädel versteckte sich bei uns und quiekte dann, wenn die Mutter sie gefunden hatte. Der Vater kam auch vorbei, um in Ruhe auf sein Handy schauen zu können, naja, um in Ruhe laute Videos auf seinem Handy schauen zu können.

Karin las Peter Pan, während Simon sich Peter Pan anhörte 🙂 So ging der Tag schnell vorbei, es gab wieder Abendessen, wurde dunkel und es war Zeit zum schlafen. Simon unterhielt sich noch ein bisschen mit dem Familienvater über unsere Reise und Indien und ging dann auch in sein Bettchen.
Am Sonntagmorgen waren das Mädchen und die Mutter zum Vater gekommen, der bei uns unten geschlafen hatte und weckten uns auch auf. Naja, man kann ja auch mal aufstehen, also aufwachen und weiter liegen.

Wir kamen Neu-Delhi immer näher und erreichten pünktlich unseren Zielbahnhof. Dort schulterten wir wieder all unsere Taschen und gingen zum Gepäckschalter in Neu-Delhi. Hier merkten wir gleich, dass das Klima hier kühler und trockener ist, als dort, wo wir losgefahren waren. Wir brauchten noch eine Kopie unserer Pässe und dann hatten wir sie wieder, unsere Reisefahrräder! Unbeschadet und mit allem dran!

Wir packten alles auf die Räder und fuhren los, erst durch eine matschige Unterführung, damit die Räder und die Füße gleich mal dreckig sind, dann un Richtung Highway raus aus der Stadt in Richtung Nordwesten, Richtung Nepal!
Da hatten wir den indischen Verkehr wieder, den wir in den letzten zwei Tagen nicht vermisst hatten. Die Autos, Mopeds und vor allem Busse fahren, wie sie wollen: alle quetschen sich durch die kleinsten Lücken/ man hält unvermittelt an, wenn einem etwas einfällt/ man hält auch so einfach irgendwo an und verstopft so die Straße/ man wendet, wo und wann man will/ wenn ein Fahrzeug am Straßenrand steht, rechnen wir immer damit, dass es genau dann losfährt, wenn wir neben ihm sind/ es wird permanent gehupt/ rechts abbiegen ist so schwierig, deshalb fährt man so weit auf der Gegenfahrbahn wie nur möglich/ dann läuft da wieder jemand mit einem Verkaufsstand rum/ dann läuft da halt ne Kuh rum (die macht am wenigsten Chaos)/ undsoweiter

Nach 30 Kilometern ist es für heute genug und auch schon spät, also suchen wir in einer Vorstadt von Neu-Delhi nach einem Schlafplatz. Das nervt heute auch noch, weil die Menschen an der Rezeption für schlechte Zimmer hohe Preise haben wollen. Ein Hotel, das das beste Angebot gemacht hat, hat die komische Regel, dass man nach der Buchung zwei Stunden nicht ins Zimmer darf. Eigentlich kann man in der Lobby warten, aber heute ist im Hotel eine Feier und wir sollen doch noch ne Runde in der Stadt drehen und später wiederkommen. Nagut, wir wollten ja eh etwas essen gehen. Wir fahren in die “belebte Gegend” und das ist nicht untertrieben. Karin hat gar keine Lust, sich durch die volle Straße zwischen Obst-und Gemüse, Snack- und sonstigen Ständen, Mopeds, Fußgänger*innen und Rikschas hindurchzuzwängen. Die Rikschas halten natürlich immer wieder an und spucken Fußgänger*innen mitten auf die Straße aus und dann müssen ja sowohl Fußgänger*innen als auch Rikschas vom Fleck kommen. Simon hat Spaß, Karin nicht.

Also wieder raus da und dann zu einem Momo-Stand, wo wir seit Langem endlich wieder Momos essen können! Daneben steht ein Eiswagen, den probieren wir doch auch mal aus. Dann müssen wir nur noch ne halbe Stunde warten, bevor wir ein einseitiges Formular ausfüllen können und dann endlich unser Zimmer beziehen. Dann endlich duschen und ab ins Bett.


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